Kinder, Kinder - ein Wiedersehen mit gemischten Gefühlen

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Plauen.

Bei den Marienkäfern in der Kita Großfriesen gab es am Montag Freudentränen. "Die Kinder sind sich um den Hals gefallen und laut tobend ins Gebäude gestürmt - es war eine Wiedersehensfreude, die ich so nicht erwartet hätte", sagt Kitaleiter Matthias Hoffmann. "Alle haben sich so gefreut, sich nach so langer Zeit wiederzusehen. Vor Rührung sei bei dem ein oder anderen Erzieher und Elternteil auch eine Träne gekullert.

Seit Montag haben Grundschulen, Horteinrichtungen und Kindertagesstätten in Sachsen wieder im eingeschränkten Regelbetrieb geöffnet. Die Erzieher in Großfriesen haben eigens dafür gemeinsam mit den Kindern aus der Notbetreuung ein großes Banner mit den Worten "Herzlich willkommen!" für diejenigen gemalt, die seit dieser Woche wieder die Einrichtung besuchen dürfen. "Einige unserer Eltern waren von dem Empfang so überwältigt, dass sie das sehr emotionalen Worten in den Sozialen Netzwerken geteilt haben", so Hoffmann. Die Sehnsucht, dass alles endlich wieder normal laufe, sei auf allen Seiten groß. Von rund 40 Kindern haben am Montag 33 wieder den Kindergarten Marienkäfer in Großfriesen besucht.

Doch der lange Verzicht auf Spielkameraden hat auch seine Nebenwirkungen, weiß Claudia Pötzschner, Leiterin des evangelischen Kindergartens Spatzennest in Plauen. "Die Kinder waren sehr aufgekratzt und die Eltern müssen noch immer an der Eingangstür zurückbleiben. Es war alles sehr chaotisch", so die Kita-Chefin. Auch der eingeschränkte Regelbetrieb stelle viele Bereiche vor Herausforderungen. "Eingewöhnungsphasen mit den Eltern können wir derzeit nur draußen oder aber mit einer zusätzlichen Kraft bewerkstelligen. Doch wir sind ohnehin knapp besetzt." Zudem seien die Erzieher verunsichert, fühlen sich nicht ausreichend geschützt.

Das bestätigt auch Dirk Eisermann, Fachbereichsleiter für Bildung und Erziehung in der Volkssolidarität in Plauen und Oelsnitz. "Es ist schade, dass das Sicherheitsbedürfnis der Erzieher nicht wirklich ernst genommen wird", so Eisermann. Rund 150 Erzieher in zehn Kindertageseinrichtungen und einem Schulhort beschäftigt die Organisation. Von den rund 1300 Kindern, die in den Einrichtungen normalerweise betreut werden, waren am Montag etwa 90 Prozent wieder die Kitas gekommen. "Im Gegensatz zu den Schulen kann im Krippenbereich niemand Abstand wahren oder eine Maske tragen. Es fehlt eine langfristige Testsrategie", sagt Eisermann. Grundsätzlich sei aber die Freude groß, endlich wieder ein Stück Alltag zurückzugewinnen.

Das gilt auch für die Grundschulen. Trotz noch nicht wieder eingeführter Schulbesuchspflicht kehrten am Montag über 96 Prozent von insgesamt 6814 Grundschülern im Vogtland in den Präsenzunterricht zurück, berichtet Schulamtssprecher Arndt Schubert. "Und da gibt es auch keine Ausreißer, da sieht an allen Schulen ähnlich aus."

So auch an der Erich-Ohser-Grundschule in Plauen. Dort nahmen laut Schulleiterin Antje Remus 172 von 179 Kindern wieder in ihren Klasssenzimmern Platz. "Wir haben ein gutes Hygienekonzept und sind sehr zufrieden mit dem ersten Tag. Die Pausen- und Unterrichtszeiten sind versetzt, sodass es zwischen den Klassen möglichst wenig Berührung gibt." Die achtjährige Lia aus der Klasse 2a ist vor Freude in die Luft gehüpft, als sie erfahren hat, dass sie wieder zur Schule gehen darf, sagt sie. "Und ich wollte sofort meine Freundin Lumina anrufen. Wir haben uns richtig fest gedrückt am Montag", so die Zweitklässlerin. Der erste Tag habe mit Deutsch und Mathe begonnen und eine Aufgabe sei auch ein bisschen schwer gewesen. "Aber es war schön, und es gab keine Hausaufgaben", bekräftigt Freundin Lumina. Der ebenfalls Achtjährigen ist zwar am ersten Tag der Code für ihren Spind nicht mehr eingefallen, "aber die Namen meiner Klassenkameraden, die habe ich alle noch sofort gewusst", scherzt Lumina.

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