Kind des Vogtland-Theaters kehrt zurück

Sopranistin Sarah Kuffner hat ihre ersten sechs Lebensjahre im Plauener Theater verbracht. Am heutigen Freitag singt sie dort beim 6. Sinfoniekonzert aus Wagners "Walküre" die Sieglinde.

Plauen.

Eigentlich wollte Sarah Kuffner nichts so machen wie ihre Eltern. "Ich habe mir geschworen, nie Sängerin zu werden, auch keinen Sänger zu heiraten", schmunzelt die 35-Jährige. Heute steht sie als Sopran auf der Bühne und ist mit einem Tenor verheiratet - genau wie früher ihre Mutter. Heidrun Kuffner und Wolfgang Geissler lernten sich am Plauener Musentempel kennen. Ihre Tochter wuchs im Theater auf und stand dort bereits als Kind auf der Bühne. Zwischen damals und dem heutigen Konzert liegen fast 30 Jahre.

"Ich freue mich, hier zu sein", sagt die Sängerin zwischen Nusseis und Cappuccino im Plauener Theatercafé. "Aber es ist auch ein bisschen traurig." Denn ihre Mutter, die sie damals ins Plauener Haus brachte, starb mit nur 60 Jahren nach langer Krankheit. Geblieben ist Kuffner aus der Plauener Zeit ein Album mit Bühnenfotos ihrer Eltern, ein paar Babyfotos von sich, ein Kuscheltier - und ein Traumbild.

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"Ich habe immer wieder von der Außenansicht des Theaters geträumt", erinnert sich Kuffner. Die Pforte hat sie gleich wiedererkannt. Auch die Treppe zum Kapellmeisterzimmer, auf der ihr ein Dirigent einmal ein Häschen schenkte: "Puschel hieß es."

1990, als sie sechs Jahre alt war, zog die Familie "nur mit dem Nötigsten" in den Westen, erzählt Kuffner. In Mannheim wuchs sie auf. Nach ihrem Realschulabschluss schnupperte Kuffner dort ins Regiefach hinein. 1999/2000 brachte das Nationaltheater Wagners "Ring" in einer Saison komplett auf die Bühne. "Das war eine tolle Zeit", sagt die geborene Plauenerin mit blitzenden blauen Augen, die zu dieser Zeit auch Gesangunterricht nahm. Ihre Lehrerin und einige Freunde überredeten sie, auf ihre Stimme zu vertrauen. So studierte Kuffner von 2003 bis 2006 in Mainz und sang am dortigen Stadttheater.

Danach zog sie nach Bielefeld. "Ich wollte mit dem Singen aufhören", sagt die 35-Jährige, an der damals Zweifel nagten - und jobbte ein Jahr lang als Filialleiterin in einem Laden für Damenkleidung. "Das war cool", erklärt sie. Sie kniet sich gern rein und mag es, greifbare Ergebnisse am Ende eines Tages zu sehen. "Singen kann sehr verkopft sein." Es gab aber zwei Haken: Im Einzelhandel arbeitete Kuffner noch mehr als zuvor - und verdiente dennoch weniger. Da kam ein Anruf von einem Bielefelder Dramaturgen, den sie von früher kannte und der Verstärkung für den Theaterchor brauchte.

Beim Vorsingen saß noch ein Bekannter von Kuffner dabei, heute Generalmusikdirektor in Plauen: Leo Siberski, damals 1. Kapellmeister. "Er hat mich sehr unterstützt", lächelt die Sopranistin, die wieder begann, Solo-Partien zu singen. Ab 2009 als festes Ensemble-Mitglied in Bielefeld. Siberski sei es auch gewesen, der sie fragte, ob sie beim Sinfoniekonzert singen wolle, so Kuffner. Ein Wiedersehen mit ihrer Geburtsstadt fand bereits voriges Jahr statt: bei Proben für die Schumann-Gala in Zwickau.

Kuffner singt nicht nur, sondern ist auch Dozentin an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Wenn sie singt, steht sie auf Rollen, die viele Farben haben: sensibel, kämpferisch, leidenschaftlich. "Deswegen mache ich diesen Beruf", sagt sie. Kuffner versucht, immer einen eigenen Stempel auf die Partie zu setzen. "Auch wenn das nicht allen gefällt." Sie sei "ein bisschen der Punk" unter den Opernsängern, weil sie nichts nachahmen wolle.

Ab der nächsten Spielzeit wagt Kuffner den Sprung in die Freiberuflichkeit: unter anderem ans Aalto-Musiktheater in Essen und an die Staatsoper in Budapest.

6. Sinfoniekonzert "Kein Tabu!" ab

19.30 Uhr im Vogtland-Theater, Tickets ab

19 Euro an der Abendkasse.

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