In der Vogtland-Arena: Treue Fans harren bis zur Absage aus

Das Finale des Sommer-Grand-Prix sollte ein großes Springerfest in Klingenthal werden, aber wieder einmal hatte der Wind etwas dagegen. Gefeiert wurden die Sportler trotzdem - von einem einzigartigen Publikum.

Klingenthal.

Sie hofften bis zum Nachmittag, die Fans in der Vogtland-Arena. "Das Publikum ist einzigartig", lobte VSC-Geschäftsführer Alexander Ziron. Die Zuschauer, die teilweise schon 9 Uhr gekommen waren, nahmen geduldig jede Verschiebung hin. Und die Jury reizte alle Möglichkeiten aus, um doch noch einen Wettkampf über die Schanze bringen zu können. Aber kurz vor 16 Uhr kam die endgültige Absage. Nach den Frauen konnten auch die Männer trotz aufgestellter Windsegel nicht springen.

So war die emotionale Verabschiedung von Ulrike Gräßler einer der Höhepunkte in der Vogtland-Arena. Die Vize-Weltmeisterin von 2009, Pionier des Skispringens bei den Frauen, tritt von der Bühne ab. Die junge Frau musste sich schon eine Träne aus dem Augenwinkel wischen, als sie unter dem Beifall tausender Fans durch eine Spalier früherer Teamgefährtinnen schritt. Die Lücke, die sie beim VSC und in Sachsen hinterlässt, wird nicht einfach zu schließen sein.

Freuen konnten sich auch die Klingenthaler Veranstalter trotz der Wettkampfabsage, denn Staatssekretär Günther Schneider hatte aus Dresden einen Scheck über 50.000 Euro mitgebracht und sprach mit Blick auf die Vogtland-Arena von einem "Premium-Standort" für den Skisport in Sachsen. Auch durch die Übernachtungen ist trotz des Ausfalls Geld im Vogtland geblieben. 42 Springerinnen aus 11 Nationen waren gekommen, dazu 35 Betreuer und Offizielle. Bei den Männern waren es knapp 70 Aktive aus 17 Nationen sowie 70 Betreuer. "Wir haben insgesamt 1100 Übernachtungen gebucht. Damit fließen rund 75.000 Euro in die Hotels", hatte Ziron vor dem Wettkampf gesagt. Die Summe entspricht in etwa der Hälfte dessen, was der Vogtlandkreis jährlich für den Unterhalt der Vogtland-Arena einstellt.

Im Dezember werden es 13 Jahre, dass die Vogtland-Arena die ersten Sprünge erlebte. Der Vogtlandkreis als Eigentümer der Anlage und die Stadt Klingenthal haben einen Zweckverband gegründet, als dessen Aufgabe die Erhaltung und Verbesserung der "nordisch-sport-touristischen Infrastruktur" festgeschrieben ist. Klingenthal bringt neben den Vogtlandschanzen in Mühlleithen die Skirollerbahn am Kiel, das Bison-Pistenfahrzeug, das Loipenhaus sowie die Wettkampfloipen in Mühlleithen ein und will sich jährlich mit 30.000 Euro beteiligen. Dass Klingenthal seit diesem Schuljahr wieder eine Oberschule hat, soll auch positive Auswirkung auf die Nachwuchsarbeit des VSC und des Bundesstützpunktes haben.

Die personelle Zusammensetzung des Zweckverbands steht seit Monaten fest: Landrat Rolf Keil und der Klingenthaler Bürgermeister Thomas Hennig (beide CDU), dazu aus dem Kreistag die Schönecker Bürgermeisterin Isa Suplie (CDU) und Janina Pfau (Linke), die auch Mitglied des Landtags ist, aus dem Stadtrat Gerhard Nöbel (CDU) und Carsten Förster (Pro Klingenthal - meine Stadt). Allein die Bestätigung durch die Landesdirektion steht noch immer aus - der Zweckverband ist bislang nicht arbeitsfähig.

Dabei drängt die Zeit. Nicht nur, dass nach den Wahlen im Mai 2019 möglicherweise neue Mitglieder aus Kreistag und Stadtrat gewählt werden müssen. Die Vogtland-Arena braucht Investitionen: Mehr als eine Million Besucher seit der Eröffnung im Juli 2006 haben Spuren hinterlassen, wie viele ausgetretene Treppenstufen belegen. Man arbeite an einem Projekt für Sanierungsmaßnahmen, hatte im Juli Landrat Keil gesagt. Laut Bürgermeister Hennig steht eine Summe im zweistelligen Millionenbereich in Aussicht. Allein für ein stationäres Windsegel werden rund 1,8 Millionen Euro benötigt. Bewirtschaftet wird die Vogtland-Arena von der Vermarktungsgesellschaft. Deren Partner waren zunächst der VSC (51 Prozent der Anteile) und der Landkreis, für den dann aber 2013 die Beteiligungsgesellschaft der Vogtland-Sparkasse einstieg.

Die Rolle als Veranstalter, auf die man sich derzeit in Klingenthal konzentriert, birgt freilich Risiken, nicht nur wettertechnisch. Auch wenn die Zweitliga-Fußballer vom FC Erzgebirge Aue gestern in der Vogtland-Arena fleißig Autogramme gaben, vor allem die allgegenwärtige Berichterstattung im Fußball verdrängt mediale Angebote wie den Skisport immer mehr in Nischen, vielerorts verbunden mit einem Zuschauerrückgang. Andere Veranstalter rüsten daher finanziell und personell auf, um den Wettkämpfen mehr Eventcharakter zu verleihen. Das war auch ein Thema, als vor Jahresfrist das Forum Nordicum in Klingenthal tagte. "Wir können diese Entwicklung ignorieren und verlieren am Ende alles - oder wir versuchen, etwas dagegen zu unternehmen", zeigte Thorsten vom Wege auf, der Vorsitzende der Vereinigung von Skisport-Journalisten.

Nächster Höhepunkt in Klingenthal soll Anfang Februar 2019 der Weltcup in der Nordischen Kombination werden. Dann sind es auch 60 Jahre, dass die legendäre Aschbergschanze eingeweiht wurde. Der Klingenthaler Souvenir-Händler Michael Tittmann hat die Idee für eine Pyramide mit Motiven der Vogtland-Arena und der Aschbergschanze.

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