Goldberg-Ausstellung geht in Schulen

Wanderschau zeichnet Lebensweg eines Plauener Juden nach und blickt auf Geschehnisse vor dem Dritten Reich

Plauen.

Dass zur Eröffnung einer Ausstellung weit mehr als 150 Besucher kommen, ist nicht die Regel in Plauen. Beim Start der Wanderschau "Zum Gedenken an Dr. Isidor Goldberg" im Foyer des Vogtlandtheaters am Donnerstagabend war der Andrang so groß, dass die Stühle nicht ausreichten und einige Gäste der einstündigen Veranstaltung im Stehen folgten.

Das Publikum war international. Denn dem Kreisverband Vogtland der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) war es gelungen, Nachfahren des Plauener Rechtsanwalts, Stadtverordneten und Vorsitzenden der Israelitischen Religionsgemeinde für die Teilnahme an der Veranstaltung zu gewinnen. Auch Nachkommen des jüdischen Landgerichtsdirektors Kurt Kohn waren nach Plauen gekommen.

Irit Gal, Witwe von Goldbergs Enkel Amos Gal, wandte sich mit Dankesworten an die Ausstellungsmacher Waltraud Schmidt und Liane Kümmerl. Waltraud Schmidt ist als Expertin in Sachen jüdischer Geschichte der Region seit Jahrzehnten bekannt. Liane Kümmerl betreut den Jüdischen Friedhof am Tannenhof.

"Die Juden waren in Deutschland nie mehr als drei Prozent der Bevölkerung. Das muss man immer wieder sagen", erinnerte Waltraud Schmidt in ihrer Ansprache. "Wenn dieser Nazi-Wahnsinn nicht gekommen wäre, wären wir heute Bürger dieser Stadt", zitierte Liane Kümmerl eine Nachfahrin des damaligen Stadtverordneten. Dass Vertreter der Jüdischen Gemeinden Hof und Chemnitz zu der Veranstaltung gekommen sind, bedeute ihr und Waltraud Schmidt sehr viel.

Briefe, Zeitungsausschnitte, Dokumente, Fotos und Texte geben dem Besucher im Foyer des 1. Ranges rechts Einblick in das Leben von Isidor Goldberg und Geschehnisse aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg bis zum Nationalsozialismus und der Ermordung des Anwalts. Die Schändung der Leichenhalle auf dem Jüdischen Friedhof im Jahr 1925 ist dokumentiert. Die Verhaftung des Juristen 1933 findet sich auf den neun Tafeln ebenso wieder wie dessen späterer Weg ins Exil und der Antisemitismus in Plauen.

Die vom Fond "Demokratie leben" geförderte Wanderschau bleibt bis 29. November im Musentempel. Danach geht sie in die Friedensschule. Weitere Stationen folgen. Interessierte Bildungseinrichtungen können sich an den VVN-BdA Vogtland wenden. "Auch Workshops sind möglich", lässt Steffen Unglaub vom Kreisverband wissen. Waltraud Schmidt stehe den Schülern für Informationen zur Verfügung.

Kontakt VVN-BdA-Kreisverband Vogtland, Eisenbahnstraße 37, 08209 Auerbach, E-Mail: vvn-vogtland@t-online.de

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