Helios bekämpft Krebs mit neuer Therapie

Mit einer Sonde vernichten die Mediziner Tumorzellen in der Wirbelsäule. Das Gerät muss dazu gleichzeitig erhitzen und kühlen.

Plauen.

Dr. Farid Youssef hämmert sehr bedächtig. Es sieht so aus, als treibe der Chefarzt am Helios Vogtland-Klinikum Plauen seinem Patienten einen stählernen Nagel in den Rücken. Doch der Nagel ist in Wirklichkeit eine Röhre. Durch diese wird der Mediziner eine Sonde in einen Rückenwirbel einführen, um dort einen Krebstumor zu zerstören.

"Wir sind das zweite Krankenhaus in Europa, in dem dieses Verfahren an der Wirbelsäule angewendet wurde", sagt Youssef. Osteocool, heißt die Technik, mit deren Hilfe der Neurochirurg Tumore durch Hitze zerstört. Damit die Temperatur von 70 Grad Celsius andere Teile der Wirbelsäule nicht ebenfalls schädigt, kühlt der Chefarzt während der Operation die angrenzende Knochensubstanz.

Bei der Operation wird der Patient geröntgt. Auf dem Bildschirm kann der Arzt so kontrollieren, wie die dünne Röhre Millimeter um Millimeter eindringt. Als die Spitze die erkrankte Stelle im Inneren des Wirbels erreicht, legt Farid Youssef den Hammer beiseite. Als nächstes führt er einen Bohrer ein und dringt mit ihm noch ein Stück tiefer in das Innere des Knochens vor. Jetzt ist der Weg frei für die Sonde.

"Bei einer herkömmlichen Behandlung wird der erkrankte Wirbel entweder bestrahlt oder komplett entfernt", erläutert der Chefarzt. "Beides ist für den Patienten äußerst belastend und im schlimmsten Fall kann er sich danach nicht mehr bewegen." Osteocool ist nach bisherigen Erkenntnissen schonender. Langzeituntersuchungen dazu gibt es freilich nicht. Youssef hat mit diesem Verfahren seit Juni fünf Personen an der Wirbelsäule operiert. "Im Januar wurde es in den USA das erste Mal überhaupt angewendet", ergänzt Bernd Kammereck von der Firma Medtronic. Sein Unternehmen hat Osteocool entwickelt.

Kernstück dieses Verfahrens ist die Sonde, die Farid Youssef als nächstes durch die Röhre bis in den erkrankten Wirbel schiebt. Sie kann beides: die Metastase durch Erhitzen zerstören - "zerkochen" nennt dies der Chefarzt sehr anschaulich - und die umliegende Knochensubstanz kühlen. 14 Minuten dauert das in diesem Fall. Dann existiert der Tumor nicht mehr. Als nächstes spritzt der Chirurg durch die Röhre Knochenzement in den Wirbel, um ihn zu stabilisieren. Damit ist die Operation fast beendet. Der Mediziner entfernt nur noch die Röhre und näht die kleine Einstichwunde zu.

Ist der Patient - in diesem Fall ein 58-jähriger Vogtländer - geheilt? Das ist schwierig zu beantworten. Der Haupttumor befindet sich an einer anderen Stelle im Körper. Doch zumindest die Metastasen in der Wirbelsäule existieren nicht mehr. An dieser Stelle sind sie besonders gefährlich und verursachen starke Schmerzen. Youssef: "Wir konnten in jedem Fall die Lebensqualität unseres Patienten sehr erhöhen."

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