Junge Bands in Plauen mit Startschwierigkeiten

Um in der Musikbranche den Durchbruch zu schaffen, braucht es viel Glück. Aber auch Unterstützung ist wichtig. In Plauen gibt es davon nur wenig - im Gegensatz zu Hof.

Plauen.

Lärm dringt aus der Einfahrt des baufällig wirkenden Hauses an der Hammerstraße. Ein Bagger steht im Hinterhof und gräbt dort Löcher in den Boden. Von außen wirkt das große Gebäude verlassen, doch ein Schild an der grau-braunen Wand deutet auf ein Geschäft im Inneren. Und tatsächlich: Hinter einer Stahltür in der Einfahrt versteckt sich das Schlagzeuggeschäft von Dirk Törppe. Es ist ein großer Raum, mittendrin steht ein Motorrad. Darum liegen, gut sortiert, Schlagzeugteile auf dem Boden. Ein Paradies für Musiker.

Eigentlich ist Törppe Sozialarbeiter, betreut bei seiner Arbeit Jugendliche. Doch ein Job ist dem 46-Jährigen nicht genug. Das Geschäft an der Hammerstraße betreibt er nebenbei, vermietet in dem Gebäude Proberäume und spielt auch noch in gleich vier Bands. Dirk Törppe ist Musiker durch und durch, auch wenn er die Musik erst mit dem Studium für sich entdeckt hat.

Mit seiner Band ICTRL nahm er vor Kurzem an einem Bandcontest in Bayreuth teil. Eine der eher seltenen Chancen für einen Auftritt. In Plauen fehlen dafür die Bühnen. In den zwei Jahren, seitdem es die Band gibt, konnten die Musiker nur zweimal in der Spitzenstadt auftreten. "Die Leute hier versuchen trotzdem, das Beste draus zu machen", so Törppe. Die Umstände seien aber nicht ideal. "Es gibt zu wenige Proberäume. Viele Jugendliche gehen in die Musikschulen und wissen danach nicht, was sie mit dem Wissen anfangen sollen", sagt der Musiker. Aus seiner Sicht fehlt es an Unterstützung - sowohl aus der Gesellschaft heraus als auch von der Politik. "Kultur ist doch das, was uns als Menschen ausmacht", sagt Törppe.

Wie schwierig die Umstände in Plauen sind, das merkt auch Dystopia Unbanished. Die fünfköpfige Metalcore-Gruppe aus Plauen war ebenfalls bei dem Wettbewerb in Bayreuth dabei, schaffte es dort auch in die nächste Runde. Die Proben der Band finden in einem alten Fabrikgebäude am Unteren Bahnhof statt. "Die anderen Räume sind zu teuer", sagen sie. Ohnehin gibt es in der ganzen Stadt nur die Räume an der Hammerstraße und am Unteren Bahnhof. Die jungen Musiker befinden sich aktuell alle in der Lehre oder im Studium- Geld ist also knapp. Entsprechend gibt es die Band nur live zu hören. "Wir würden gern ein Album aufnehmen, aber das können wir uns nicht leisten", sagt Gitarrist Adrian Sorger. Auch Merchandise, etwa T-Shirts, kann die Gruppe nicht anbieten - zu teuer. Auch vonseiten der Stadt komme kaum Hilfe. "Es gibt Initiativen wie das Spitzenfest. Danach ist aber auch schon wieder Schluss", sagt Sorger.

Auch Dirk Törppe würde sich über mehr Unterstützung freuen. "In Hof gibt es zum Beispiel das Your Stage Festival", sagt er. Dort können junge Künstler aus Hof in der Freiheitshalle auftreten - organisiert von der Stadt. In Plauen sei es dagegen schon eine Herausforderung, Plakate aufzuhängen. "Das ist zu teuer. Eine Nachwuchsband kann sich das nicht leisten", kritisiert der Musiker. Dabei sei es für die Bands wichtig, dass viele Leute zu den wenigen Auftritten kommen. Und doch zeigt sich trotz der schwierigen Lage auch Zuversicht: "Auch wenn es aktuell bergab geht, habe ich das Gefühl, dass im Vogtland viel möglich ist", sagt Törppe. Davon sind auch die Musiker von Dystopia Unbanished überzeugt. "Auch von Plauen aus können wir etwas schaffen", sagt Sorger. Bei ihren Auftritten würde die Band gut ankommen. "Vielleicht verdienen wir ja irgendwann etwas mehr Geld damit", hofft Schlagzeuger Ole Enders.

Die Musik von ICTRL können Sie unter diesem Link hören: www.freiepresse.de/ictrl

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