Jubiläumsschau zeigt das nette kleine Vogtland

Sie basteln an einer heilen Welt, und einmal im Jahr darf sie jeder sehen. Der Modelleisenbahnclub Plauen zeigt gerade wieder seine Miniaturen, wieder in der Friedensschule. Über die Faszination einer schönen kleinen Welt.

Plauen.

Auf der Waldlichtung liegt eine nackte Frau und nimmt ein Sonnenbad. Sie liegt dort, während ein paar Meter entfernt ein Zug vorbeidonnert. Sie ist immer noch da, wenn der Zug das nächste Mal kommt. Und auch morgen wird sie lächelnd in der Wiese liegen.

Diese Details sind es, sagt Hans-Martin Jäkle, 66. Sie sind der in eine Modellwelt gebastelte Humor der Miniatur-Eisenbahner. Jäkle ist Vorsitzender des Modellbahnclubs und gerade dabei, in der Friedensschule eine heile Welt aufzubauen. Sein Verein hat wieder die Aula gemietet. Heute Abend eröffnet er darin seine 30. Ausstellung. Fünf Tage darf sich jeder die kleine Welt der Modellbahner anschauen. Jäkle und seine Kollegen rechnen mit 3000 Leuten.

Ihr Hobby fasziniert seit Generationen kleine und große Menschen. Es hat die Zeit überdauert und scheint nie aus der Mode zu kommen. Gerade begeht der Club seinen 70. Geburtstag.

18 Männer sind sie, die sich die Welt so basteln, wie sie ihnen gefällt. Sie kleben daumennagelkleine Männchen auf Grasmatten, lassen ein Polizeiauto in den Teich fahren und den Skifahrer im Baum baumeln. "Früher waren die Züge das Faszinierende. Heute sind es die Kleinigkeiten", sagt Jäkle. Die Branche wirft jedes Jahr kleine Figuren auf den Markt, die sich mit kleinen Motoren über die Anlage bewegen und beleuchten lassen. Manchmal muss man lange suchen, bis man sie entdeckt. Zum Beispiel den flackernden Grill auf dem Rummelplatz.

Solche Dinge sehen die Bastler in Zeitschriften und auf Spielwarenmessen. Sie stimmen ab, was auf die Anlage darf. Jeden Mittwoch treffen sie sich im Vereinsheim an der Kauschwitzer Straße und modellieren an der Welt im Kleinen. In gnadenlosem Perfektionismus haben sie Details aus der Heimat nachgebaut. Elstertalbrücke, Lochbauer, die Weischlitzer Scheunen, den Bahnhof von Jocketa.

Hans-Martin Jäkle unterscheidet nicht viel von den kleinen Jungen, die sich heute mit Modellbahnen spielen. "Meine erste Eisenbahn habe ich mit zweieinhalb Jahren bekommen." Nur war das eine H0-Piko, keine Holzeisenbahn. Seitdem kommt ständig etwas dazu. Vor 30 Jahren ist er in den Club eingetreten.

Donnerstags leiten die Modellbahner eine Bastelgruppe in der Friedensschule, und daran sieht man, dass in der realen Welt noch Platz für kleine Traumwelten ist. Die Bastel-AG ist beliebt, sagt Jäkle. Manche Kinder bleiben drei Stunden und kleben und bemalen ihre kleinen Häuser. Entstanden sei die Arbeitsgruppe durch die jährlichen Modellbahnausstellungen. "Unser Dank an die Schule, weil wir ihre Aula nutzen dürfen", sagt er.

Denn das sei das Schwerste in ihrer Branche: einen Raum zu finden, der groß genug und bezahlbar ist. Ihre Großanlage fahren sie im LKW zur Schule. Wie ein Puzzle setzen sie sie dort zusammen. Und nur dort und nur im November, für wenige Tage des Jahres, ist sie zu sehen. Demnächst werden die Bastler mit ihrer neuen Großanlage beginnen. Die, an der sie seit Jahrzehnten arbeiten, ist eine Fantasiewelt mit Details aus der vogtländischen Wirklichkeit. Jetzt möchten sie den Oberen Bahnhof von Plauen nachbauen, wieder im Maßstab 1:87, dem der H0-Bahnen.

Die Niedlich-Variante des Berliner Flughafens BER, denn der Bau dauert eine halbe Ewigkeit. Sechs Jahre schätzt der Vereinschef. Es liege vor allem am Geld. Den Bau bezahlen die Modellbahner von dem, was sie zu ihren Ausstellungen einnehmen. Sie suchen Sponsoren, haben aber bisher nur zwei kleine gefunden. Die genauen Baukosten kann Mini-Bahnchef Hans-Martin Jäkle nicht abschätzen. Mehrere Tausend Euro jedenfalls, denn der Perfektionismus kostet Geld. Aber der Club hat Zeit. Das Basteln ist das Ziel.

Die ModellBahnen fahrenan diesem Wochenende jeweils von 10 bis 18 Uhr in der Aula der Plauener Friedensschule (Eingang Schmidstraße). Weitere Öffnungszeiten sind der 21., 24. und 25. November, ebenfalls jeweils von 10 bis 18 Uhr.

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