Fünf Trümpfe am Sternplatz: So funktionieren Gärten der Zukunft

Sparte ist nicht gleich Sparte. Wenn Engagement und Standortvorteile zusammenkommen, ist das Nährboden für Oasen.

Plauen.

Die Kleingarten-Landschaft in Plauen steckt mitten im Umbruch. Das soeben vorgelegte Kleingarten-Konzept weist für 17 der zurzeit 134 Sparten "sehr hohen Handlungsdruck" aus. Von 6200 Kleingärten sollen langfristig bis 2035 etwa 1200 verschwinden. Im Umkehrschluss heißt das aber auch: Für 26 Gartensparten besteht kein und für 63 nur geringer Handlungsdruck. Läuft es einigermaßen nach dem Fahrplan des Konzeptes, dürfte es in 16 Jahren immerhin noch 5000 Kleingärten in Plauen geben.

Doch was unterscheidet Problemfälle von den starken Sparten? Was haben die gefragten Anlagen an Besonderheiten zu bieten, was läuft dort anders? "Freie Presse" schaute sich beim Kleingartenverein Sternplatz um. Der Vorsitzende und Gartenfachberater Torsten Grieser und Vorstandsmitglied Berthold Löckelt gewährten bereitwillig Einblicke in ein schönes Stück grünes Plauen.


Tolle Lage - volle Belegung: Unmittelbar neben den Wohnblöcken am Sternplatz und an der Comeniusstraße erstreckt sich die zweigeteilte Anlage mit 122 Gärten, von denen 120 belegt sind. Im Gegensatz zu manch anderer Gartensparte ist der Verein nicht auf öffentlichen Nahverkehr angewiesen. Fast alle Kleingärtner wohnen in unmittelbarer Nähe, berichtet Vereinschef Torsten Grieser und zeigt in Richtung Westen zum Neundorfer Wasserturm: "Und dieser schöne Ausblick hier ist ein Trumpf."

Die Natur als Erlebnis: Eine moderne Art der Naturverbundenheit des kurz vor seinem 100. Geburtstag stehenden Vereins schimmert an vielen Ecken der Anlage durch. Hier eine kleine Wildblumenanlage, dort eine Schmetterlingswiese - die wurde an der Grenze zum Kurt-Helbig-Sportplatz angelegt. Berthold Löckelt hat seine drei Bienenvölker gut durch den Winter gebracht und bietet Honig zum Verkauf, der schon allein deshalb gut geht, weil er in der Gartenanlage entstanden ist. Der gebürtige Schweriner, der über Berlin ins Vogtland fand, hat darüber hinaus auch lauschige Plätze für Wildbienen geschaffen. Und wie er machen es auch andere am Sternplatz.

Ein uriges Vereinslokal: Von der schönen Aussicht profitieren auch Besucher im Biergarten des Vereinsheimes. Pächterin Monika Frotscher öffnet außer mittwochs und donnerstags täglich. Das große Bier kostet 2,70 Euro, die Karte bietet reiche Auswahl. "Bei mir werden die Schnitzel geklopft und paniert", sagt die Wirtin, die mit Fertigfutter nix am Hut hat. Ihr Tipp: Rouladen oder Sülze. "Wir sind alle eine große Familie", betont Monika Frotscher.

Mitten im Leben: Lage und touristische Einbindung sorgen für Belebung. Spaziergänger und Ausflügler machen gern einen Abstecher durch das Vereinsgelände oder einen Stop im Vereinsheim. Torsten Grieser verweist auf Radfahrer, die vom nahen Radweg zur Gartenanlage kommen. Eine Kooperation mit der Dittes-Grundschule gibt es, mit Kitas und Senioren ist derlei in einem bereits geschaffenen Generationengarten geplant. Als Magnet erweist sich auch das Sommerfest, das diesmal vom 16. bis 18. August über die Bühne geht. Berthold Löckelt hebt die gute Zusammenarbeit mit dem Sponsor Sternquell-Brauerei hervor. Extra-Schirme oder zum Fest nötiges Equipment - kein Problem.

Entspannt trotz klarer Regeln: Zusammenhalt und gegenseitige Hilfe werden am Sternplatz groß geschrieben. Die Kleingarten-Regeln sind dennoch durchzusetzen, konsequent und mit Augenmaß, sagt Torsten Grieser. Arbeitseinsätze gehören ebenso dazu wie Begehungen. Beim Rundgang zeigt sich: Einige Gartenfreunde werden wohl etwas tun müssen. Und wenn Interessenten für einen der raren Gärten kommen, dann nehmen sich die recht jungen Vorstände die nötige Zeit. Wie sieht's mit Fusionen aus? Der Vereinschef sagt: "Die streben wir nicht an, aber wir sind offen dafür."

www.kleingartenverein-sternplatz.de

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