Gäste rätseln über weniger Wasser in der Talsperre Pöhl

Hartnäckig hält sich das Gerücht, Wasser aus dem drittgrößten Stausee Sachsens werde zugunsten der Konkurrenz abgelassen. Doch das Wasser strömt woandershin.

Pöhl.

Gerade hatten sich Pöhl-Freunde noch gefreut, dass die Talsperre zur Saison wieder genug Wasser für sommerlichen Badespaß führt. Doch Besucher beobachteten in diesen Tagen mit großer Sorge, dass der Pegel in der Pöhl wieder sinkt. "Die 'eingefleischten' Pöhler Fans meinen, dass die Talsperre täglich zugunsten des Leipziger Raums enorme Wassermengen abführen muss", grübelt Wolfgang Horlbeck aus Reichenbach, der regelmäßig zur Liegewiese auf der Schlosshalbinsel fährt.

Ein anderer Besucher meint, dass eine doppelte Abgabemenge in die Trieb und somit in die Weiße Elster Richtung Thüringen hinter dem Wasser-Rückgang steckt. "Wenn das so weitergeht, stehen die Vogtländer wieder vor einem leeren Stausee", sorgt sich Oliver Then aus Plauen. "Was soll denn in Leipzig das Wasser auffüllen, wenn nicht die Pleiße und die Elster?" Der Tourismus werde so kaputtgemacht, macht sich Then Luft. Die Jahresparkkarte für die Pöhl sei dann nichts mehr wert.


Die Landestalsperrenverwaltung (LTV) hatte bereits vor Jahren Vorwürfe zurückgewiesen, Wasser aus der Pöhl gezielt zum Auffüllen des Leipziger Neuseenlandes abgegeben zu haben. Das sei technisch nicht machbar, weil eine direkte Verbindung fehle, hieß es aus der LTV. Lediglich bei Hochwassersituationen sei das denkbar - mithilfe des Zwenkauer Sees.

Dabei floss Wasser aus der Pöhl früher tatsächlich Richtung Leipzig - und zwar als Brauchwasser für Industrie. Das erläutert die LTV auf ihrer Internetpräsenz. Doch das ist vorbei. Heute diene die Talsperre hauptsächlich dem Hochwasserschutz und zur Aufhöhung der Weißen Elster bei Niedrigwasser.

Dass der Pegel in der Pöhl derzeit leicht sinkt, haben Horlbeck, Then und weitere Gäste allerdings richtig beobachtet. Das bestätigte Katrin Schöne von der LTV auf Anfrage. So habe der Staupegel am 12. Juni bei rund 45,5 Millionen Kubikmeter gelegen - und am 17. Juni bei etwa 45. Der Grund: "Derzeit muss aufgrund der niedrigen Wasserstände die Weiße Elster gestützt werden", so Schöne. Dadurch könnten Pflanzen und Tiere überleben. Wenn sich alles normalisiere, würden die erhöhten Abgaben aus der Talsperre Pöhl wieder eingestellt, versichert sie und fügt hinzu: "Sie erfolgen auf Grundlage eines genehmigten Wasserwirtschaftsplans. Die Landestalsperrenverwaltung ist gesetzlich dazu verpflichtet, sich an diesen zu halten."

Die Leipziger Seenlandschaft profitiere ganz klar nicht von der Wasserabgabe aus der Pöhl, betont sie: "Die Niedrigwasseraufhöhung der Weißen Elster durch die Talsperre ist zu gering." Aufgrund der großen Entfernung von mehr als 120 Kilometern sei die zeitweilig zugespeiste Wassermenge nicht messbar.

Touristen könnten die Talsperre Pöhl trotz geringerem Pegel nutzen, erklärt Schöne: "Die Wasserqualität ist hervorragend."

Bewertung des Artikels: Ø 3.8 Sterne bei 10 Bewertungen
6Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 10
    5
    Juri
    03.07.2019

    Es ist immer von Vorteil Fachleute zu fragen, wenn man etwas nicht weiß. Was sollen diese kleinen Stiche. Ich hab den Eindruck, so richtig Durchblick hat keiner. Da ist wohl der eine zu heiß und der andere zu frei?

  • 8
    3
    Freigeist14
    03.07.2019

    Tauchsieder@ ich kenne Ananas schon aus dem "delikat". Nochmal gerne langsam : Die Erzwäsche in Seelingstädt wurde mit Schwefelsäure betrieben . Und eigene Klärteiche wurden -meines Erachtens -nicht mit Wasser der Pöhl sondern einem Stau in Teichwolframsdorf gespeist . Diese Sperre ist "zurückgebaut" . Das der Bachabfluss vom Culmitzsch kontaminiert ist und "verdünnt " ist allerdings korrekt .

  • 6
    5
    Tauchsieder
    03.07.2019

    Ich glaube sie verwechseln hier Eier mit Ananas "Frei.....".
    Ersten wird die Trieb angestaut. Zweitens war dieser Bach nie bekannt für katastrophale Hochwasserereignisse vor Errichtung der Talsperre, da ist das Einzugsgebiet viel zu klein. Drittens sprach ich von der Erzwäsche in Seelingstädt und nicht vom Wasserbedarf dieses Bergbaugebietes. Und viertens, noch heute wird kontaminiertes Material z.B. über den Culmitzschbach der Weißen Elster zugeführt. Deshalb bedarf es eines gleichmäßig dotierten Wasserangebot. Die Tsp. Pöhl wird deshalb wahrscheinlich noch bis zum Jahr 2028 Wasser zur Verdünnung bereitstellen müssen.
    Recherche und nochmals Recherche empfehle ich ihnen, sonst ist man frei von Geist.
    Kleiner Tipp - https://www.atommuellreport.de/daten/wismut-gmbh-seelingstaedt.html

  • 11
    5
    Freigeist14
    03.07.2019

    Also Tauchsieder@ . Natürlich ist die "Pöhl" eine Brauchwasser-Talsperre . Sonst wäre sie ja eine Sperre für Trinkwassergewinnung und für die Bevölkerung gesperrt . Der Triebes-Bach Richtung Elster war auch in der Vergangenheit Hochwasser gefährdend . Für die Sicherheit der Wismut war sie von Bedeutung ,jedoch nicht für den täglichen zusätzlichen Wasserbedarf in Bergbau-Bezirk Seelingsstädt .

  • 7
    18
    Tauchsieder
    03.07.2019

    Diese Talsperre ist eine Brauchwassertalsperre. Sie diente zur Bereitstellung von Wasser für die Uranerzwäsche in Seelingstädt. Die Tsp. wurde nicht zum Baden, Segeln, Angeln usw. gebaut, dass vergessen hier geflissentlich einige. Für den Hochwasserschutz wurde sie nicht errichtet, da ist das Einzugsgebiet zu klein. Außerdem müsste dann ein anderes Wassermanagement durchgeführt werden.
    Der Zweck warum diese Tsp. gebaut wurde gibt es nicht mehr. Eigentlich müsste sie zurückgebaut werden.

  • 8
    14
    Interessierte
    03.07.2019

    Ich dacht auch , es hat jemand den Stöpsel gezogen ….



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...