Französische Musikschüler besuchen Vogtland

Laurent Guillet ist in Plauen kein Unbekannter mehr. In jedem Jahr kommt der französische Autor in die Stadt, die ihn mit der Vergangenheit seines Großonkels verbindet.

Plauen.

Plauen hatte am Freitag Besuch aus Frankreich. Nelly Burban, Betreiberin einer Musikschule in der französischen Gemeinde Malansac in der Bretagne, ist mit sechs ihrer Schülerinnen und Schüler zu einem kostenlosen Konzert ins Malzhaus gekommen. Das war aber nicht der einzige Grund ihres Aufenthaltes. Gemeinsam mit dem französischen Autor Laurent Guillet, der schon seit sieben Jahren ein regelmäßiger Gast in der Spitzenstadt ist, befinden sie sich auf dessen erdachter längster historischer Schnitzeljagd der Welt.

Die verläuft über acht Gemeinden in drei Ländern, zwischen Trevélo (Geburtsort von Joseph Santerre, Sarrebourg (Frankreich), Bad Liebenwerda und Mühlberg an der Elbe, Hartmannsdorf, Lengenfeld, Plauen sowie Litvinov und Most in Tschechien und sie folgt den Spuren von Joseph Santerre, Großonkel von Laurent Guillet. Der hat als Kriegsgefangener im Zweiten Weltkrieg diese Strecke zurückgelegt und ist dabei auch in Plauen gewesen.


An der im Jahr 2012 noch stehenden Gefängnismauer am Schlossberg hat der Schriftsteller damals eine Gedenktafel enthüllt. In deutscher, französischer, tschechischer und englischer Sprache wird darauf über zwei Kriegsgefangene informiert, die am 12. Dezember 1944 wegen angeblicher Fahrlässigkeit bei der Arbeit in Pechtelsgrün und Irfersgrün verhaftet und dann mit großer Wahrscheinlichkeit in die Gestapo-Dienststelle im Haus Rähnisstraße 74 in Plauen gebracht wurden. Das war neben dem Großonkel auch noch dessen Landsmann Emile Pellegrino. Später folgte deren Unterbringung im Arbeitserziehungslager "Sachsenhof", Morgenbergstraße 43, und die Zwangsarbeit in der Arnold Ritter Maschinenfabrik, Rinnelberg 14 a. Santerre starb unter ungeklärten Umständen im Februar 1945 in einem Lager der deutschen Nazis.

Genau über diese Schicksale hat der Schriftsteller seinen Landsleuten am Freitag während eines Stadtrundganges berichtet. Nicolle Fritzsche und Rainer Haderthauer vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement in Zwickau öffneten dazu extra einen Keller auf dem Schlossberg, in dem die Tafel nach Abriss der Gefängnismauer lagert: "Sie wird nach den Bauarbeiten auf dem Areal hier wieder angebracht", versicherte Haderthauer.

Die Musikschüler Anna Queval (22 Jahre), Martin Boulo (16), Sophie Caboulet (22), Charlotte Drin (23), Marcel Guiho (67) und Herve Degres (53) haben wie Nelly Burban und Laurent Guillet in der Jugendherberge übernachtet. Stadtführer Friedemann Wendler zeigte ihnen die wichtigsten Sehenswürdigkeiten im Stadtzentrum.

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