Gegen Müll: Einkauf mit gutem Gewissen

Ob Kaffee, Käse oder Brot: In Plauen gibt es viele positive Beispiele, wie kleine Gesten beim Shoppen der Umwelt helfen. Händler wünschen sich aber etwas von Kunden.

Plauen.

Für Jana Fritsche kommt es auf die Größe an. "Sehr hohe Thermobecher passen nicht unter die Kaffeemaschine", erklärt die Betreiberin der Milchbar an der Bahnhofstraße. Ansonsten füllt sie gern heißen Brühmann in mitgebrachte Isolier-Gefäße, um Pappbecher-Müll zu vermeiden - Rabatt gibt's dafür obendrein. Fritsche ist nicht die einzige Anbieterin im Stadtzentrum, die nachhaltiges Shoppen unterstützt. Das fängt bei Kaffee an und hört bei Kochtöpfen und Käse nicht auf.

Laut Deutscher Umwelthilfe (DUH) werden in Deutschland stündlich 320.000 Kaffee-to-Go-Becher verbraucht. Das nagt an Ressourcen und sorgt für ordentlich Abfall. Auch die Bäckerei Börner lässt den Muntermacher in mitgebrachte Becher fließen - in der Filiale in der Stadt-Galerie bitten Kunden sechs- bis siebenmal am Tag darum, heißt es. An der Jößnitzer Straße kommt das viel seltener vor: "Ein- bis zweimal pro Woche", sagt Ramona Modes. Die Bäckerei Wunderlich in den Kolonnaden verkauft eigene Thermobecher. Kommen Kunden damit wieder, kriegen sie Nachlass auf den Kaffee, heißt es aus dem Team. Auch fremde Trinkgefäße gehen nicht leer aus - wenn auch ohne Rabatt.

Bei Forbriger im Landratsamt dagegen gibt's die Koffeindosis nur in der Pappe. Dafür packen die Verkäufer ihren Kunden Brot und Brötchen gern direkt in mitgebrachte Taschen statt in Papiertüten, erklärt eine junge Dame hinterm Tresen. Genau wie im Kaffeehaus Müller, sagt eine Blondine an der Kasse.

"Das Bewusstsein der Verbraucher für nachhaltigen Konsum ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen", erläutert Stefan Hertel, Pressesprecher vom Handelsverband Deutschland. So sei zum Beispiel der Verbrauch von Plastiktüten in Deutschland drastisch gesunken. Kunststoffbeutel werden auch im Bioladen Denns an der Friedensstraße gern ersetzt: Kunden können dort für Käse eine Box zücken. "Die Ware wird in Käsepapier gewickelt und in die Behälter gepackt", erklärt Filialleiterin Yvonne Dunger.

Mit eigener Box im Dormero-Hotel anrücken dürfen Nutzer der App "Too Good to Go", mit deren Hilfe weniger Lebensmittel im Müll landen sollen, zwar nicht. Die gibt das Hotel vor. Seit Mai können Sparfüchse dort günstig an übrig gebliebene Lebensmittel kommen, erklärt PR-Chef Tobias Graf: "Jeder Käufer darf für 3,90 Euro eine Box vom Frühstücksbuffet voll machen und mitnehmen." Natürlich erst, wenn die Gäste fertig gefrühstückt haben.

Um eine beliebte Frühstücks-Zutat geht es sozusagen auch bei der Fleischerei von Sandra Schmidt an der Schumannstraße: das Ei. "Wer 20 bei uns gekaufte Eierkartons zurückbringt, bekommt eine wiederverwendbare Transportbox für Eier", erklärt Sandra Schmidt. Sie entsorge die Verpackungen dann, denn sie dürften aus hygienischen Gründen nicht noch mal benutzt werden. So landen die Kartons immerhin nicht im Hausmüll.

Eier sind im Laden Barrique an der Rathausstraße nicht gefragt. Sondern etwas anderes. "Einige kommen mit Flaschen zu uns und lassen sich hauptsächlich Essig und Öl abfüllen. Manchmal auch Spirituosen", heißt es aus dem Barrique.

Weder um etwas zu trinken noch um etwas zu essen ging es bei einer Aktion von WMF in der Stadt-Galerie. "Wir hatten eine Aktion unter dem Motto ,Bring alt, kauf neu'", sagt Marion Sörgel. Wer ausrangierte Kochtöpfe abgab, bekam Rabatt auf Töpfe, die dort dafür neu gekauft wurden. Denn statt im Sperrmüll landen alte Töpfe doch mal im Hausmüll - wo sie aber nicht hingehören. "Solche Aktionen werden immer mal wieder gemacht", so Sörgel.

In einer Sache sind sich die befragten Händler einig: Es könnten gern mehr Kunden sein, die eigene Thermobecher, Eierboxen, Flaschen oder Käsebehälter nutzen. Um beim Einkaufen einen kleinen Beitrag für die Umwelt zu leisten.

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