Frauen im Vogtland: Acht Fakten

Anlässlich des Weltfrauentages hat die "Freie Presse" Informationen zu Frauen in der Region gesammelt - darunter so manche Überraschung.

Plauen.

Bei fast acht Milliarden Erdenbürgern machen Frauen 49,6 Prozent der Weltbevölkerung aus. Damit sind sie im Vergleich zu den Männern ein wenig in der Unterzahl. Aber was auf die Weltbevölkerung zutrifft, sieht im Vogtlandkreis dann doch anders aus. Hier leben 2,5 Prozent mehr Frauen als Männer. Es starben 2017 aber auch mehr Frauen als Männer. Voriges Jahr erblickten auf den Geburtenstationen der Region, in Plauen und Rodewisch, 64 Mädchen weniger als Jungen das Licht der Welt. Auch an den Schulen im Kreis lernten voriges Schuljahr rund drei Prozent weniger Mädchen als Jungen. Bei den Auszubildenden ist von drei Lehrlingen nur eine junge Frau dabei.

Vogtländische Musterfrau: Die Durchschnittsfrau im Vogtland ist 1,64 Meter groß, 51 Jahre alt und hat leichtes Übergewicht. Sie hat zwei Kinder. 461 Frauen ließen sich im Jahr 2017 scheiden - mehr als doppelt so viele sagten aber im selben Jahr vor dem Traualtar Ja.

Christoph Ulrich

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Arbeitsmarkt: Auf dem Arbeitsmarkt ist das Verhältnis der Geschlechter im Vogtland fast ausgeglichen. Die Region hat mit 65,2 Prozent eine noch höhere Frauenbeschäftigungsquote als Sachsen insgesamt. Der Freistaat steht bundesweit damit an der Spitze. Vieles ist in den letzten Jahren auf dem Arbeitsmarkt erreicht worden, um Frauen eine gleichberechtigte Teilhabe zu ermöglichen. "Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stellt für Frauen nach wie vor eine große Herausforderung dar", betont Bärbel Uebel, operative Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Plauen. Jede zweite Frau arbeitet im Vogtland in Teilzeit. Jeden dritten Vollzeitarbeitsplatz füllt eine Frau aus. Der höchste Frauenanteil bei den Beschäftigten ist in der Gruppe 55 bis 65 Jahre zu finden: fast 54 Prozent. Die meisten Frauen sind im Bereich Gesundheit und Sozialwesen beschäftigt sowie in pädagogischen Berufen. Dort sind drei von vier Mitarbeitern weiblich. In technischen Berufen liegt der Frauenanteil bei unter 20 Prozent. Mehr Frauen als Männer übernehmen aber auch Freiwilligendienste: Zwei von drei Bufdis im Vogtland sind eine Frau.

Kriminalität: Im Vogtlandkreis werden weit weniger Frauen straffällig als Männer. Wie die Polizei mitteilte, war 2017 jeder vierte Tatverdächtige eine Frau. Das macht 1323 weibliche Tatverdächtige von 5369 insgesamt.

Unfallstatistik: Im vergangenen Jahr gab es im gesamten Vogtlandkreis 6353 Unfälle. 2049 wurden dabei von Frauen verursacht. Das macht einen Anteil von rund 32 Prozent.

Berühmtheiten: So manche Vogtländerin hat es zu Ruhm und Bekanntheit gebracht. Aus der Vergangenheit ist zum Beispiel die Reichenbacherin Friederike Caroline Neuber (1697-1760) unvergessen. Die "Neuberin" reformierte das damalige Theaterspielen. An sie erinnert heute das Reichenbacher Neuberinhaus.

Aber auch in der Gegenwart fehlt es nicht an Prominenten: Stefanie Hertel (geboren 1979 in Oelsnitz) ist eine erfolgreiche Volksmusikerin und musikalische Botschafterin des Vogtlandes. Für ihre sportlichen Leistungen bekannt ist dagegen die Skispringerin Ulrike Gräßler (geboren 1987 in Eilenburg bei Leipzig), seit dem Jahr 2000 Mitglied beim VSC Klingenthal. Unter anderem nahm sie an den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi teil, war 2009 Vizeweltmeisterin, holte 2013 Bronze bei der Weltmeisterschaft im Mixed Team und hat sich auch Gold und Bronze bei Deutschen Meisterschaften gesichert. Inzwischen hat sie ihre aktive Karriere beendet.

Frauen als Unternehmerinnen: Mehr Frauen als in anderen Regionen starten im Vogtland als Selbstständige durch. Der Anteil bei Gewerbeanmeldungen und Gründungen lag im Vogtlandkreis voriges Jahr bei 27 Prozent. Der könnte weiter steigen. Bei den Gründungsberatungen der IHK in Plauen kommt auf drei Durchstarter aktuell eine Jungunternehmerin. Den höchsten Frauenanteil weist die Unternehmervertretung im Einzelhandelsausschuss auf. Jedes dritte Mitglied ist eine Geschäftsführerin. In der Regionalversammlung ist nur jedes fünfte Mitglied eine Frau.

Geschäftsfrauen vor: Im deutschlandweiten Vergleich hat der Vogtlandkreis den höchsten Frauenanteil an Geschäftsinhabern: 22 Prozent. Das berichtete der MDR. Nach dessen Angaben sind in Mitteldeutschland nur 19,2 Prozent der Geschäfte oder Handels-Unternehmen in Frauenhand. Der MDR beruft sich auf Zahlen aus einer Datenbank der Handelsregister.

Einkommen: Frauen bekommen im Vogtlandkreis für ihre Arbeit durchschnittlich 8,4 Prozent weniger Geld als Männer. Das geht aus Statistiken der Arbeitsagentur hervor. Die westsächsische Bundestagsabgeordnete und Gewerkschaftschefin Sabine Zimmermann (Linke) macht darauf aufmerksam. Das mittlere Einkommen (Medianentgelt) beträgt für den Vogtländer 2288 Euro und für die Vogtländerin 2096 Euro. Im überregionalen Vergleich schneidet das Vogtland damit schlecht ab: In Sachsen liegt das Medianentgelt für Frauen bei 2447 Euro, in Ostdeutschland bei 2637 Euro und im bundesdeutschen Durchschnitt bei 2920 Euro. Frauen im Vogtland verdienen also 28 Prozent weniger als im bundesdeutschen Durchschnitt. Zimmermann verweist auf den hohen Frauenanteil im Niedriglohn- und im Teilzeitbereich. Mitte 2018 gingen 20.775 Frauen einer Teilzeitbeschäftigung nach, aber nur 4443 Männer. Auch bei den Minijobs sind Frauen stärker vertreten. Die Sozialexpertin: "Es ist nicht akzeptabel, dass so viele Frauen prekär beschäftigt sind und durchschnittlich auch immer noch weniger verdienen als Männer."

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