Frust ums Jugendparlament: Gescheitert, weil es uncool war

Hat die Jugend keinen Bock mehr? Nach elf Jahren ist das Plauener Nachwuchsparlament gescheitert. Dabei sollte es den jungen Leuten Lust auf Politik machen. Eine Geschichte voller Unmut.

Plauen.

Am Anfang fielen die Leute weg. Die nächste Generation der Jung-Parlamentarier sollte gewählt werden, aber kaum einer wollte sich wählen lassen. Seitdem das Jugendparlament Jupp zum Jahresende seine Arbeit niedergelegt hat, prickelt es hinter den Kulissen. Gerade tut sich ein neuer Graben auf. SPD/Grüne, Linkspartei und Kreisschülerrat wollen das Jupp wiederbeleben. Sie planen eine Kinder- und Jugendkonferenz nach den Sommerferien.

Die beiden Jupp-Vorstände Tim Rudolf und Patric Ebert reagierten verärgert und warfen das Handtuch. Sie fühlen sich übergangen: "Mit uns wurde nicht gesprochen", sagt Rudolf, 21. Bis Herbst sollte kein Wort über das Jugendparlament verloren werden, danach sollte etwas Neues entstehen: "Neuer Name, neues Image. Wir hatten Pläne." Aber nicht nur er ist frustriert. Die Linken-Fraktion ist es auch. "Auf Einladungen hat das Jupp nicht reagiert", sagt Geschäftsführerin Petra Rank.

Das Jugendparlament ist gescheitert. Dabei galt es vor elf Jahren als Pionier in Sachsen. Eine Reihe junger Stadträte von heute begann ihre Politik-Karriere dort, getragen von einer Welle der Euphorie, die durch die Jugend ging. Zuletzt hatten nur noch sieben Jugendliche Lust darauf. Mitbegründer Benjamin Zabel räumt Fehler ein: "Wir haben Erwachsenenpolitik auf Schüler übertragen und Politik für sie langweilig gemacht." Zabel, Chef der Ratsfraktion aus Grünen und SPD, zählt die Gründe des Scheiterns auf: zu formalistisch, zu viele Protokolle, zu wenig Unterstützung von Stadträten. "Man wird mit Ratsvorlagen zugeschüttet. Da kann man als junger Mensch nicht durchsehen", sagt Zabel. Einen Fehler sieht er auch in der Lage des Jupp-Büros, das im Rathaus untergebracht war. "Da wollen Jugendliche nicht hingehen."

Tim Rudolf war vor drei Jahren mit der Vision gestartet, eine Stimme in der Stadt zu bekommen. "Wir hatten keine Erfolgserlebnisse", sagt er. Die jungen Leute seien akzeptiert gewesen, aber nicht respektiert worden: "Wir konnten bei Terminen nicht mal Snacks und Getränke hinstellen." Dafür hätte er Sonderanträge einreichen müssen, weil das Budget des Jupp nicht frei verfügbar war. Rudolf studiert in Chemnitz und hat abgeschlossen mit dem Jupp.

Zabel hofft auf einen überparteilichen Neustart. Konferenzen statt festen Parlaments, ein politischer Jugendarbeiter statt verschlossener Türen, Jugendclub statt Rathaus als Veranstaltungsort. Wer kommen möchte, der kommt. Das hätte Zabel gerne. Schul-Bürgermeister Steffen Zenner (CDU) hat zwei Pläne auf dem Tisch liegen, wie es laufen könnte. Variante eins wäre ein neues Jupp, Variante zwei ein Kinder- und Jugendbeirat, der lockerer arbeitet. In einer Sondersitzung will Zenner nächste Woche mit dem Sozialausschuss darüber diskutieren.

Plauen ist kein Einzelfall. Markneukirchen und Klingenthal sind mit ihren Jugendgremien ähnlich gescheitert. In der 1800-Seelen-Gemeinde Erlbach scheint sich der Jugendbeirat indes etabliert zu haben. Politisch hält sich die kleine Gruppe allerdings zurück. Sie organisiert Feste. Zuletzt hat sie von ihren Festeinnahmen Spielgeräte gekauft.

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4Kommentare
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  • 1
    1
    Tauchsieder
    04.05.2017

    Stimmt ?Zeitung?.?, wer will sich schon im wahrsten Sinn des Wortes am Nasenring durch die Arena führen lassen und Lernen , von den ?Profis?, Pustekuchen. Nicht jeder hat mit seiner Entwicklung schon so frühzeitig abgeschlossen wie dieser Hr. Zabel. Dafür ist Plauen das denkbar schlechteste Beispiel und Vorbild für eine Karriere in der Politik.

  • 5
    3
    Zeitungss
    04.05.2017

    Jugendparlament gescheitert, weil ....., nein die haben mibekommen, was im schwarzen Vogtland wirklich läuft und an den Auswirkungen möchte ich als Jugendlicher auch nicht beteiligt sein.
    Ursachenforschung könnte weiterhelfen.

  • 4
    1
    Tauchsieder
    04.05.2017

    Welcher Stadt - oder Gemeinderat will sich schon von Jugendlichen was sagen lassen, dieses war absehbar. Nicht nur das Alter sondern auch die Interessen liegen zu weit auseinander. Die Einen lieben es pragmatischer, die Anderen sind jung, dynamisch aber hoffnungslos.

  • 5
    2
    DerKuckuck
    04.05.2017

    Tja wenn man mitmacht und dan resigniert feststellt, dass man nicht ernstgenommen wird, dann muss man sich nicht wundern. Vielleicht ist die Jugend auch realistiscer geworden oder hat im neoliberalen Deutschland keine Zeit mehr nebst Ausbildung und Pendlerei für derlei Freizeitgestaltung.



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