Interaktive Info-Stelen leiten Bürger bald durch Plauen

Sie funktionieren wie große Handys und sind ein Novum auf dem deutschen Markt: die Info-Stelen der Plauener Firma Pitcom. Andere Städte stehen schon Schlange.

Plauen.

Sie weiß, wo sie steht, wann die nächste Straßenbahn kommt und was abends in Plauen los ist. "Das gibt es deutschlandweit so noch nicht", sagt Hans-Jürgen Stüber stolz. Die 2,20 Meter hohe Info-Stele mit interaktivem Multimedia-Monitor ist das Baby des 64-jährigen Geschäftsführers vom Plauener Unternehmen Pitcom. Klappt alles, sollen 20 Stelen im Herbst in Plauen den Praxistest bestehen.

Einwohner und Besucher sollen sich mit ihrer Hilfe rund um die Uhr durch die Spitzenstadt finden. So geht's: Ganz oben auf dem 49-Zoll-Display - fast neunmal so groß wie ein durchschnittliches Handy-Display - meldet die Stele, dass zum Beispiel vom Albertplatz die nächste Bahn Richtung Südvorstadt in einer Minute abfährt. "Wir greifen auf ein Geo-basiertes Informationssystem mit Netzplänen zurück", erklärt Stüber. "Die Stele weiß, wo sie steht, und kennt den Fahrplan." Tickets per Stele zu kaufen sei ebenfalls geplant.


In der Mitte des Displays ist Platz für Werbung. "Unternehmen können sich hier präsentieren", so der Chef von 20 Mitarbeitern. Gut 40 Plauener Betriebe hätten bereits ihre Fühler ausgestreckt.

Ganz unten gibt es im Kachel-Menü noch mehr Auswahl: Einkaufsmöglichkeiten, Ämter, Lokale, Cafés, Veranstaltungen oder Hotels. Stüber tippt auf die Hotel-Kachel. Sofort zeigt der Monitor die nächstgelegenen Herbergen an: 450 Meter bis zum Hotel Alexandra. Wer mehr Infos will, tippt auf den Eintrag oder scannt mit dem Handy einen QR-Code: Schwupp, erscheint auf dem Smartphone per Google Maps der Weg zum Hotel.

Rollstuhlfahrer können mit einer Sensorleiste unten am Monitor die Bedien-Elemente quasi herunterziehen. Auch eine SOS-Taste für Polizei oder Krankenwagen ist vorhanden. Wer sie drückt, wird per eingebauter Kamera fotografiert. "Das ist so vorgeschrieben", sagt der Plauener. Die Kameras sollen auch verhindern, dass die 24-Stunden-Stele beschädigt wird.

Für überflüssig hält Stüber sein Baby zu einer Zeit, in der fast jeder ein Handy in der Hosentasche hat, nicht. Im Gegenteil: "Die Stele zeigt mir gebündelt standortbezogene Infos an", erläutert er. Die müsse man sich mit dem Handy mühsam zusammensuchen. Zweiter Vorteil laut Stüber: "Wir haben einen Partner, der sich darum kümmert, dass Infos wie Öffnungszeiten immer aktuell sind." Gespeist werden die Stelen alle aus einer Quelle. "Da ist ein Rechner drin, der auf Datenquellen in unserem Zentrum zugreift", erläutert der Pitcom-Geschäftsführer. "Der Webserver bereitet sie auf und schickt sie an die Stelen."

Trotz Planungsphase lecken sich andere Kommunen schon die Lippen nach der Innovation: Es gebe bereits mehrere Anfragen, so der Unternehmens-Chef. "Wenn wir richtig gut sind, gehen wir im vierten Quartal in die Pilotphase", erklärt er. Das heißt, dass 20 Stelen für etwa sechs Monate in Plauen aufgestellt werden. Nicht nur an Haltestellen, sondern auch an anderen Orten. Wo genau, ist noch nicht raus.

Offen ist auch noch, wie die Stelen finanziert werden. Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) erklärt: "Wir versuchen Fördergeld zu bekommen." Er hat sich den Prototypen angesehen und findet ihn klasse. Platzieren würde er Stelen dort, wo viele Besucher sind: "Am Postplatz oder an den beiden Bahnhöfen", so der OB, der findet: "Je größer die Stadt, desto größer der Gewinn durch die Stelen." Für Plauen sei es ein tolles Renommee, wenn die Stelen der hiesigen Firma in weiteren Städten installiert würden.

Für alle, die gerade nicht in der Nähe einer Stele sind, aber dringend Infos brauchen, hat Stüber ebenfalls eine Lösung parat: "Es wird auch eine App fürs Smartphone geben."

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