Gymnasium Auerbach: Jetzt wird Polizei erpresst

Die Beamten sollen bis Sonntag 10.000 Euro zahlen, sonst würde sich das Stalking der Lehrer fortsetzen oder noch mehr passieren. Ein Ermittlungserfolg lässt auf sich warten.

Auerbach.

Am Gymnasium in Auerbach kehrt keine Ruhe ein: Nachdem am Wochenende wiederholt ein Drohschreiben im Netz auftauchte, herrscht an der Schule erneut Ausnahmezustand. Die Polizei fährt wieder Streife vorm Haus, Ermittler, Landesschulamt und Lehrer trafen sich gestern Nachmittag zu einer Lagebesprechung vor Ort. Die Beeinträchtigung des Lehrbetriebes sei enorm, sagt Arndt Schubert, Sprecher der Schulbehörde.

Anlass für die erneut angespannte Lage ist ein Erpresserschreiben, das am Wochenende im Internet auftauchte, seither in sozialen Netzwerken die Runde macht und sich diesmal an die Polizei richtet: "Ich fordere bis zum Sonntag eine Zahlung in Höhe von 10.000 Euro per Bitcoin", heißt es dort unter dem Kürzel "FCKGGA". Ansonsten würden die "Bestellungen weitergehen und evtl. noch mehr passieren".

Haushaltsgeräte, PC-Technik oder Reisen und immer wieder Pizzabestellungen: Seit 2017 wird primär den Lehrern mit fingierten Warenbestellungen übers Internet nachgestellt. Bereits Ende Mai 2018 bezifferte die Polizei deren Anzahl auf über 90. Zur Höhe des Schadens macht sie aktuell keine Angaben.

Die seltsamen Vorfälle an der Schule gipfelten im Frühjahr in einem ebenfalls im Netz angekündigten Amoklauf am Pfingstwochenende. Daraufhin fiel mehrere Tage der Unterricht aus, Abi- Prüfungen mussten verschoben werden. Bis zum Schuljahresende war die Polizei täglich vor Ort, mit dem Ferienbeginn verbanden alle Betroffenen die Hoffnung, dass der Psychoterror ein Ende findet.

Dem war nicht so, bereits in der ersten Schulwoche wurden wieder Essenbestellungen ausgelöst. Und jetzt das Erpresserschreiben an die Polizei. Deren wichtigste Botschaft am Sonntag: Mit Blick auf die Ereignisse im Mai lägen "aktuell keine Anhaltspunkte für eine konkrete Gefährdungslage" vor. Die neuerliche Präsenz vor Ort diene lediglich psychologischen Zwecken, hieß es. Laut Polizeisprecher Oliver Wurdak bleibe die Polizei diese Woche präsent.

Kurz nach der Amokdrohung im Mai konnte die Polizei zwei Verhaftungen vermelden, musste das Vater-Sohn-Gespann kurze Zeit später aber wieder auf freien Fuß setzen. Bei weiteren Jugendlichen fanden Hausdurchsuchungen statt. In keinem Fall reicht es bisher zu einer Anklage. Aktuell gebe es sechs Beschuldigte, gegen die weiter ermittelt werde, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Plauen, Hans-Christian Fink, bereits vor einer knappen Woche. Daran habe sich bis jetzt nichts geändert.

Polizei, Staatsanwaltschaft, Landesschulamt: Dass der Fall Gymnasium Auerbach einzigartig ist - darüber herrscht Konsens. Das Geschehen am Goethe-Gymnasium sei sowohl von der Dimension als auch von der Dauer her bisher einmalig, erklärt Arndt Schubert. Es geht beispielsweise um Nachstellung und Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten - beides Straftatbestände, die laut Fink mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden können. Darüber hinaus stehen Beleidigungen und Bedrohungen zu Buche - und seit jetzt auch eine Erpressung.

Laut dem Landtagsabgeordneten Sören Voigt (CDU) soll der Fall nun auf Schulebene zur Chefsache werden. Kultusminister Christian Piwarz (CDU) habe auf seine Initiative hin seinen baldigen Besuch in Auerbach angekündigt, so Voigt auf Nachfrage. (mit bap)

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