Franzmühle macht sich stark für Mehl aus der Nachbarschaft

Die Elsterberger Müller wissen genau, was sie mahlen und was wo daraus gebacken wird. Nun mischen sie bei einer sächsischen Mehl-Kampagne mit - als einzige Vertreter aus dem Vogtland.

Elsterberg.

Das Rattern ist in der ganzen Franzmühle zu hören. Sechs Doppel-Walzstühle laufen, damit aus Getreide feines weißes Mehl wird. "Wir mahlen nur Korn, das von Landwirten direkt aus der Nachbarschaft stammt", erklärt Müllermeister Sebastian Gläser (36). Das Mehl liefern sein Vater und er an kleine Handwerksbäckereien im Vogtland. Noch regionaler geht es kaum: Wer sich solche Brötchen kauft, schmeckt mit jedem Bissen die Heimat auf der Zunge. "Wir kennen schon die Saat auf dem Feld um die Ecke, wie in Reuth oder Bernsgrün, aus der später Semmeln für die Vogtländer werden", schmunzelt der 36-Jährige.

In Familienbesitz ist die Mühle an der Weißen Elster seit 1843, verrät Müllermeister Franz Gläser (69). Doch die Mühle ist noch viel älter. "Das geht zurück bis 1220, als sie mit der Elsterberger Burg zusammenhing", erklärt der 69-Jährige. Die Burg ist heute eine Ruine. Die Mühle mahlt immer noch - als eine von wenigen Mehlmühlen im Landkreis. In Sachsen gibt es noch elf, die über 1000 Tonnen Getreide pro Jahr verarbeiten, erklärt Franz Gläser. Die Franzmühle mahlt bis zu 2000 Tonnen Korn im Jahr, meist Weizen. Sie hat DDR-Zeiten überstanden, in denen die Müller es schafften, eine Zwangsverstaatlichung zu umschiffen. Wenn sie auch mit doppelten Steuern dafür zahlten. Nach der Wende hielten sie der Konkurrenz aus dem Westen und der Ex-Staatsbetriebe, die mehr Geld in Modernisierungen hatten stecken können als sie, stand.

Jetzt wollen sich Vater und Sohn für Handwerksbäcker vor Ort stark machen. Mit einer Kampagne, die am Freitag startet. Sie heißt "Mehl aus der Nachbarschaft" - erkennbar an blauen Tüten mit Herz und passenden Flyern. Sieben sächsische Handwerksmühlen sind dabei. Gefördert wird die Kampagne vom sächsischen Landwirtschaftsministerium. Sie zeigt, wie regional, eigentlich schon lokal, das Mehl in der Semmel vom kleinen Bäcker tatsächlich ist. Solche Betriebe sollten nicht untergehen, so Sebastian Gläser, weil große Industrie-Bäcker billigeres Brot mit Mehl aus dem Zwischenhandel anbieten. "Landwirte, Franzmühle und Bäcker hängen voneinander ab", sagt er.

Wer Brot oder Brötchen in der blauen Tüte kauft, der unterstütze nicht nur lokale Betriebe, so der 36-Jährige. Sondern auch kurze Transportwege, weniger Ölverbrauch und weniger abgenutzte Straßen durch Lkw voller Industrie-Brot von weiter weg. "Und es schmeckt individueller", fügt der junge Müller hinzu. www.muellerhandwerk.de

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