Gymnasium: Drohung verschärft - Ex-Schüler angeklagt

10.000 Euro bis Freitag oder es gibt Tote: So hat der unbekannte Erpresser gestern nachgelegt. Unterdessen vermelden die Ermittler einen Erfolg.

Auerbach.

Die Serie der Drohungen gegen das Gymnasium Auerbach reißt nicht ab: Gestern Nachmittag meldete sich der Erpresser erneut über eine Internetseite zu Wort: "Warum meldet sich keiner von euch Drecksbullen bei mir?", fragt er und verkürzt gleichzeitig die Zahlfrist auf Freitag, 18 Uhr. Am Wochenende war über diesen Kanal ein erstes Erpresserschreiben erschienen, das sich an die Polizei richtete, zudem weitere Taten am Gymnasium ankündigte. Wenn die Polizei bis Sonntag nicht 10.000 Euro in Form von Bitcoins zahle, würde sich das Stalking gegen Lehrer fortsetzen oder noch mehr passieren. Jetzt heißt es nebst der verkürzten Frist: "10.000 Euro oder es gibt Tote!"

An der Einschätzung der Gefahrenlage ändere sich dadurch vorerst nichts, sagte gestern Abend ein Polizeisprecher. Unterdessen gab die Staatsanwaltschaft bekannt, dass im Zusammenhang mit den Vorfällen am Gymnasium in Auerbach nun zwei Anklagen vorliegen. Beide Fälle konzentrieren sich auf einen 15-Jährigen, dem zum einen Beleidigung und Nachstellung in rund 30 Fällen vorgeworfen wird. Darüber hinaus muss er sich dafür verantworten, dass er einen anderen Schüler mit dem Messer bedroht hat.

Laut dem Sprecher der Staatsanwaltschaft Plauen, Hans-Christian Fink, umfasst das eine Verfahren einen Teil der fingierten Bestellungen, mit denen seit über einem Jahr vor allem Lehrern am Gymnasium nachgestellt wird. Allerdings handle es sich ausschließlich um Taten, die vor der Amokdrohung im Frühjahr dieses Jahres passiert sind.

Damals erreichten die skurrilen Vorfälle an der Schule einen traurigen Höhepunkt und wurden dadurch überhaupt erst öffentlich. Ein Unbekannter hatte im Netz damit gedroht, bei einem erweiterten Selbstmord so viele Lehrer wie möglich mit in den Tod zu reißen. Bereits Ende Mai waren über 90 fingierte Bestellungen bei der Polizei aktenkundig, es kommen immer wieder neue dazu. Und schließlich das Erpresserschreiben am vergangenen Wochenende an die Polizei. Seither sind die Beamten wieder täglich vor der Schule präsent.

Informationen der "Freien Presse" zufolge soll es sich bei dem 15-Jährigen um jenen Ex-Schüler des Auerbacher Gymnasiums handeln, der nach den Vorfällen am Pfingstwochenende für kurze Zeit als Tatverdächtiger in Haft war und dann wieder auf freien Fuß gelassen wurde. Dem Verweis von der Schule war unter anderem die nun zu verhandelnde Messerdroh-Attacke gegen einen Mitschüler vorausgegangen.

Ob die Ermittler damit der Gesamtaufklärung der Vorfälle am Gymnasium ein Stück näher sind, wird sich zeigen. Laut Hans-Christian Fink hängt das davon ab, ob die Anklagepunkte vor Gericht Bestand haben. Seitdem die Polizei erpresst wird, liege der gesamte Fall bei der Hauptstaatsanwaltschaft in Zwickau.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...