Freie Sicht zur Friedensbrücke: Comeback für historischen Weg

Die "Grüne Klammer" soll die imposante Brücke mit einbeziehen. Die Pläne sprießen, doch was ist jetzt machbar?

Plauen.

Auf einem Plauener Stadtplan aus dem Jahr 1874 existierte er noch, jetzt soll der historische Fußweg zwischen Karlstraße und Aktienbrauerei wieder aufleben: Die Stadtverwaltung verfolgt Pläne für die Reaktivierung des aus dem Plauener Gedächtnis weitgehend verschwundenen Pfades. Bei einer Präsentation im Stadtbau- und Umweltausschuss stieß das Vorhaben auf Interesse, allerdings wollen sich die Mitglieder des Gremiums noch in die Materie hineindenken und die örtlichen Gegebenheiten genauer unter die Lupe nehmen.

"Wollen wir die Friedensbrücke zuwuchern lassen?", stellte Baubürgermeister Levente Sárközy eine Frage in den Raum und gab sogleich die Antwort aus seiner Sicht. Dieses einmalige Bauwerk verdiene nicht nur eine Aufwertung, sondern es lasse sich als Bestandteil in die "Grüne Klammer" integrieren, die zwischen Stadtpark und Zentrum entsteht. Im Städtebau-Förderprogramm "Zukunft Stadtgrün - Grüne Klammer" heißt es etwas sperrig: "Historische Steinbogenbrücke sichtbar und erlebbar machen: Herstellung einer Wegebeziehung an der Friedensbrücke mit Aufenthaltscharakter".

Eigentlich sind es drei Varianten, die allesamt das Brückenumfeld aufwerten und zugleich Plauenern und Touristen neue Wege und Perspektiven eröffnen würden. Die Varianten ließen sich auch kombinieren und zeitlich versetzt umsetzen. Gesamtkosten: 540.000 Euro. Realistisch betrachtet, finanziell unterlegt, 2019 machbar und daher von Sárközy dem Bauausschuss wärmstens empfohlen ist die mit 95.000 Euro angesetzte Variante 3.

Und so sieht das Projekt aus: Jener neue alte Weg soll von der Abzweigung Karlstraße/Dobenaustraße neben der Druckerei Baumgärtel abzweigen, den Hang hinauf durch einen kleineren Bogen der Friedensbrücke hindurch zu einer intakten Steintreppe führen. Von dort aus geht es nach oben auf die Brücke und Friedensstraße oder abwärts zur Brauerei und zur Dobenaustraße.

An der Brücke existiert auch eine ebenso für lange Zeit in Vergessenheit geratene Tafel, die an einen Besuch des Sachsen-Königs zur Brücken-Fertigstellung 1905 erinnert. Vor zweieinhalb Jahren hatte die Stadt dort bereits Platz geschaffen, Bäume fällen lassen und den Blick auf die Tafel ermöglicht. Weitere Fällarbeiten müssen wegen der Schonzeit bis Ende Februar abgeschlossen sein. Pflegeleichtes Begleitgrün würde den Charakter einer Grünanlage herstellen und wild wachsende Bäume und Gestrüpp im Zaum halten. Entlang des Weges soll es auch eine Beleuchtung geben.

Indes: Wird ein solcher Weg auch angenommen? Oder hat die Stadt dann wieder etwas mehr an der Backe, das zu reinigen und zu pflegen ist? Diese Fragen warf Klaus Gerber (SPD/Grüne-Fraktion) im Bauausschuss auf. "Der Weg ist früher rege genutzt worden", erinnerte sich Ausschussmitglied Wolf-Rüdiger Ruppin (CDU). Die Idee der Reaktivierung finde er gut. Matthias Gräf, beratender Bürger, könnte sich auch auf der anderen Seite der Brücke eine Öffnung des gesperrten Weges vorstellen, der zur IHK führt. Ilona Gogsch, die für die Linkspartei als sachkundige Bürgerin in dem Gremium sitzt, befürchtet einen instabilen Hang. "Ein richtiger Einwand", sagte dazu Sárközy. Der Boden dort sei aber stabilisiert worden.

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