Friedhof I: Grundstein für Neubau wird gelegt

Am Freitag fällt der Startschuss für den Neubau des Verwaltungsgebäudes der Ruhestätte in Preißelpöhl. Gleichzeitig entsteht damit ein "Kompetenzzentrum Friedhof" in Sachsen. Was ist darunter zu verstehen?

Plauen.

Wenn Alexander Schwarz Trauergespräche führt, müssen er und die Hinterbliebenen sich momentan mit Provisorien zufriedengeben. Der Friedhofsverwalter und seine sechs Mitarbeiter haben nur wenig Platz. Das ändert sich ab dem Frühsommer 2019 - ein neues Verwaltungsgebäude auf dem kirchlichen Friedhof I in Preißelpöhl soll dann für Entlastung sorgen.

Bereits seit geraumer Zeit sollte ein Neubau errichtet werden, doch das Vorhaben war ins Stocken geraten. "Am Freitagnachmittag wird der Grundstein gelegt", kündigt nun Bauingenieur Hans-Joachim Rudolph an. Der Unternehmer hat gemeinsam mit Sohn Jens jetzt den Auftrag übernommen.

Darüber ist der Baupfleger der sächsischen Landeskirche heilfroh: Roy Estel sieht die Arbeiten jetzt in den besten Händen. Es müsse aber auch flott gehen und alles klappen, denn entstehen wird nicht nur irgendein schnödes Bürohaus, sondern das erste "Kompetenzzentrum Friedhof" im Freistaat. "Dort können sich Hinterbliebene auch aus kleinen Gemeinden fachgerechten Rat holen", erklärt Estel - zum Beispiel bei Verwalter Schwarz. Der kennt sich bestens aus, wenn es um eine würdevolles Abschiednehmen geht, weiß, was erlaubt und was verboten ist.

Der 46-Jährige ist vogtländischer Fachberater im Friedhofswesen, eine Aufgabe, für die er etwa drei Tage im Monat in der Region unterwegs ist. Über den gut ausgebildeten Ansprechpartner ist Pfarrer Andreas Gräßer froh ebenso über die bald modernen Arbeitsbedingungen für Schwarz und seine sechs Mitarbeiter. Gräßers evangelisch-lutherische Lutherkirchgemeinde ist Träger der Ruhestätte. Er sagt: "Unsere Friedhöfe sind keine Auslaufmodelle - im Gegenteil, mit dem Bau bekennen wir uns dazu." Es sei im Übrigen auch nicht selbstverständlich, dass die Landeskirche Bauprojekte fördere, im Falle des denkmalgeschützten Friedhofs ein Drittel der Gesamtsumme, verrät der Chemnitzer Baupfleger Estel. Über die Anlage und deren symmetrischer Anordnung gerät er schnell ins Schwärmen.

Der Friedhof wurde 1866 eröffnet. Aus dieser Zeit stammt auch der historische Eingangsbereich. Links und rechts davon befindet sich normalerweise Feierhalle und Verwaltungsgebäude. Auf der einen Seite klafft nach dem Abriss eines alten Gebäudes die Lücke, aber nur noch bis nächstes Jahr. Tiefbau- und Betonarbeiten sind bereits im Gange. "Uns ist wichtig, dass nur regionale Firmen beteiligt sind", so Bauexperte Rudolph. Außer dem Empfangsbereich und der Verwaltung sollen auch ein zeitgemäßer Personalbereich sowie ein Mehrzweckraum für Schulungen einziehen. "Dieser wird sich im Dachgeschoss befinden. Dort wäre zum Beispiel auch eine Veranstaltung im Rahmen des Religionsunterrichts möglich", sagt Verwalter Schwarz.

Auf dem Friedhof werden jährlich rund 220 Menschen bestattet, davon seien 40 Beerdigungen, schätzt Verwalter Schwarz. Er ist für seine kreativen Einfälle bekannt. Erst vor einem Jahr ist auf seine Initiative hin in der Nähe der Baumgräber zum Beispiel ein kleiner Teich angelegt worden. "Das wissen viel gar nicht", so Schwarz.

Das ehemalige Toilettenhaus soll übrigens stehen bleiben, obwohl es nicht mehr als WC genutzt wird, sondern als Lager. Behindertengerechte Toiletten wird es unterdessen mit im Neubau geben.

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