Intendant Ingolf Huhn muss doch gehen

Der im Juli auslaufende Vertrag mit dem Bühnenchef soll nicht verlängert werden

Plauen. Der Aufsichtsrat der Theater Plauen-Zwickau GmbH ist bei seiner im Januar getroffenen Entscheidung geblieben: Ingolf Huhn, seit 2003 Generalintendant der vereinigten Bühnen, muss seinen Posten zum Spielzeitende am 31. Juli räumen. Es gebe keinen Grund, die Entscheidung zu revidieren, hat am Dienstagabend Aufsichtsratschef Jens Heinzig versichert. Anders als bisher geplant, soll jedoch bald ein neuer künstlerischer Leiter her. Erste Bewerbungen liegen vor. Bis Mitte März werde entschieden. Zuerst wollte der Aufsichtsrat ein Jahr lang möglicherweise den Spartenchefs die Zügel in die Hand geben.

Das Spitzengremium der Theater GmbH, dem Zwickauer und Plauener Stadträte sowie Rathaus-Mitarbeiter angehören, hatte sich am Dienstag in Zwickau getroffen. Die zwischenzeitlich erfolgte Befragung der Theaterangehörigen sollte gewogen werden. Die Ensemblemitglieder hatten sich Anfang Februar mit knapper Mehrheit für Huhns Bleiben ausgesprochen. Da sich aber höchsten zwei Drittel der 350 Mitarbeiter beteiligten, haben die Aufsichtratsmitglieder die Stimmen für Huhn als zu leicht befunden. Das Ergebnis sei nicht eindeutig genug, um die Entscheidung umzustoßen, deutete Heinzig am Dienstag an.

Auslöser des Zerwürfnisses zwischen dem Intendanten und dem Aufsichtsrat war Huhns Bewerbung um den 2009 frei werdende Chefposten in Dessau. Er habe das parallel zu den Verhandlungen um die Verlängerung seines im Juli auslaufenden Vertrag in Plauen-Zwickau getan und nichts gesagt. Das Vertrauensverhältnis sei zerstört, hieß es daraufhin aus dem Aufsichtsrat.

Huhn, geboren 1955 in Magdeburg, galt 2003 beim Antritt in Plauen-Zwickau als Hoffnungsträger: "Wir sind froh, dass wir einen sehr erfahrenen Intendanten gewinnen konnten, jemanden, der sich mit Theatern im Osten und Fusionen auskennt", hatte Plauens Kulturbürgermeister Uwe Täschner, damals Aufsichtsratschef, gesagt. Vorgänger Georg Mittendrein, er stammte aus Wien, verließ damals das Theater vorm Ende seines Vertrages. Es hatte einen Dauerstreit zwischen ihm und Teilen des Ensembles gegeben.

Huhn war bis dahin Chef des Theaters Freiberg-Döbeln gewesen. Seine Arbeit wurde über die Region hinaus geschätzt. Unter anderem machte das Haus mit Wiederaufführungen vergessener Opern von sich Reden. Etwas, dass auch in Zwickau und Plauen eine Weile Erfolg hatte. Die Inszenierung der romantischen Oper "Die Nibelungen" von Heinrich Dorn durch Huhn erwies sich 2004 als Entdeckung. Dem "Pfeifertag" von Max von Schillings, der 1933 gestorben war, ist weniger Glück beschieden gewesen. Die Oper kam 2006 auf den Spielplan. Das Internet-Lexikon Wikipedia bezeichnete von Schillings als "erklärten Antisemit". Plauener Theaterfreunde fühlten sich irritiert. Entdeckungen wurden abgesagt.

Doch erst jüngst im Januar hatte Huhn erneut einen großen Erfolg mit seiner Inszenierung des Musicals "Mozart!" in Zwickau feiern können. Die Plauener Premiere steht für Samstag, 15. März, ab 19.30 Uhr auf dem Spielplan.

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