Fünfjährigen bedroht und gedemütigt

Erzieherin kommt mit Geldauflage gut davon

Plauen/Auerbach.

Der kleine Junge hatte ein paar Mal mit Fingern geknackt. Für die Erzieherin seiner Einrichtung Anlass genug, ein Messer zu zücken und dem Fünfjährigen zu drohen, sie würde ihm "die Finger abschneiden", wenn er nicht sofort aufhöre. Das Messer legte sie auf den Tisch, um den die Kindergruppe saß - das räumte die 30-jährige Angeklagte am Mittwoch vor dem Amtsgericht Auerbach ein. "Dann war Ruhe", fügte sie hinzu. "Das glaube ich gern", erwiderte Richter Helmut Böhmer. Sieben Fälle der Misshandlung von Schutzbefohlenen wurden der Frau vorgeworfen. Immer wieder demütigte sie den Fünfjährigen: Sie duschte ihn kalt ab, wenn er ins Bett genässt hatte, sperrte ihn nackt aus dem Heim aus, auch im Winter, und forderte ihn auf, aus einem Hundenapf zu essen.

Die 30-Jährige aus dem Raum Zwickau gab alles zu. Allerdings klinge das "schwerer, als es war", erläuterte ihre Anwältin. Es habe jeweils eine Vorgeschichte gegeben. Als Teamleiterin sei sie überfordert gewesen: Wenig Personal, immenser Papierkram, schwierige Kinder aus schwierigen Verhältnissen.

Im Sommer 2018 war Schluss: Der freie Träger kündigte der Teamleiterin, die Polizei nahm Ermittlungen auf. Misshandlung von Schutzbefohlenen wird mit mindestens sechs Monaten Haft auf Bewährung geahndet. Mit entsprechender Vorstrafe ist es schwierig, weiter im pädagogischen Bereich zu arbeiten. Im Einvernehmen mit dem Staatsanwalt verkündete Richter Böhmer die Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage von 3000 Euro, zu zahlen binnen sechs Monaten. Die 30-Jährige ist inzwischen als Schulsozialarbeiterin in Westsachsen tätig. (bap)

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