Hochwasserschutz für Straßberg kommt nur langsam voran

Der Plauener Ortsteil war im Mai besonders schlimm betroffen. Eine Gefahrenstelle wird schon 2019 ausgemerzt. Doch damit ist es noch lange nicht getan.

Straßberg.

Sandsäcke über ein Vierteljahr nach der Flut: dieser Anblick schmeckt Dieter Blechschmidt gar nicht. "Die Säcke werden den Winter sicher nicht überstehen", sagt der Ortsvorsteher von Straßberg. Aber im Augenblick gibt es nichts besseres, um den Mühlgraben mitten im Plauener Ortsteil zu schützen, sollte der Pegel der Weißen Elster wieder in die Höhe schnellen - wie am 24.Mai. Ohne Vorwarnung strömte das Wasser von zwei Seiten nach Straßberg: über den Kirchweg und von der Elster aus über den Mühlgraben.

Zumindest den kann man mit überschaubarem Aufwand als Gefahrenstelle entschärfen. Gespeist wird er aus der Elster - und beide Gewässer trennt lediglich ein niedriges Wehr aus alten Holzplanken. "Das kommt im nächsten Jahr weg", hat sich Plauens Bauamtsleiterin Kerstin Wolf fest vorgenommen. Statt dessen soll dort eine feste Wand entstehen. "Es ist zwar noch nicht geklärt, ob wir oder die Landestalsperrenverwaltung das bezahlen", sagt Wolf. "Aber darüber kann man sich ja auch noch später verständigen. Wichtig ist, dass schnell etwas passiert. Nach dem Hochwasser ist vor dem Hochwasser."

Direkt neben dem Mühlgraben lauern Gefahrenquellen, über die das Wasser ebenfalls nach Straßberg laufen kann. Die will Blechschmidt angepackt wissen. Da sind zum Beispiel die niedrigen Elster-Dämme, die den Fluss fernhalten sollen. Aus Blechschmidts Sicht besonders ärgerlich: Das Problem sei lange bekannt. Bereits beim Hochwasserschutzkonzept der Landestalsperrenverwaltung aus dem Jahr 2005 wird die Erhöhung der Dämme angekündigt. Die Frage ist nur, für wann? Laut Aussage der Landestalsperrenverwaltung habe das Projekt nur mittlere Priorität. "Vorrang hat zunächst die Umsetzung hochprioritärer Maßnahmen", sagt Pressesprecherin Britta Andreas. Immerhin soll der Deich im kommenden Jahr durch die Flussmeisterei instand gesetzt werden. "Dabei werden am linken Ufer vorhandene Sickerstellen repariert", so Andreas. "An zwei Stellen wird der Deich um 30 bis 50 Zentimeter erhöht."

Bleibt Problem Nummer 3: Am Zusammenfluss von Rosenbach und Weißer Elster liegt ein großes Wehr, das den Fluss aufstaut. Führt die Elster zu viel Wasser, ist es eine potenzielle Gefahrenquelle. Da das Bauwerk längst keine Funktion mehr erfüllt, könnte es eigentlich weg. Doch ein Abriss hätte unter anderem Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel. Bevor dort Bagger anrücken, muss ein langwieriges Genehmigungsverfahren abgearbeitet werden. Ende 2019 könnte das Planfeststellungsverfahren nach den Vorstellungen der Landestalsperrenverwaltung beginnen. Wie lange es dauert, kann keiner vorhersagen. Mit dieser Gefahrenstelle müssen die Straßberger also wohl noch Jahre leben.

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2Kommentare
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    Tauchsieder
    03.09.2018

    Übrigens wäre noch ganz interessant zu erfahren wer am tiefsten Punkt dieser Ortschaft Straßberg, neben der Mühle, eine Baugenehmigung erteilt hat. Dieses Gebiet ist tiefviolett auf der Hochwasserrisikokarte des Freistaats ausgewiesen bedeutet, dass hier mit größter anzunehmender Sicherheit das Gebiet beim nächsten Hochwasser überflutet wird.
    Der dort ein Haus gebaut hat wird bei jedem ordentlichen Hochwasser absaufen. Für mich ist dies völlig verständnislos, vielleicht wusste er es auch nicht besser. Da lässt Dresden-Röderau grüßen.
    Die die es aber wissen mussten haben dieses Treiben durch gewunken und genehmigt. Hoffentlich fällt ihnen das nicht nochmal schwer auf die Füße.

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    Tauchsieder
    02.09.2018

    Wenn es nicht für manche Straßberger so dramatisch wäre könnte man über diesen Ortsvorsteher und die LTV nur herzhaft lachen.
    Vor ein paar Jahren trug der Naturschutzverband "Grüne Liga" bei einer Gemeindeversammlung, zudem auch die Presse zugegen war, die Bitte an Blechschmidt und die LTV heran, die Wehranlage zurück zu bauen. Zum einen wären die Forderungen der WRRL eingehalten und zum zweiten eine Hochwassergefahrenquelle beseitigt. Der Eine hatte Großes mit der Wehranlage vor, es sollte wieder eine Wasserkraftanlage errichtet werden obwohl es an diesem Standort schon seit vielen Jahren kein Wasserrecht mehr gibt. Potentielle Interessenten aus Thüringen wurden bei der Versammlung auch schon herangekarrt. Die LTV wiederum erkannte eine Gefahr in diesen Forderungen und sah ihre Pfründe die Elster abwärts schwimmen. Sie ließ kurzerhand diese Wehranlage zu einem technischen Denkmal erheben.
    Übrigens sollte eins nicht unerwähnt bleiben, die Besitzerin der Mühle, also die bei jedem Hochwasser Betroffene, war auch für den Erhalt dieser Wehranlage und der Errichtung einer WKA. Da fällt einem nur noch eins ein - Oh Herr lass Hirn vom Himmel regnen.
    Heute, fast 10 Jahre und zwei Hochwasser später, kommt man zu Kreuze gekrochen. Wie lange wollen sich die Straßberger dies noch gefallen lassen?



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