Keller am Schlossberg birgt Geheimnisse

Ofen, Bettstatt, Stollen ins Ungewisse: Die Bergknappen würden gern weiter nachforschen. Das Interesse an Plauens Unterwelt ist ungebrochen.

Plauen.

Plauens Unterwelt ist immer wieder für Überraschungen gut. Als die Erkundungsarbeiten für den letzten von drei zur Sicherung und Versiegelung bestimmten Keller im Bauch des Schlossbergs begannen, stoppte am 13. Juni der Fund einer 50-Kilo-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg die Arbeiten jäh und löste die größte Evakuierungsaktion Plauens seit Jahrzehnten aus. Als sich die Wogen glätteten und die Erkundung an der Ecke Hammer-/ Syrastraße fortgesetzt wurde, folgte die nächste Überraschung: Jener Keller ist besonders gut erhalten und bietet Ansätze für weitere Nachforschungen. Seit Kriegsende, spätestens seit Mitte der 50er-Jahre war dort offenbar niemand mehr drin.

Die Fachleute der Bergsicherung Schneeberg und der Plauener Bergknappenverein stießen auf einen nahezu 40 Meter in den Schlossberg hineinreichenden Keller, der sich im hinteren Bereich etwas weitet. Er enthält interessante geologische Formationen und ein paar Besonderheiten: Ofen, Heizungskörper und eine Bettstatt. Das spricht für eine Nutzung als Luftschutzkeller. Doch bislang galt jener Keller nicht als offizieller Schutzraum.


"Es gibt einige Ansätze für weitere Nachforschungen", sagt Gert Müller, Chef des Bergknappenvereins. Fragen werfen auch zwei mit Geröll zugeschüttete Stollen auf: Wann wurden die angelegt? Vor allem: Wohin führen sie? Es gibt Überlegungen, den Keller zu erhalten, der vor 1860 gebaut worden sein könnte. Die Entscheidung liegt, wie bei allen auftauchenden Kellern, Stollen und Höhlen, beim Oberbergamt Freiberg als zuständiger Fachbehörde im Freistaat Sachsen.

Und diesbezüglich ist zurzeit einiges im Gange. Verhandlungen und Beratungen zwischen dem Landesamt für Archäologie, Denkmalschutz und Baubehörde der Stadt sowie Oberbergamt laufen. Nächste Woche soll es eine Bauberatung geben. Es könnte gut sein, dass die Bergbaubehörde festlegt, den Keller fachgerecht zu verfüllen und zu versiegeln - so, wie es aus Sicherheitsgründen bereits mit den Kellern an der Hammerstraße erfolgt ist.

Mit dem Luftschutzmuseum Meyerhof und acht Kellern haben die Bergknappen eigentlich genug um die Ohren. Sie würden dennoch gern weiter nachforschen und die Geschichte jenes Kellers freilegen, der mit dem Blindgänger-Fund ins öffentliche Bewusstsein katapultiert wurde. "Vielleicht gibt es noch Zeitzeugen", hofft Gert Müller.

Das Interesse der Plauener und Vogtländer an der verzweigten Unterwelt ist auch am vergangenen Wochenende in der Nacht der Museen deutlich geworden. "Wir hatten 795 Besucher im Luftschutzmuseum", berichtet der Vereinschef. Und das, obwohl es durch die Baustelle am Schlossberg einige Einschränkungen gab. Besonderer Clou für die Gäste war eine 50-Kilo-Bombe mit Zünder aus dem Fundus der Bergknappen. Sie ist gleicher Bauart wie der kurz zuvor im Bauschutt des Schlossberges gefundene und von Experten in Kauschwitz gesprengte Blindgänger.

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