Jonny Ansorge erlebt rührenden Abschied

18 Jahre übte er in Pausa das Amt des Bürgermeisters aus. Nun wurde er in den Ruhestand verabschiedet. Für seinen Nachfolger hatte der 65-Jährige noch einen Tipp parat.

Pausa-Mühltroff.

Es war der emotionalste Augenblick, als Jonny Ansorge am Donnerstag bei seiner offiziellen Verabschiedung in den Ruhestand sagte: "Ich möchte mich bei meiner Familie, meiner Frau bedanken." Dem 65-jährigen blieb kurz die Stimme weg - vor Rührung.

Zuvor hatte der scheidende CDU-Bürgermeister neben Amtskollegen, Stadträten, Ortschaftsräten, Vereinsvorständen, Vertretern der Feuerwehr und Mitarbeitern aus dem Rathaus auch Landrat Rolf Keil (CDU) begrüßt. Sie alle waren gekommen, um sich von Ansorge, der das Amt insgesamt 18 Jahre inne hatte, zu verabschieden.

"Du hast es verstanden, Neues anzuschieben, Kontakte zu knüpfen und zu pflegen, Menschen zu begeistern. Und du hattest die Gabe, Mitarbeiter persönlich zu motivieren, warst in Vereinen aktiv", beschrieb sein Stellvertreter, Hans-Joachim Schütt, Ansorges Tun. Als Meilensteine, an welchen der 65-Jährige maßgeblich Anteil hatte, nannte Schütt Neubau oder Sanierung von Kindergarten, Schule, Hort, Bürgerhaus und zuletzt die Zweifeldersporthalle. "Du warst für Pausa oft in Dresden bei der Landesregierung, bist mit vielen Bürgern, die du kennst, per Du. Dir ist es zu verdanken, dass radikale politische Strömungen in Pausa nicht Fuß gefasst haben", meinte Schütt. Ansorges Verdienst sei es zudem, dass auch jetzt vieles in der Kommune im Aufbruch sei - trotz finanzieller Probleme: Die Sanierung des Kospothsaals im Schloss Mühltroff und des Schützenhauses etwa, dem Pausaer Bürgerhaus steht dies bevor. Aber es sei auch ein kräftezehrender Beruf, der an die Substanz geht. Ansorge entschied sich, das Bürgermeisteramt aus diesem Grund vorzeitig niederzulegen.

Landrat Rolf Keil sagte: "Wenn man dreimal gewählt wird, kann man nichts falsch gemacht haben." Und: "Es gibt auch ein schönes Leben nach der Arbeit. Ich weiß, dass du ein Kämpfer bist, du wolltest die Stadt in gute Hände weitergeben." Keil überreichte Ansorge die Urkunde, die ihn in den Ruhestand versetzt. Michael Pohl, der als künftiger Bürgermeister Pausa-Mühltroff lenken wird, kam die Ehre zu, den Bürgermeister mit der höchsten Auszeichnung der Stadt zu würdigen: dem Eintrag ins Ehrenbuch der Stadt, dazu Blumen und eine Silbermünze. Und weil bekannt ist, dass dem Bürgermeister stets Kinder und Jugendliche in seiner Stadt wichtig waren, tanzten die Bodyshaker, eine Pausaer Kindertanzgruppe, in der Feierstunde. Gutes aus der Natur hatten die Schulleiterinnen aus Pausa mitgebracht. In reimenden Worten holten sie Minze, Kamillentee, Rosmarin fürs Bad, Knoblauch gegen Verkalkung, auch Bier und Kräuterschnaps hervor. Mario Taubner-Wude bot Ansorge die Ehrenmitgliedschaft im Schlossförderverein Mühltroff an. Und Peter Hahn erinnerte den Noch-Bürgermeister daran, den Schlüssel zur Schmierstube seinem Nachfolger zu geben, damit Gäste der Stadt auch weiterhin die Erdachse schmieren können.

Am Montag wird der letzte Arbeitstag mit Übergabe an den Nachfolger sein. "Ich denke, er wird das gut machen", so Ansorge über Michael Pohl. Einen Tipp hat er für ihn parat: Er habe über Parteigrenzen hinaus agiert, mit Leuten von tiefrot bis tiefschwarz gearbeitet, aber nie mit braun. "Wenn ich zurückschaue, ich hatte immer ein Faible für Schule, Kita und Hort. Stolz bin ich da schon ein wenig drauf." Zumal auch die Turnhalle fertig sei. Was er nicht geschafft habe? "Ein zweites Seniorenheim."

Was wird Ansorge künftig tun? "Ich werde mich mehr um meine kleine Enkelin kümmern. Und ich muss im Garten einiges machen." Ein großes Hobby verbinde ihn und seine Ehefrau, die bald auch in Rente gehen wird: das Reisen. Dieses Jahr waren es die Seychellen. Wohin es als nächstes geht? "In den Oman will meine Frau gerne." Aber auch Australien könnte den Pausaer reizen. Und auf jeden Fall soll es zum Woodstock-Revival gehen, dafür haben die Kinder dem Paar Tickets geschenkt. "Als junger Mann habe ich nämlich mal richtig lange Haare gehabt", bekannte Ansorge. Kümmern möchte er sich weiter um ein Waisenhaus in Malawi, welches er mit der Mühltroffer Ärztin Karin Enk seit Jahren unterstützt. Auch das ist noch ein Reiseziel. Es bleibt viel zu tun für Ansorge, zumal er zur Verabschiedung am Donnerstag überall hin eingeladen wurde, die Palette reichte vom Rathaus über Betriebe, Vereine und Privathäuser bis hin zum Skatspielen.

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