Ihre Vision: Ein Glas-Lift im Rathausturm

Seit fast einem Jahrzehnt hat Jana Sachse den Hut bei der Rathaus-Sanierung in Plauen auf. In dem Behördenbau kennt die Expertin jeden Winkel - und sie hat Ideen.

Plauen.

Es geht für sie treppauf und treppab. Ungezählte Male. An jedem Tag. Zusätzlichen Sport brauche Jana Sachse keinen, sagt die 50-Jährige. Denn ihr Job beinhaltet, sich als Rathaus-Bauleiterin ein Bild vor Ort zu machen und den Überblick zu bewahren - auf drei Etagen und drei Fluren. "Wir haben die Gänge auf 1,6 Kilometer gemessen", berichtet sie. In Turnschuhen fühlt sie sich am wohlsten.

Die gebürtige Plauenerin, die mit ihrem Mann, einem Förster, in Schöneck wohnt, ist seit Ende 2011 auf der Endlosbaustelle Plauener Rathaus beschäftigt. Bei allem, was dort gewerkelt wird, hat die Mitarbeiterin der städtischen Gebäude- und Anlagenverwaltung (Gav) den Hut auf. Die in der Regel männlichen Handwerker spuren, wenn die Hochbau-Ingenieurin Sachse im Anmarsch ist. Das liegt nicht allein an ihrem sympathischen Auftreten, sondern das macht auch die jahrzehntelange Erfahrung in der Branche. "Nach dem Studium war das durchaus anders", sagt die Expertin schmunzelnd.


Ihre erste Baustelle in dem 1912 bis 1922 erbauten Rathaus war der Trausaal. "Dort war damals der Hausschwamm drin", blickt Sachse zurück. Geheiratet wurde damals im Vogtlandkonservatorium und im Festsaal des Museums. "Es gibt ja immer für alles eine Lösung, es muss nur kommuniziert werden."

Dafür zu sorgen, miteinander im Gespräch zu bleiben, das sei eine von Sachses Kompetenzen, schätzt sie ein. Als Beispiel dafür bringt sie die Langzeitarbeiten an der Marktstraße seit 2017 an. Unterhalb der zu sanierenden Rathausflure befinden sich Geschäfte. Die Situation der Händler sei angespannt gewesen, weil fast keine Parkplätze vorhanden waren und der Kundenfluss wegen Baugerüsten auch nicht gegeben war. "Wir hatten mehrere Infoveranstaltungen, und ich habe um Verständnis gebeten", so Sachse. Lärm und Dreck habe es dennoch gegeben - und Stress. Sie habe versucht, sagt Sachse, den Geschäftsleuten zu vermitteln, dass die Bauarbeiten häufig an Fördermittel und Fristen gebunden seien, dass die Planer also oft gar nicht anders könnten. "Ich motiviere immer, und ich bin Offensivspieler", sagt die Bauleiterin über sich. Mit dem einen oder anderen Problem, das sich für sie und ihr vielköpfiges Team immer mal auftut, versuche sie, ähnlich positiv umzugehen. "Wir pendeln zum Beispiel bei den aktuellen Sanierungen des Quergangs B und der Fassade an der Herrenstraße im Vierteljahresrhythmus zwischen den Festen", erzählt Sachse. Was sie meint, sind Plauener Frühling, Spitzenfest, Plauener Herbst und Weihnachtsmarkt: Die feierlustigen Vogtländer würden die Handwerker zum Stillstand oder zumindest zum Umplanen und Neudenken veranlassen. Bereits am 1. Dezember beginnt in diesem Jahr die Adventszeit, der Budenzauber traditionell in der Woche davor. "Mitte November werden die Marktstände aufgebaut, Zufahrten gesperrt", sagt Sachse. Sie und Rathaus-Kenner, Architekt Olaf Schenk, werden sich erneut arrangieren müssen. Und nicht nur sie.

An manchem neuralgischen Punkt wird es dann in puncto Verkehr wahrscheinlich noch ein wenig enger zugehen, zum Beispiel an der Herrenstraße, wo aktuell nicht geparkt werden darf. Ausnahmen gibt es zwei. Eine markierte Fläche steht Gehbehinderten zur Verfügung, die ins Ärztehaus müssen. Und die Rathaus-Anlieferzone befindet sich auch dort.

Sachse hat übrigens eine Vision: Irgendwann soll ein gläserner Aufzug im Rathausturm nach oben gleiten. Die bautechnischen Grundlagen dafür sind in jüngster Vergangenheit bereits gelegt worden. Dass etwas Ordentliches zustande kommt, wenn Sachse plant und koordiniert, zeigt abseits des Rathauses auch das Beispiel Kemmlerturm. Sie nennt es augenzwinkernd "mein Hobby seit 2013", hat für die Arbeiten Förderanträge gestellt und in kleinen Schritten sanieren lassen.

Für "ihre" Dauerbaustelle, das Plauener Rathaus, sieht Jana Sachse die Stadt bereits auf der Zielgeraden: "Bis zum Stadtjubiläum im Jahr 2022 wird alles fertig."


Die vier aktuellen Rathaus-Baustellen auf einen Blick

Baustelle Nummer 1: Die Flure an der Marktstraße werden im 1. bis 3. Obergeschoss saniert, die Bürodecken teilweise erneuert. Eine Cafeteria wird zudem neu gebaut. Baubeginn war im September 2017. Bauende soll im September sein. Baukosten: 2,9 Millionen Euro.

Baustelle Nummer 2: Durch die Sanierung des Quergangs B entsteht eine neue Poststelle. Außerdem werden Teeküchen eingebaut. Beginn war im März 2018. Die Arbeiten sollen bis Frühjahr 2020 dauern. Kosten: 2,2 Millionen Euro.

Baustelle Nummer 3: Die Neueindeckung des Dachs mit Naturschiefer und die Fassadensanierung an der Herrenstraße finden im Bereich vom Rathausturm bis zur Tourist-Info statt. Die Arbeiten (565.000 Euro) sollen im Dezember beendet sein.

Diese Baumaßnahmen gehören zum 5. Bauabschnitt der Rathaussanierung. Dessen Gesamtbaukosten belaufen sich auf etwa 9 Millionen Euro.

Baustelle Nummer 4: Der Umbau des Nord-West-Flügels ist der 6. und letzte Bauabschnitt in der seit 2002 laufenden Rathaussanierung. Kosten: rund 10 Millionen Euro.

Ende in Sicht: die Bauarbeiten sollen im Jahr 2021 abgeschlossen werden.

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