Kandidat Sachse: Ein Techniker will Bürgermeister werden

Wahlen 2019 Der parteilose Bewerber in Pöhl ist kommunalpolitisch ein Neuling. Er lebt Tür an Tür mit der Feuerwehr.

Pöhl.

"Zukunft beginnt zuhause", heißt es auf dem Flyer, den Bürgermeister-Kandidat Andreas Sachse an alle Pöhler Haushalte verteilt. Das Zuhause des parteilosen Bewerbers ist das Depot der Ortsfeuerwehr an der Bahnhofstraße in Jocketa. Wer Andreas Sachse besuchen will, muss die Feuerwehrzufahrt nutzen, sich dann rechts halten und das Nebengebäude ansteuern. Über dem Schulungsraum der Feuerwehr wohnt der Kandidat mit seiner Ehefrau und beiden Kindern zur Miete.

Andreas Sachse ist gebürtiger Plauener und zog der Liebe wegen im Jahr 2003 aufs Dorf. Seine Frau stammte aus Jocketa, inzwischen empfindet er den touristisch geprägten Ort an der Talsperre Pöhl als seine Heimat. "Wir fühlen uns hier wohl", sagt er, die Ruhe, die idyllische Lage - das tut ihm ebenso gut wie die Mentalität der Menschen.


Andreas Sachse hat gerade seinen 40. Geburtstag gefeiert und ist zum Wahltermin am 1. September der Jüngste der drei Bürgermeister-Bewerber. Die Grenzen zwischen Privatleben und Feuerwehr-Engagement sind bei ihm nicht nur wegen des ungewöhnlichen Wohnortes fließend. Der Industriemechaniker aus Plauen arbeitet bei Speziallampenhersteller Vosla und ist wegen seiner technischen Kenntnisse zugleich bei der Feuerwehr gefragt. Dort ist er als Maschinist im Einsatz, er beherrscht Spreizer und Schere und wird auch mit Atemschutz eingesetzt. Dabei will er nicht trennen zwischen den 21 Kameraden der Ortswehr Jocketa und allen 114 der Gemeindewehr Pöhl. "Wir rücken zusammen aus", betont Sachse. Alle sind zudem beruflich engagiert.

Andreas Sachse ist kommunalpolitischer Neuling. "Ich habe aber schon länger Interesse gezeigt: in der Gemeinde und für die Gemeinde." Sein Hauptaugenmerk gehört der "Gleichbehandlung aller Ortsteile" und der stärkeren Bürgerbeteiligung, betont der Herausforderer von Bürgermeisterin Daniela Hommel-Kreißl (FDP). Zu den Zielen gehören die Stärkung kleiner und mittelständischer Unternehmen, das Eindämmen der Abwanderung junger Menschen, Erweiterung kultureller Angebote für alle Generationen, Traditionspflege, reges Vereinsleben, Naturerhalt, bessere Wanderwege und schnelles Internet.

In weiten Teilen ähnelt Andreas Sachses Programm dem des anderen Herausforderers Lothar Kramer (Freie Wähler). Sachse ist allerdings zurückhaltender in der Kritik an der Bürgermeisterin. Harte Ziele wie transparentere Verwaltungsprozesse und Gleichbehandlung aller Ortsteile stehen auf dem Wahlflyer unten. Er vermeidet direkte Angriffe, setzt auf Vernunft und Sachorientierung. "Jede Arbeit ist zu respektieren, auch die der Bürgermeisterin", sagt er. Die mitunter holprige Zusammenarbeit von Gemeinde und Talsperren-Zweckverband soll künftig "ein Geben und Nehmen sein", gibt er als Ziel aus. Er könne sich an der Pöhl eine Beach-Bar und mehr Jugend-Angebote vorstellen. Doch man dürfe nie vergessen: Die Talsperre dient dem Hochwasserschutz. "Sie muss nicht immer randvoll sein." Beim Disput um einen Industrie- oder Gewerbestandort in Herlasgrün gibt sich Andreas Sachse zurückhaltend. "Es ist sehr undurchsichtig", meint er. Doch ohne Kenntnis aller Fakten sei eine Bewertung schwierig.

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