Ihr Herz schlägt für den Rummel

Die Plauener Schausteller machen ihren Rummel wieder selbst. Ihre Mission: mehr Glitzern in den Augen ihres Publikums. Gerade läuft die Generalprobe auf dem Festplatz.

Plauen.

Das Riesenrad kommt aus einem kleinen Ort bei Mühlhausen in Thüringen, der Breakdance aus Schkeuditz. Peter Hickmann, der in vierter Generation Schausteller ist, kennt die Betreiber der beiden Fahrgeschäfte und hat sie über Ostern nach Plauen geholt.

Jetzt ist es sein Job, etwas aus dem Rummel in seiner Stadt zu machen. Hickmann hat ein gutes Gefühl. Das Oster-Volksfest läuft bis zum Ostermontag auf dem Festplatz, und das Wetter scheint zu passen. Der Wetterbericht meldet für die Feiertage Sonnenschein. Hickmann hofft, dass seine Kollegen zufrieden sind mit dem Geschäft. Denn die Rechnung ist einfach: Sind die Gäste zufrieden und die Schausteller auch, spricht sich das herum in der Branche. Das hat der Rummel in Plauen nötig. "Wir müssen dafür sorgen, dass er wieder gemütlich und familienfreundlich ist", so Hickmann.

Die Schausteller aus der Stadt organisieren die beiden Plauener Rummel wieder selbst. Gemeinsam mit der Stadt haben sie eine Arbeitsgemeinschaft gegründet, die die Jahrmärkte managt. Für die Stadtverwaltung übernimmt das Festhallen-Personal die Aufgabe. "Wir merken, dass es nicht gut ist, wenn die Stadt außen vor ist", sagt Hickmann.

Fünf Jahre lang hatte der Mittelsächsische Schaustellerverband aus Chemnitz das Oster-Volksfest und das Vogelschießen zu Pfingsten in Plauen veranstaltet. Der Vertrag war Ende des Jahres abgelaufen. Bereits im Januar sagte Kulturbürgermeister Steffen Zenner (CDU), der Verband habe nach der Übernahme der Organisation 2013 die Erwartungen nicht erfüllt. Die Schausteller hätten Standgebühren gezahlt, die nicht zu den Umsätzen passten.

Auch bei der Werbung habe es Luft nach oben gegeben. Hickmann spricht von einem Teufelskreislauf. "Wir wollen das Vogelschießen wieder hochbringen", sagt er. Das Fest, das die Schausteller zusammen mit dem Schützenverein über Pfingsten veranstalten, ist der größte Rummel im Vogtland und hat seit Jahrhunderten Tradition.

Wer gute Fahrgeschäfte will, braucht einen guten Ruf. "Die Betreiber können sich die Plätze aussuchen, auf die sie gehen", sagt Hickmann. Er hatte seinen Autoscooter neulich an Belantis vermietet, den Freizeitpark bei Leipzig. Durch Sponsoren hoffen sie, die Nebenkosten für die Schausteller zu deckeln.

Mit Fingerspitzengefühl will sich die Schausteller-Gemeinschaft auf ihr Publikum einlassen. Biertische und Bänke haben sie aufgestellt, denn das komme gut an bei den Leuten. Es gibt Blümchen als Deko und Sonnenschirme und Büdchen mit Sachen, die nach Rummel schmecken. Am Ostersonntag spielen die Firebirds nebenan in der Festhalle. Nachmittags hat das Festhallen-Personal die Musiker dafür gewonnen, Osterüberraschungen auf dem Rummel zu verstecken.

In Plauen existieren fünf Schaustellerfamilien. Einige haben aufgegeben, sagt Hickmann: "Wir waren bestimmt mal doppelt so viele." Ihnen gehört der Kettenflieger, der Autoscooter, Schießbuden, Ballwerfen und Imbissbuden. Um den Rummel allein zu wuppen, reicht das nicht. "Wir brauchen auswärtige Fahrgeschäfte", sagt Hickmann, für den der Jahrmarkt ein Zauber geblieben ist.

Dass er von der Zukunft der Branche überzeugt ist, zeigt er gerade in seiner Familie. Den Autoscooter hat er jetzt seinem 31-jährigen Sohn Felix überschrieben. Der ist gelernter Mechatroniker und hätte bei einem großen deutschen Autokonzern sein Auskommen haben können, ging aber den Weg seiner Eltern. Auch Hickmanns Tochter, gelernte Ergotherapeutin, arbeitet auf dem Rummelplatz. "Das ist wie ein Lebenswerk", sagt Peter Hickmann.

Das Oster-Volksfest läuft noch bis zum 22. April auf dem Festplatz in Plauen.

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