Jößnitzer fühlen sich abgehängt

Bei der ersten Sitzung des neugewählten Ortschaftsrates ging es hoch her. Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) musste sich einiges anhören.

Jößnitz.

Der neue Jößnitzer Ortschaftsrat hat am Mittwoch seine Arbeit aufgenommen. Zuvor war er von Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) für die Amtszeit bis 2024 verpflichtet worden. Michael Findeisen wurde als Ortsvorsteher wiedergewählt und vereidigt.

Zu tun gibt es in den kommenden Jahren genügend, wie Oberdorfer als Gast der Sitzung erfuhr. Das Interesse bei den Jößnitzern ist groß. Zehn Einwohner waren zu der Sitzung gekommen. Unter ihnen auch Unternehmer Jochen Gebauer. Der engagierte Jößnitzer hatte am Mittwochabend im Bürgerbegegnungszentrum am Bahnhof einiges vorzubringen. Nach seinen Glückwünschen an die neugewählten Ortsteilvertreter erinnerte Gebauer an eine Ortsbegehung mit Verantwortlichen der Stadtverwaltung vor vier Jahren. Damals war unter anderem auf den Zustand mancher Fußwege und zu diesem Zeitpunkt bereits zum wiederholten Mal auf die mangelhafte Fahrbahn der Plauenschen Straße hingewiesen worden. Seitdem sei nicht viel passiert. Einige Gehsteige seien halsbrecherisch, kritisierte der Firmeninhaber. Auf die Plauensche Straße weise er bereits seit zwölf Jahren hin. Jößnitz fühle sich "etwas abgehängt". Die Antwort aus dem Rathaus aber sei immer dieselbe: "Wir haben kein Geld." Das sei unglaubwürdig.

Die Antwort fiel aber auch diesmal nicht viel anders aus: "Wir können keine Straße bauen ohne Förderung", antwortete Ralf Oberdorfer. Wenn es kein oder zu wenig Förderung gebe, könne man daher auch die Bürgersteige nicht machen. Denn: Für Fußwege gebe es vom Freistaat nur Geld, wenn gleichzeitig die zugehörige Straße gebaut werde. Würde die Stadt solche Baumaßnahmen wie die Sanierung der Plauenschen Straße aus eigener Tasche bezahlen, hätte man weniger Mittel für Kindergärten und Schulen, "was ich nicht verantworten kann".

Dass im staatlich anerkannten Erholungsort in den vergangenen zwölf Jahren aber gar nichts passiert sei, das sehe er nicht so, ging er weiter auf die Bürgerkritik ein. "Ich bin selbst Jößnitzer", erinnerte das Stadtoberhaupt. Als Wohnort sei das Dorf äußerst angenehm. Die Plauensche Straße versuche man befahrbar zu halten.

Die Diskussion ums Geld ging dennoch weiter. "Das Wort kann ich nicht mehr hören: Wir haben kein Geld", zeigte sich die ehemalige Jößnitzer Bürgermeisterin und Ortsvorsteherin Ute Müller verärgert. "Das ist ein Totschlagsargument", meinte auch der ehemalige Leiter des Plauener Polizeireviers, Dieter Distler, der in Jößnitz wohnt. Die Stadt habe doch jüngst erst Sonderfördermittel erhalten, da solle man mal an den Ortsteil denken, kam ein Hinweis aus den Reihen der Bürger.

Diese Sonderfördermittel für Modellkommunen in Höhe von 25 Millionen Euro für sieben Jahre seien an Bedingungen geknüpft und nicht frei einsetzbar, erklärte der Oberbürgermeister. Das Geld müsse für sozialen Zusammenhalt, Sport, verdichtete Wohnquartiere, E-Mobilität, CO-2-Einsparung und ähnliches ausgegeben werden.

Ralf Oberdorfer solle den Protest mitnehmen, sagte Ortsvorsteher Michael Findeisen. Es gehe im Ortsteil nicht um Neubauten, "sondern ums Erhalten". Dieter Distler regte eine öffentliche Ortsbegehung mit Verantwortlichen der Stadtverwaltung und Bürgern in Jößnitz an, um alle die Einwohner bewegenden Dinge aufzuzeigen und etwas zu tun. Auch Ute Müller und Jochen Gebauer haben sich für diesen Rundgang stark gemacht. Ob und wann es dazu kommt, war am Mittwochabend noch unklar.

Im verpflichteten neuen Ortschaftsrat sind der 39-jährige Unternehmer Christian Kellner und der 47-jährige Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik, Michael Herrmann, neu. Beide sind für die Sportgemeinschaft Jößnitz in der Ortsteilvertretung. Nicht mehr dabei ist Wolfgang Eckart, dem Michael Findeisen nochmal für seinen jahrelangen Einsatz gedankt hat.

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