Futterknappheit: Kühe stehen diesmal länger auf der Weide

Der trockene Sommer hat bei den Landwirten im Vogtland Spuren hinterlassen - mit zahlreichen Auswirkungen auch auf die Tiere der Agrarbetriebe. Für einen Abend konnten die Bauern nun die Probleme hinter sich lassen.

Plauen.

Seit 28 Jahren beschließen die vogtländischen Landwirte das Erntejahr mit einer Tanzveranstaltung in der Plauener Festhalle, die 26 Jahre lang Bauernball hieß und seit 2017 den Namen Land-Party trägt. "Wir wollen damit auch jüngere Leute und Nicht-Landwirte ansprechen, was uns auch voriges Jahr ganz gut gelungen ist", so Nicole Andermann vorm Vorstand des organisierenden Absolventenvereins. Auch in diesem Jahr folgten am Freitagabend rund 350 Gäste der Einladung des Vereins.

Für die Landwirte geht allerdings ein schwieriges Jahr zu Ende, das gleich mehrere Probleme mit sich brachte. Fast alle vogtländischen Landwirte beklagen, auf den Wiesen zu wenig Futter geerntet zu haben. "Das Futter ist in manchen Betrieben knapp", so Janine Körner, die in der Informations- und Servicestelle Plauen des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie arbeitet, und als Vorstandsmitglied im Absolventenverein den Bauernball organisieren hilft.

Dirk Rudert, Geschäftsführer des Biobetriebes Agrargenossenschaft Großzöbern, bestätigt diese Einschätzung aus dem Amt: "Unsere Futtervorräte sind dieses Jahr knapp. Wir können nur hoffen, dass es keinen langen Winter gibt und das Gras im Frühjahr zeitig zu wachsen beginnt." Um die Wintervorräte so sparsam wie möglich zu verfüttern, stehen in Großzöbern ein Teil der Mutterkühe und Jungrinder noch auf der Weide. Ähnlich verhält es sich auch in der Waldkirchner Agrargenossenschaft Marienhöher Milchproduktion. "Wir lassen die Färsen so lange es geht draußen", sagt Jörg Mothes, der für die Tierhaltung verantwortlich ist. Geschäftsführer Heiko Hölzel fügt an: "So ein schlechtes Jahr wie dieses haben wir selten erlebt. Trotzdem sind wir im Vergleich zu anderen Regionen gut weggekommen." Da die Niederschlagsverteilung in der Region sehr unterschiedlich war, ist Dirk Rudert zumindest mit der Getreideernte zufrieden. "Bis zum Frühsommer hatten wir genug Wasser. Das Ergebnis beim Getreide war ganz gut."

Christoph Köting und Alexander Riedel stehen in der Agrargenossenschaft Theuma-Neuensalz am Melkkarussell. Für 450 Milchkühe sind die beiden Männer jeden Tag mit verantwortlich. Den Zweien fiel auf, dass die Milchleistung infolge des Hitzestresses über die Sommermonate ein wenig zurückging. Auf den Party-Abend hatten sich die beiden Tierwirte gefreut. "Man sieht mal ein paar andere Bilder und trifft Kollegen", so Christoph Köting.

Genau darum geht es dem Absolventenverein. Die Landwirte sollen zusammenkommen, nicht um über Probleme zu diskutieren, sondern einen Abend lang die Probleme einmal hinter sich lassen, so Nicole Andermann. 110 Mitglieder zählt der Absolventenverein. Er entstand 1993 aus den ersten Absolventen der Fachschule für Landwirtschaft in Plauen heraus. Regelmäßig kommen neue Mitglieder dazu, sodass fast alle Altersgruppen vertreten sind. Der Verein organisiert unter anderem auch die Pflüger- sowie die Melkwettbewerbe und lädt zu einer Lehrfahrt ein. "Dieses Jahr waren wir in Papenburg und haben dort Milchvieh- und Ackerbaubetriebe besucht", berichtet Nicole Andermann. Auch ein Familienausflug und eine Abschlussfeier zum Jahresende gehören zu den Aktivitäten des Vereins.

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