Friseurin mit Charme und Schere

Mein Traumberuf Josephin Fritsch griff nach dem Fachabitur zu Kamm und Schere. Jetzt ist die 30-Jährige Meisterin. "Freie Presse" stellt junge Vogtländer mit Tätigkeiten vor, die man in der Region erlernen und ausüben kann. Heute: Friseurin.

Plauen.

Josephin Fritsch hat selten schlechte Laune. Wer sich von der jungen Friseurmeisterin die Haare schneiden lässt, geht mit einem Lächeln aus dem direkt am Plauener Rathaus gelegenen Salon. Das hat nicht nur mit der neuen Frisur zu tun. Sondern viel auch mit der 30-jährigen Frohnatur, deren Markenzeichen rote Haare sind. "Natürlich braucht es in dem Beruf einen gewissen eigenen Stil, Ausstrahlung und Kontaktfreudigkeit", sagt sie. Wer eher verschlossen und in sich gekehrt ist, hat es schwer. Der Umgang mit Kamm und Schere ist nur ein Teil des Berufsalltags. Haare kehrt im Salon nicht nur der Azubi, sondern auch die Meisterin. "Für ein gutes Miteinander im Team ist das wichtig", meint Josephin Fritsch. Weil das passt, schließt sie morgens gern die Tür zum Salon auf.

Die Plauenerin entschied sich nach dem Fachabi am Beruflichen Schulzentrum (BSZ) e.o.plauen für die Lehre. Ursprünglich strebte sie den Abschluss an, um dann in Dresden Maskenbild zu studieren. Doch sie blieb. Weil sie ihre Stadt liebt, sagt sie. "Auch die vielen Weiterbildungsmöglichkeiten überzeugten mich, im Beruf zu bleiben. Ich will nicht stehen bleiben", sagt sie. Seit drei Jahren hat sie ihren Meisterbrief in der Tasche. Den kann man auch direkt nach der Lehre durchziehen. Davon hält Josephin Fritsch wenig. "Man muss erst mal im Berufsalltag ankommen. Auch, um zu wissen, in welche Richtung man sich eigentlich qualifizieren will."

Viele bilden sich in Sachen Make-up weiter. Bei jungen Männern sei momentan die Zusatzqualifikation zum Barber beliebt, berichtet Antje Seltmann. Die 47-Jährige ist Fachpraxislehrerin für die Friseurausbildung am BSZ in Falkenstein. Seit 20 Jahren bildet sie den Friseurnachwuchs für das Vogtland aus. Dieses Jahr ist der Jahrgang wieder stärker, der bis zur Gesellenprüfung im dritten Lehrjahr von Wirtschaftskunde bis zur Zusammensetzung von Pflegeprodukten viel Wissen vermittelt bekommt.

26 Bewerberinnen und drei Bewerber registrierte die Plauener Arbeitsagentur im Vorfeld des diesjährigen Ausbildungsstarts. Damit kletterte der Job auf Platz acht unter den zehn beliebtesten Ausbildungsberufen. Die Handwerkskammer in Chemnitz meldet insgesamt 107 Berufsneulinge mit Kamm und Schere in der Region Südwestsachsen.

Saloninhaberin Stefanie Rothe bildet seit acht Jahren Azubis aus. Dass Mitarbeiterin Josephin Fritsch Talent mitbringt, fiel ihr schnell auf, berichtet sie. Mit einer einjährigen Tochter braucht sie ein Team, auf das sie sich verlassen kann. Auch deshalb beteiligt sie ihre Mitarbeiter am Gewinn und zahlt übertariflich. "Wertschätzung ist mir wichtig", sagt die Plauenerin. "Wenn man gute Leute will, muss man auch gut zahlen. Ich hoffe, dass sich das Image des Friseurberufs bessert."

Josephin Fritsch hat 30 verschiedene Schnitttechniken im Repertoire. Farbhelme verpasst sie nicht. Natürlich soll es aussehen. "Am Ende muss sich die Kundin wohlfühlen", betont sie. Denn wenn die Chemie beim Haareschneiden stimmt, wächst das Vertrauen. "Dass man bei seinen Stammkunden über die Jahre zum Begleiter wird, das mag ich besonders an meinem Beruf", sagt sie.

Antje Seltmann empfiehlt Interessierten vor der Unterschrift unter einen Lehrvertrag ein Praktikum im Salon. "Viele unterschätzen die körperliche Anstrengung des Berufs und den Leistungsdruck", sagt die Ausbilderin. In Ketten wird oft im Schichtbetrieb gearbeitet, nicht selten zum Mindestlohn. Josephin Fritsch indes ist mit ihrem Einkommen zufrieden. "Was ich heute verdiene, habe ich mir erarbeitet."

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Fakten zum Friseurhandwerk

Das Schönste am Beruf? Menschen zu begleiten, so Josephin Fritsch. "Eine Brautfrisur ist oft erst der Beginn. Später schneidet man dann vielleicht den Kindern die Haare. Das empfinde ich als etwas sehr Schönes."

Das Schwierigste an dem Beruf? "Den ganzen Tag über präsent zu sein, sich direkt wieder auf die nächste Kundin und deren Erwartungen einstellen zu können", berichtet die Friseurmeisterin. "Auch körperlich ist es ein durchaus anstrengender Job, weil man viel und lange steht, was gerade Berufsanfänger unterschätzen."

Ausbildung? Sie dauert drei Jahre. Mit Fachabitur kann man auf zwei Jahre verkürzen. Aber auch mit Hauptschulabschluss ist die Ausbildung möglich. Die schulische Ausbildung läuft über die Außenstelle des Plauener BSZ Anne Frank in Falkenstein. Neben prüfungsrelevanten Klassikern werden auch Modetrends geschult, in diesem Jahr ist die Farbe "Erdbeerblond" der Renner. Azubis fangen bei der Haarstruktur an, doch auch über die Ausbildung hinaus sind viele Zusatzqualifikationen in dem Beruf möglich. Zum Lehrplan gehört auch ein Teil Kosmetik.

Was verdient man? Laut eine Tabelle der Handwerkskammer muss die Ausbildung im ersten Lehrjahr mit mindestens 200 Euro, im zweiten mit 235 Euro und im dritten mit 325 Euro vergütet werden. Im Vogtland gibt es dabei durchaus Unterschiede, wie ein Blick auf aktuelle Ausbildungsverträge zeigt. Eine Anfrage an die Friseurinnung im Vogtland nach einer Empfehlung blieb unbeantwortet. Auch bei der Zahl der Wochenstunden und Urlaubstage gibt es Unterschiede. Trinkgelder sichern Azubis ein Zubrot.

Was muss man können? "Neben Interesse für das Berufsbild gehört eine gute Allgemeinbildung zum Job, um sich unterhalten zu können", sagt die junge Friseurmeisterin. Auch Kenntnisse in Mathe sind nötig, mindestens der Dreisatz, um eine Farbe im richtigen Mischungsverhältnis anzusetzen.

Für wen ist das nichts? "Wer sehr nach innen gekehrt ist, wird sich im Umgang mit Kunden stark überwinden müssen. Auch Berührungsängste sollte man nicht haben, denn man arbeitet den ganzen Tag am Menschen", betont Josephin Fritsch. (nij)

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