Insekt des Jahres gilt im Vogtland als eine Rarität

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Ein Brauner Bär, der nicht brummt, sondern flattert und kriecht, steht dieses Jahr exemplarisch für den Insektenschwund. Der Nachtfalter ist in jeder Hinsicht ungewöhnlich.

Plauen.

Eine graue Maus ist das Insekt des Jahres 2021 nicht. Besonders das, was der Braune Bär als Nachtfalter in Ruhestellung sorgsam versteckt, nämlich sein hinteres Flügelpaar, kann seine Fressfeinde, die Vögel, ernsthaft erschrecken. Der Trick ist so simpel wie wirksam. Der Braune Bär zeigt dem Gegner blitzschnell durch Aufklappen der Vorderflügel seine roten Hinterflügel mit den Punkten darauf. Der so überrumpelte Vogel denkt für einen kurzen Moment, das ihn zwei dunkle Augen auf blutrotem Untergrund anstarren und verharrt. Diese Schrecksekunde nutzt der Braune Bär, um zu flüchten: Ziel erreicht. Der Vogel kann dem Braunen Bär für das Täuschungsmanöver dankbar sein, denn die rote Flügelfarbe signalisiert etwa das Gleiche, wie die weißen Punkte auf dem roten Fliegenpilz: Vorsicht Gift. Tatsächlich enthält der Schmetterling eine für Vögel giftige Körpersubstanz.

Damit ist aber noch lange nicht erklärt, woher der putzige Falter seinen Namen hat, jedenfalls nicht wegen seiner Fluchtstrategie, die ist alles andere als bärentypisch. Um die Namenswahl zu verstehen, genügt ein Blick auf die Raupe. Die schiebt sich, in einen dichten Pelz gehüllt, bei Gefahr tapsig vorwärts.

Die Namensgebung an die Optik der Raupe zu binden, war eine kluge Entscheidung, denn das Insekt verbringt den größten Teil seines Lebens kriechend. Der Schmetterling überwintert sogar in diesem Stadium. Es kommt aber noch extravaganter: Beim Braunen Bären sind die Saugrüssel verkümmert. Das heißt, das Tier kann während seiner kurzen Lebenszeit als Schmetterling keine Nahrung aufnehmen. "Es lebt von der Nahrung die es als Raupe gefressen hat", ist der Hobby-Entomologe Steffen Thoß aus Falkenstein von dieser Insektenart fasziniert und das schon seit seiner Kindheit. "Ich habe einmal die Raupen des Braunen Bären mit Salat gefüttert. In einem speziellen Anflugkasten habe ich auch schon ein Weibchen gesetzt und die Verpaarung beobachtet", so Thoß. Vor 20 Jahren war der Braune Bär noch recht häufig im Vogtland anzutreffen. Das hat sich geändert: "Die Raupe eines Braunen Bären habe ich zuletzt vor zwei Jahren im Elstertal bei Plauen gesehen", so Thoß.

Jetzt steht der Nachtfalter auf der Vorwarnliste der bedrohten Tiere. Mit besonderen Ansprüchen an seinen Lebensraum lässt sich der Rückgang der Art nicht erklären. Der Braune Bär ist nicht besonders wählerisch. Die Raupe mag krautige Pflanzen, wie etwa Disteln. Welchen Grund gibt es dann? In Verdacht steht die so genannte Lichtverschmutzung, also zahlreiche nächtliche Lichtquellen, welche die Insekten anlocken. Sie flattern dann um diese Lichtquellen herum bis zur totalen Erschöpfung. Der Wegfall natürlicher Lebensräume, vom Feldgehölz bis zur Hecke, gilt ebenfalls als Ursache für den Rückgang. "Wer also etwas für den Schutz des Braunen Bären und anderer Insekten tun möchte, der sollte seinen Garten so naturnah wie möglich gestalten", rät Thoß und meint damit, dass entgegen dem weit verbreiteten Ordnungssinn auch einmal etwas liegen bleiben sollte, Laub zum Beispiel, das als Unterschlupf dient.

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