Für diese Frau ist Alex die Nummer eins

Regina Weidenmüller kümmert sich als Schulassistentin um den schwerstbehinderten Alexander Grund. Dass das Auto der Familie umgebaut werden kann, dafür drückt die Plauenerin beide Daumen.

Plauen.

Streicheln ist das Geheimnis dafür, dass Alexander sich emotional öffnet. Es funktioniert über körperliche Nähe. Doch das klappt nicht von heute auf morgen, sondern erfordert Geduld. Eineinhalb Jahre brauchte es - jeden Tag ein bisschen mehr -, bevor Schulassistentin Regina Weidenmüller Zugang zu dem jungen Mann fand. Doch nicht etwa, weil Alexander nicht will. Er kann nicht.

Der junge Plauener ist nach einer Hirnblutung als Neugeborener schwerstbehindert und wird es sein Leben lang bleiben. An die "Ersatzmutter" hat er sich gewöhnt, inzwischen drückt er Regina Weidenmüllers Hand. Er erkennt sie. Ein Lächeln huscht ihm übers Gesicht, wenn sie das Licht anknipst. Hell und Dunkel, das kann Alex unterscheiden. Mehr wohl nicht. Seine Helferin macht es froh, wenn der Junge entspannt ist: Regina Weidenmüller, 60, dreifache Mutter und Oma dreier Enkel. Die frühere Kindergärtnerin ist als Schulassistentin über den Deutschen Kinderschutzbund angestellt.

Vergangene Woche ist der spastisch Gelähmte, der nicht sprechen und laufen kann, 17 Jahre alt geworden. In diesem Alter verlieben sich viele Menschen erstmals, machen einen Schulabschluss, beginnen, auf eigenen Beinen zu stehen. Alexander wird all das nie erleben.

Obwohl der Junge mittels Magensonde ernährt wird, hatten seine Eltern für eine kleine Geburtstagsfeier in der Klasse ihres Sohnes in der Karl-Theodor-Golle-Förderschule in Syrau gesorgt. Mutter Kerstin spendierte Wiener, Brötchen und Saft. Während sich's die Schulkameraden schmecken ließen, bereitete Alexanders Assistentin seine 11-Uhr-PEG zu. Dabei handelt es sich um eine sogenannte perkutane endoskopische Gastrostomie - ein künstlicher Zugang von außen in den Magen. Über einen Kunststoffschlauch wird Alexander Nahrung oder ein Saft-Tee-Gemisch zugeführt. "Er kann ja nicht schlucken", erklärt die Frau. Sie wirkt nachdenklich, als sie ergänzt, dass Alexander ohne künstliche Ernährung verhungert wäre.

Auch das Windeln des Jungen gehört für die Plauenerin zum Alltag. Scheu oder Ekel kennt sie nicht. Ab dem Moment, wenn sie ihn morgens mit einem Schultaxi zu Hause abholt, bis zum Augenblick, da sie ihn nachmittags wieder mit heimbringt, dreht sich für Regina Weidenmüller alles um den auf ihre Hilfe Angewiesenen.

Danach ist ihr Schützling wieder in der Obhut der Eltern. Dass Kerstin und Rainer Grund mit ihrem jüngsten Sohn am Leben teilhaben können, mit ihm in ein Schwimmbad oder zu einer Therapie fahren können, dafür benötigen sie einen Lift. Der soll an ihr Auto an- und dieses im Vorfeld noch umgebaut werden. Doch das Vorhaben kostet. Mindestens 6000 Euro laut Voranschlag der Werkstatt. Geld, das Grunds nicht haben. Sie hoffen nun auf eine Spende der "Freie Presse"-Leser. Dass die Summe, die zusammenkommt, reicht, dafür drückt Regina Weidenmüller die Daumen.

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