Gastronomie an Bahnhofstraße: Milchbar vor Veränderungen?

Das Gebäude, in dem das Lokal bisher untergebracht ist, wird saniert. Wirtin Jana Fritsche denkt deshalb über einen Umzug nach. Doch während sich der Standort ändern könnte, will die Chefin an etwas anderem festhalten.

Plauen.

Bis Ende Mai soll es sich entscheiden: Ob die Milchbar aus dem Erdgeschoss der Bahnhofstraße 39 aus- und einmal schräg über die steile Meile zieht. "Dass das Haus saniert werden soll, wusste ich von Anfang an", sagt Milchbar-Chefin Jana Fritsche (49). Sie schmeißt das kultige Café seit fast zwei Jahren. Nun könnte sie mit Kochtopf und Kelle in die leer stehenden Räume des ehemaligen Bistros "Kleine Finessen" gehen. Wenn ja, könnte sich für sie noch mehr ändern als die Adresse.

Der Vermieter der Milchbar, die städtische Wohnungsbaugesellschaft (WBG) Plauen, plant den Gebäudekomplex an der Bahnhofstraße 35-39 zu sanieren. Sie vermietet auch das frühere Bistro an der Nummer 26. "Bis 30. August kann ich hier drin bleiben", sagt die Klingenthalerin. "Mein Traum war schon immer ein eigenes Café mit kleiner Küche." Doch das ist in Plauen nicht so einfach. "Es kann ein harter Kampf sein", so Fritsche, die Zehn- bis Zwölf-Stunden-Tage hat - und dennoch mit Hartz IV aufstockt, weil es für sie sonst nicht zum Leben reicht. Aber Aufgeben kommt für sie nicht infrage. "Im Winter ist immer Durststrecke", sieht sie es pragmatisch.

Seit dem Start in der Milchbar hat Fritsche noch mehr festgestellt als jahreszeitbedingte Flauten. Viele Kunden hätten erwartet, dass sich das Lokal nicht groß verändert, erzählt sie. Dabei wollte sie weniger Veranstaltungen machen als eine Oase schaffen für Menschen, die Ruhe, Zeit zum Durchatmen, ein offenes Ohr bei der Gastwirtin und selbst gekochte Speisen aus regionalen Zutaten suchen. "Ich drehe meine Beefsteaks noch selbst", sagt sie.

Die Klingenthalerin ist stolz darauf, bisher jedem Gast das Richtige aufgetischt zu haben. Ob Mittagstisch, nach Kundenvorlieben gemixter Milchshake oder eine improvisierte Leckerei. "Es geht gegen meine Kochehre, wenn ich jemanden nicht satt kriege", sagt sie. Ihre vegetarischen und veganen Gerichte sind gern gesehen - wenn auch nicht immer gern bestellt. "Darauf bin ich öfter sitzen geblieben."

Dass die Konkurrenz in der Nähe teils billiger ist, ist Fritsche klar. Aber Fertiggerichte sind ihr ein Graus: "Dann wäre ich nicht mehr ich." Daran will sie nicht rütteln. Woran sie selbst nicht rütteln kann, ist die Parkplatzsituation in der Nähe der Milchbar: Die Gebühren fürs Abstellen von Autos kämen eben noch auf Kaffee und Kuchen drauf, was nicht jedem schmeckt, erklärt die Unternehmerin.

Geht Fritsche ab September tatsächlich nach drüben, dann vielleicht unter neuem Namen. Damit der Laden noch mehr ihr eigener ist. Vielleicht auch mit Veranstaltungen am Freitagabend - und Öffnungszeiten am Samstag. "Die Räume sind etwas kleiner und die Miete ist etwas höher", erklärt sie. Was sie sich an jeder Adresse wünscht: eine verlässliche Hilfskraft und noch mehr private Feiern. Denn auch das ist bei ihr möglich.

Eins ist für Jana Fritsche klar: Wenn sie rüber zieht, dann will sie am liebsten auch auf Jahre dort bleiben. Für jedes Ohr die passenden Worte finden - und für jeden Magen das passende Seelenfutter.

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