Kemmler-Oberschule macht mobil gegen Mobbing

Es ist ein Problem, über das niemand gern spricht. Ausgrenzung, Gewalt, Beleidigungen - Mobbing. Ein Direktor aus Plauen will daran etwas ändern.

Plauen.

Es sei ein hässliches Wort, sagt er. Und doch müsse endlich darüber gesprochen werden. Mobbing, so sagt Andreas Seidel, ist ein großes Problem. Deshalb hat der Rektor der Kemmler-Oberschule in Plauen dieses Schuljahr ganz unter das Motto der Gewaltprävention gestellt. "Wir sind keine Schule, an der es nur Mobbing gibt", betont er. Und doch sei es wichtig, dass sich jemand dagegen positioniert.

In drei Schritten macht die Schule deshalb gegen Mobbing mobil. Bereits Anfang September war die Unfallkasse Sachsen mit einem Theaterstück zu diesem Thema an der Schule. Zugeschaut und im Anschluss über Mobbing diskutiert haben dabei Kinder von der achten bis zur zehnten Klasse.

Anfang Oktober folgte dann der zweite Schritt. Carsten Stahl, bekannt als Fernseh-Detektiv und Anti-Mobbing-Coach, war an der Schule zu Besuch. Mit ihm dabei war auch ein Fernsehteam von RTL II. Dieses hat einen Beitrag zum Thema Mobbing gedreht, dafür mit zahlreichen Schülern gesprochen. Anfang kommenden Jahres soll der Beitrag ausgestrahlt werden, ein genaues Datum gibt es aber derzeit noch nicht. Obwohl er dem Treiben selbst zugestimmt hat, habe Schulleiter Andreas Seidel durchaus Bedenken, wie seine Schule am Ende im Fernsehen dargestellt wird. Das Risiko, so sagt er, ist er aber bereit einzugehen. "Ich bin froh, dieses Thema angesprochen zu haben", sagt er.

Bei seinem Besuch hat sich Carsten Stahl zwei Tage lang unter die Schüler gemischt. Höhepunkt war ein Zusammenkommen in der Neuen Welt in Zwickau. Der bekannte Coach habe mit seinem Auftritt durchaus Wirkung gezeigt. "Einige Schüler haben sich bei anderen entschuldigt. Ich habe sogar welche weinen sehen", berichtet Andreas Seidel deutlich beeindruckt von den Ergebnissen.

Im kommenden Jahr folgt dann der dritte Schritt des Anti-Mobbing-Programmes. Für Mai ist ein Elternabend geplant, bei dem über den Umgang mit sozialen Medien informiert werden soll.

Damit ist aber noch nicht Schluss. Über dieses Schuljahr hinaus soll es eine Zusammenarbeit mit Thomas Hedrich geben. Der Selbstverteidigungs-Coach aus Plauen leitet hier auch den Camp-Stahl-Stützpunkt. Dieser dient als Außenstelle für die Arbeit von Carsten Stahl. Wie genau die Zusammenarbeit mit der Schule aussehen wird, das sei derzeit noch in Verhandlung. "Wir wollen aber auch schon die Jüngeren für das Thema sensibilisieren", sagt der Schulleiter.

Hedrich will den Kindern vor allem Werte vermitteln. Kompromissbereitschaft ist einer davon. Diese, so sagt der Coach, fehle heute vielen Menschen. Dabei sei das Akzeptieren anderer Meinungen nicht nur in der Schule von Bedeutung. Hedrich ist in bundesweit an Schulen unterwegs, gibt Seminare zur Gewaltprävention. Viele Lehrer, so berichtet er, würden sich mit dem Problem allein gelassen fühlen: "Mobbing wird an vielen Schulen totgeschwiegen", ist er überzeugt.


Kommentar: Gewalt alsTabuthema

Mobbing ist ein großes Problem an den Schulen. Jedes sechste Kind erfährt in Deutschland physische oder psychische Gewalt, so eine Pisa-Studie. Eine schreckliche Zahl - doch die Gegenmaßnahmen fehlen bislang. Stattdessen gilt Mobbing häufig noch als Tabuthema. Klar, welche Schule gibt schon gern zu, dass es bei ihr ein Problem mit Gewalt gibt? Solche Dinge totzuschweigen ist da deutlich bequemer. Doch das Problem wird so nicht gelöst.

So fehlt es bis heute an einer Infrastruktur, um die Gewalt einzudämmen. Es fehlen Schulpsychologen, die für die Kinder und Lehrer da sind, zuhören und ausbilden. Es fehlen Sozialarbeiter mit einem engen Draht zu den Schülerinnen und Schülern, die deren Sprache sprechen und so mehr beeinflussen können. Und es fehlt die Einsicht, dass Lehrer schon jetzt oft mit Arbeit überladen sind und sich nicht auch noch darum kümmern können.

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