Gekündigtes Hexenhaus: Besucher wünschen sich von Stadt mehr Engagement

Beim Trödelmarkt des Unikatvereins herrschte bereits vor der offiziellen Eröffnung reger Betrieb. Es wurde nicht nur viel gekauft, sondern auch viel gefragt: Wie geht es am Mühlgraben weiter?

Plauen.

Bis zum Oktober könne sie die Räume im Haus Bleichstraße 15 noch nutzen. Das sagte Margitta Schier beim Trödelmarkt im Haus Nummer 15, das als Hexenhaus bekannt ist. Ob die darin befindliche und wegen Eigenbedarf der Eigentümers gekündigte Kerzenwerkstatt in einem der anderen Bauten weiter betrieben werden kann, ist derzeit offen. Möglicherweise werde das Kerzenziehen über Weihnachten nicht angeboten werden können, bat Margitta Schier Besucher um Verständnis.

"Ich brauche einen Steinfußboden", erklärte die Mitbegründerin des Kinderkunstzentrums am Mühlgraben, warum die Suche nach neuen Räumen nicht so einfach ist. Sie und der Unikat-Verein suchen noch nach einer Lösung.

Die Plauener suchten am Samstag bereits vor der offiziellen Eröffnung des Marktes um 10 Uhr nach allerlei Trödel - und den fanden sie auch. Elke und Michael Nolte kauften einen kleinen Hocker, auf den man einen Blumentopf stellen kann, und dazu noch einige Pflanzgefäße. Elke Nolte bedauert den Verlust des Hexenhauses für den Unikatverein: "Es ist traurig." Zudem sei unverständlich, dass die Stadt nichts unternehme, ergänzte ihr Ehemann. Der Unikatverein habe mit seiner Arbeit in den vergangenen Jahren doch erst dafür gesorgt, dass der Mühlgraben wieder interessant geworden ist. "Sie haben die Aufmerksamkeit auf diese Gegend hier gelenkt", erinnerte Michael Nolte. Das bedeute auch eine Wertsteigerung.

"Ich dachte, dass die Stadt da mehr kämpft", war von einer anderen Besucherin zu hören. Überall werde der letzte Stein umgebaut, nur an den Weberhäusern halte sich das Rathaus zurück - in einer Sache, die vielen Plauenern wichtig sei, wie die stets starke Frequenz auf die Angebote dort beweise, ergänzte sie. Andere Besucher äußerten sich ähnlich.

Ein Kauf durch die Stadt Plauen ist im vorigen September diskutiert worden. Die Stadt würde die Häuser am Mühlgraben grundsätzlich gern erwerben, aber nicht zu jedem Preis, hieß es damals aus dem Rathaus. So seien die Bauten auf jeweils 10.000 Euro geschätzt worden. Eine Einigung mit den privaten Eigentümern kam aber nicht zustande. Die sogenannten Weberhäuser gelten als älteste erhaltene Häuserzeile Plauens. In den Weberhäusern lebten Färber, die Stoffe auf Rahmen spannten und trockneten. Der oberhalb der Häuser gelegene Weg wird bis heute Rähme genannt und erinnert daran.

Was aus dem noch übrigen Inventar in dem unter Denkmalschutz stehenden Hexenhaus wird, ist noch offen. "Das Wohnzimmer ist von meiner Oma", ließ Margitta Schier wissen. Die Möbel nehme sie mit. Auch andere, ihr wichtige Utensilien, wie kleinen Vogelkäfige aus Holz, die neben dem Fenster hängen, gibt sie nicht her. Alles Unverkäufliche war am Samstag mit einem roten Punkt markiert.

"Es ist ein Verlust für die ganze Stadt" appellierte die Trägerin der Plauener Stadtplakette nochmals an alle Beteiligten, das Häuschen für die Allgemeinheit zu erhalten. "Es ist ein kulturelle Erbe der Stadt", sagte sie. Das dürfe für die Öffentlichkeit nicht verloren gehen.

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