Junge Frau gehört zu 132 Todesopfern

Bomben auf Plauen: Die 24-jährige Irmtraut Kaden erlag schwersten Verletzungen. Trümmer hatten die Apothekengehilfin bei der Bombardierung Plauens 1945 im Keller der Concordia-Apotheke eingeklemmt. Ihr Bruder erinnert sich.

Plauen.

Der folgende Bericht beruht auf der Schilderung von Heinz Kaden, Bruder der verstorbenen Irmtraut Kaden, anlässlich der 2010 von Historiker Gerd Naumann kuratierten Ausstellung "Plauen im Bombenkrieg 1944/45". Sie ist auch im gleichnamigen Buch enthalten:

"Zu den Opfern vom 16. Januar 1945 zählt leider auch meine liebe Schwester Irmtraut Kaden (geboren am 6. Juni 1920), welche bei der Ausübung ihres Dienstes als Apothekengehilfin der Concordia-Apotheke Bahnhof-/Ecke Karolastraße ihr junges Leben von 24 1/2 Jahren hergeben musste ...

Es war gegen 13 Uhr, als ein starkes Motorengeräusch in der Luft das Nahen von Flugzeugen ankündigte. Da es schon knapp über vier Monate her war, als am 12. September 1944 der erste Bombenangriff auf Plauen stattgefunden hatte, und nur die Außenbezirke, vor allem die Südvorstadt, betroffen war, nahm die Bevölkerung der Stadt es noch nicht allzu ernst mit dem Aufsuchen der Luftschutzräume. Man hatte sich einfach zu sicher geglaubt, sodass eigentlich keine Panikstimmung herrschte. Meine Schwester, welche im Labor der Apotheke arbeitete, meinte zu den anderen Mitarbeitern, dass es doch besser sei, lieber in den Luftschutzkeller zu gehen, da das Motorengeräusch der Flugzeuge zunahm. Meine Schwester befand sich gerade auf der Treppe, die zum Keller führte, als eine Sprengbombe ins Treppenhaus einschlug und herabstürzenden Stufen meiner Schwester die Beine quetschten, sodass sie nicht weiter konnte. Gleichzeitig fing es lichterloh an zu brennen. Alles geschah innerhalb von kaum 20 Minuten. Man hörte das Geschrei der verletzten Menschen auf den Straßen und lautes Knallen weiterer Explosionen. Die Luft war erfüllt von Qualm, Staub und Pulvergestank. Es dauerte zwar nicht allzu lange, bis die Feuerwehr eintraf und versuchte, den Brand zu löschen. Dann aber vergingen rund fünf Stunden, ehe meine Schwester von den auf ihren Beinen lastenden Stufen befreit werden konnte. Mein Vater, welcher erfahren hatte, dass die Concordia-Apotheke getroffen war, eilte herbei und konnte durch ein Kellerfenster Ruf- und Sprechkontakt mit ihr herstellen, um ihr Mut und Trost zuzusprechen. Fast fünf Stunden harrte er bei klirrender Kälte aus, bis sie befreit war und zur Privatklinik von Dr. Schmied an der Tischendorfstraße gebracht wurde. Da aber dort für eine mögliche Amputation nichts eingerichtet war, wurde sie noch am selben Abend ins städtische Krankenhaus gebracht. Trotz intensivster ärztlicher Fürsorge konnte ihr Leben auf Grund des enormen Blutverlustes und der Verbrennungen dritten Grades nicht gerettet werden. Sie verstarb am nächsten Morgen 8 Uhr infolge der schweren Verletzung durch Fliegerangriff, wie es in der Sterbeurkunde Nr. 131/1945 vermerkt ist. In der Concordia-Apotheke kamen noch zwei Personen ums Leben, darunter ein tschechischer Apotheker als Gastarbeiter, von dem man bei späteren Aufräumarbeiten nur noch seine Taschenuhr fand." (gern)


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