Infopunkt für Schlossterrassen: Das WC-Problem drückt weiter

Harmonisch eingefügt, verglast und begrünt: Die Bergknappen sollen den Neubau als touristische Attraktion betreuen.

Plauen.

Das Schlossberg-Projekt in Plauen mausert sich mehr und mehr. Vor dem Zugang ins unterirdische Luftschutzmuseum Meyerhof soll ein Anbau mit Veranstaltungsraum und Toiletten, begrüntem Dach und einer Glasfront zur Syrastraße hin entstehen. Arbeitstitel: "Infopoint Schlossterrassen". Kosten: 330.000 Euro. "Das ist ein Konzept, noch nichts Verbindliches", stapelte Baubürgermeister Levente Sárközy am Montagabend im Stadtbau- und Umweltausschuss tief.

Doch die Pläne sind schon sehr konkret. Der Baustart könnte ab Oktober 2019 erfolgen, die Fertigstellung wäre im April 2020 machbar, blickte Thomas Enders nach vorn. Der Tiefbau-Fachmann aus dem Rathaus präsentierte den Ausschussmitgliedern die Pläne für einen Anbau, der nicht dominieren, sondern sich ins Gesamtbild harmonisch einfügen soll. Mit dem Bergknappen-Verein, der das Luftschutzmuseum betreibt, hat sich die Stadt abgestimmt. Machbar sei das Projekt jedoch nur, wenn Fördergeld fließt. Diesbezüglich seien Stadt und Verein zuversichtlich.

Im Ausschuss gab es breite Zustimmung, wenn auch einige Fragen noch zu klären sind. Dieter Rappenhöner (Grüne) forderte einen sensiblen Umgang mit dort lebenden Fledermäusen. Ralf Bräunel (CDU) sprach von einem "sinnvollen Zugang" ins Luftschutzmuseum. "Schick", kommentierte Klaus Jäger (Linke) das kostspielige Vorhaben und stellte eine entscheidende Frage: "Wer hat den Hut auf?"

Und an dieser Stelle griff die Debatte auf ein anderes, seit Jahren ungelöstes Plauener Problem über. Sieht die Stadt die Infopoint-Toilette als angemessenen Ersatz für das fehlende WC-Häuschen am Neustadtplatz? Dort, wo Touristenbusse und Caravans in Plauen ankommen? Bernd Stubenrauch (SPD) wollte das wissen und berief sich auf Aussagen des Baubürgermeisters, der Schlosshang und die neue Touristinformation am Wendedenkmal ins Gespräch gebracht hatte. Auch Dieter Blechschmidt (CDU) forderte eine Toiletten-Lösung am Touristen-Parkplatz und formulierte es drastisch: "Sollen die Bergknappen zu den Klofrauen der Stadt werden?"

Das wies Levente Sárközy zurück. "Wir tendieren dazu, Toiletten mit anderer Nutzung zu koppeln", erklärte der Baubürgermeister seinen Ansatz und verwies auf Vandalismus-Erfahrungen, die die Stadt mit abgelegenen WC-Häuschen immer wieder machen musste. Zudem seien infolge des innerstädtischen Alkohol-Verbotes einige Gruppen zum Neustadtplatz abgewandert.

Mit Blick auf die geplante Größe der Infopoint-Toiletten beruhigte Kerstin Wolf aus der Baubehörde die Stadträte. Die Anlage dort sei "gut für Bergknappen und Gäste", aber sicher nicht für ganze Busse voller Touristen geeignet.

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