Gewerbegebiete: Unternehmer wittern Chance fürs Vogtland

Die Debatte um die Erweiterung von Oberlosa beschäftigt die Vertreter der IHK Plauen. Unternehmer erhöhen jetzt den Druck im Ringen um ein Zukunftskonzept.

Plauen.

Als dramatisch schätzt die regionale Wirtschaftsvertretung die aktuelle Gewerbeflächenentwicklung im Vogtland ein, sollte die seit zwei Jahren andauernde Stagnation sich weiter fortsetzen. Die Erweiterung des Standorts Oberlosa gilt in Unternehmerkreisen inzwischen als entscheidende Frage für die künftige Entwicklung des Vogtlands als Wirtschaftsstandort. Das wurde zur Jahrespressekonferenz der Plauener Industrie- und Handelskammer (IHK) am Dienstag deutlich. Der Gewerbeflächenreport war dabei ein wesentlicher Schwerpunkt.

"Für Investoren haben wir im Moment kein gutes Argument", betonte Geschäftsführer Danny Szendrei. Autobahnnah stünden laut der Erfassung im Vogtland nur 19 Hektar mit Baurecht zur Verfügung, zersplittert und kleinteilig. Für große Flächen - Auerbach West mit 28 Hektar, 45 Hektar in Kauschwitz und insgesamt 38 Hektar in Oberlosa - besteht indes kein Baurecht.


Um die Erweiterung von Oberlosa läuft aktuell eine Debatte zwischen Stadt und Anwohnern. Die IHK warb jetzt um Offenheit für Gespräche. "Wir sollten uns dort nicht komplett verschließen, auch wenn ich die Bedenken von Anwohnern und mögliche Umweltaspekte nicht kleinreden will", sagte Goldbeck-Geschäftsführer Lars Luderer als Vertreter des IHK-Präsidiums. Der Unternehmer sieht für das Vogtland in zentraler Lage und unmittelbarer Nähe des Dreiecks Hochfranken künftig gute Möglichkeiten, da Investoren nach Alternativen zu überfüllten und teuren Standorten wie München oder Frankfurt suchten. "Es wäre sehr sträflich, wenn wir das Thema jetzt vernachlässigen." Mit Firmen wie GK Software aus Schöneck, die gerade an einer Tagung zum Thema künstliche Intelligenz bei Goldbeck teilnahm, habe das Vogtland Zukunftsunternehmen am Tisch sitzen. "Das passiert nicht in Leipzig, sondern in Treuen", betonte Luderer. "Vielleicht glückt uns der Lucky Punch." Dafür müsse in Zeiten der Digitalisierung aber auch auf Ebene der Verwaltung mehr Dynamik entstehen. IHK-Chef Danny Szendrei erklärte: "Kommt es jetzt zu Verzug, verschleppt man kostbare Zeit."


Fakten über die vogtländische Wirtschaft

13.000 Mitgliedsunternehmen hält die Regionalkammer Plauen der IHK Chemnitz zusammen. Es sind 100 weniger als voriges Jahr. Die Schrumpfung erklärt die Interessensvertretung mit der Demografie im Vogtland.

412 Millionen Euro haben die Unternehmen der IHK in den vergangenen fünf Jahren über Förderanträge in ihre Betriebe im Vogtland investiert.

Mehr als jedes vierte im Vogtland hergestellte Produkt wird ins Ausland geliefert.

Ihre Geschäftslage bewerten die meisten Unternehmer aktuell als gut oder befriedigend. Von 140 Firmenchefs der Region gaben weniger als zehn bei der neuesten Konjunkturumfrage an, dass es schlecht laufe.

Sorgen um Energie- und Rohstoffpreise sowie die Inlandsnachfrage nehmen bei der Risikoeinschätzung der hiesigen Unternehmer zu, während sich weniger Chefs wegen Fachkräftemangels beklagten.

(Quelle: IHK Plauen)

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1Kommentare
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  • 1
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    Tauchsieder
    10.07.2019

    Und das ist gut so.
    Wir brauchen keinen weiteren Flächenfraß und Investitionen in Betriebe, die hier auf dem Mindestlohnsektor unterwegs sind. Es entstehen keine hochwertigen Arbeitsplätze, es sind überwiegend Zulieferer für die Autoindustrie. Der einheimische Arbeitsmarkt ist so gut wie ausgeschöpft, die zukünftigen Arbeitskräfte werden zu einem großen Teil aus Tschechien herangekarrt, sind von Arbeitszeitfirmen oder andere "Fachkräfte".
    Die Verwaltung sollte es sich genau überlegen, ob sie sich vor so einen Karren spannen lassen will. Es hört sich eher wie Erpressung an.
    Und solche Aussagen wie: - ...Nähe des Dreiecks Hochfranken künftig gute Möglichkeiten, da Investoren nach Alternativen zu überfüllten und teuren Standorten wie München oder Frankfurt suchten ... - erregen nur Heiterkeit. Solche Äußerungen werden lediglich als Alibi benutzt um hier im Osten auf dem Mindestlohnsektor unterwegs zu sein, der Tarifbindung im Westen zu entfliehen. Hier entstehen angeblich neue Arbeitsplätze, dafür brechen sie z.B. in München oder Frankfurt weg. Auch Baurecht ist dort nicht mehr so leicht zu erreichen, ganz im Gegenteil zu hier. Man hat den Wert des Bodens erkannt, hier sieht die Verwaltung und die Behörden nur die Arbeitsplätze. Auch die Sorgen der betroffenen Bevölkerung werden hier völlig ignoriert, ausbaden müssen dies die Leute aus Oberlosa und natürlich die Natur.



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