In Plauen fehlen neun Hausärzte

Diese Woche beenden zwei Hausärztinnen ihre Arbeit. Nur eine fand einen Nachfolger. Die zweite gab ihre Kassenarzt-Zulassung zurück, weil sie raus möchte aus dem System.

Plauen.

Lieselotte Schmidt arbeitet noch bis Donnerstag. Dann hält sie die letzte Sprechstunde in ihrer Praxis, die im Stadtzentrum liegt. Auch Steffi Hübner ist Hausärztin in der Innenstadt von Plauen. Sie gibt am Sonntag ihre Stelle zurück in den Schoß der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS).

Deren aktueller Personalbedarf für Plauen, die fünftgrößte Stadt im Freistaat: neun Allgemeinmediziner. Die Region steuert auf eine Unterversorgung zu. Zwölf Hausärzte haben in den vergangenen fünf Jahren ihre Zulassungen zurückgegeben, teilt die KVS mit. Drei von ihnen fanden Nachfolger für ihre Praxen. Zwei weitere Hausärzte ließen sich nieder im Gebiet. Trotzdem bleibt eine Lücke. Es praktizieren sieben Hausärzte weniger als vor fünf Jahren. Auf die rund 90.000 Menschen, die im sogenannten Versorgungsbereich leben, kommen laut KVS-Angaben 56 Allgemeinärzte. Mit diesem Engpass ist das Vogtland keine Ausnahme im Gebiet Chemnitz.


Doch in Plauen kommt ein Alters-Dilemma hinzu. Das Durchschnittsalter der Hausärzte hier gibt die KVS mit 56,7 Jahren an. Das liegt knapp vier Jahre über dem landesweiten Schnitt. Die Ärzte-Vereinigung hat Fördermaßnahmen beschlossen: Wer sich niederlässt im Gebiet, erhält 60.000 Euro Start-Pauschale und einen Mindestumsatz gewährt. Sechs solche Förderstellen seien ausgeschrieben worden, so KVS-Sprecherin Katharina Bachmann-Bux - für Praxisübernahme, Neuniederlassung oder Anstellung eines Arztes. Bislang sei noch keine der Förderstellen vergeben worden.

Lieselotte Schmidt, promovierte Medizinerin, hat einen Nachfolger gefunden für ihre Praxis an der Neundorfer Straße. Im September übernimmt dort die nächste Hausarzt-Generation. Doch das Angebot, irgendwo einzusteigen in Plauen, ist größer als die Nachfrage. Steffi Hübner hat ein Jahr lang gesucht und aufgegeben. Sie räumt alles raus aus ihren Geschäftsräumen an der Melanchthonstraße, dann bekommt der Vermieter den Schlüssel zurück. "Ich hatte keine Illusionen", sagt sie. In Rente geht sie noch nicht.

Steffi Hübner ist 58, sie hätte sich Zeit lassen können für die Suche. Aber sie gibt der KVS ihre Kassenarzt-Zulassung zurück, weil sie raus möchte aus dem System: " Ich wollte Arzt sein, nicht Betriebswirt." Wenn sie ihr Geschäft abgewickelt hat, richtet sie sich eine kleine Praxis für Akupunktur und Homöopathie ein. Beides macht sie seit 20 Jahren als Alternative zur Schulmedizin. Steffi Hübner wird dort auf Privatrechnung arbeiten.

Den Gedanken trug sie schon länger in sich, entschieden hat sie aus pragmatischen Gründen. Neues Personal hätte sie gebraucht, weil ihre Arzthelferin ins Rentenalter kommt. Als das Gesundheitsministerium die Niedergelassenen anwies, bis zum 1. Juli neue Computer zu kaufen, um Online-Chipkarten einzulesen, legte sie ihre Frist fest: 30. Juni 2019. "Ich hätte sonst noch einmal investieren müssen", sagt die Hausärztin.

Steffi Hübner fühlt sich jung genug, um etwas zu ändern. Was sie kritisiert, sind die Umstände. Die Hälfte ihrer Arbeitszeit beschäftige sie sich mit Bürokratie und Verwaltung. "Mir fehlt die Zeit fürs Leben", sagt sie. Wann und wo sie ihre Akupunktur- und Homöopathiepraxis öffnet, stehe noch nicht fest.

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