Kinderarzt gesucht: Keiner will Praxis in Plauen übernehmen

Der Kinderarztpraxis von Gebhardi im Chrieschwitzer Hang droht in zwei Wochen die Schließung. Keiner will die kleinen Patienten dort weiter behandeln. Eine Mutter ruft um Hilfe.

Schwester Rosi (Mitte) und Mutter Stefanie Wehr (l.) haben die Hoffnung auf einen neuen Kinderarzt noch nicht aufgegeben. Aber die Chancen sind gering, dass der kleine Max weiter in dieser Praxis verarztet wird.

Für Sie berichtet: Manuela Müller

"Dringend gesucht ..." Mit diesen Worten hat Stefanie Wehr auf Facebook einen Text begonnen, in dem sie schreibt, Plauen braucht einen neuen Kinderarzt. Stefanie Wehr macht sich Sorgen. Sie hat zwei kleine Kinder. Die Praxis, in der die beiden behandelt werden, steht vor der Schließung. Schon Ende des Monats, in zweieinhalb Wochen, soll es vorbei sein.

Stefanie Wehr weiß, dass es mies aussieht. Sie will aber nicht tatenlos zusehen dabei. Seit sie von dem Tod der Kinderärztin Gabriela von Gebhardi erfuhr, versucht die junge Mutter, einen Nachfolger nach Plauen zu lotsen. Ihre Schwester habe an der Medizinischen Fakultät der Universität in Jena einen Aushang gemacht - Kinderarzt in Plauen gesucht. "Mein Antrieb ist die schlechte Situation", sagt Wehr. Bis zu drei Stunden müssten Familien in den Kinderarztpraxen warten, bis sie an der Reihe sind. Mit kleinen Kindern ist das eine Herausforderungen.

Überhaupt sei es schwer, anderswo unterzukommen. Stimmt das? "Wenn in der Zeitung steht, wir nehmen Patienten auf, dann überrennen uns die Leute. Das schaffen wir nicht. Bitte nichts von uns bringen", heißt es aus einer anderen Praxis. Kinderarzt Rainer Gebhardt sagt, er wird einige Patienten übernehmen - aber erst nach der Schließung. Bis dahin behandelt er sie als Vertretungsarzt, wenn sie in seine Praxis kommen. Doch eigentlich ist auch er ausgelastet.

Wenn die Praxis der verstorbenen Ärztin schließt, bleiben sechs Kinderarztpraxen in der Stadt. Die Nachfolgersuche der jungen Mutter läuft bislang erfolglos. Auch dem Praxisteam und der Kassenärztlichen Vereinigung ist es nicht gelungen, jemanden zu finden. "Wir suchen schon seit zweieinhalb Jahren", sagt Schwester Rosi Löchner. Den Betrieb halten im Moment Vertretungsärzte aufrecht. Die sind bereits Rentner und übernehmen tageweise den Dienst, erklärt Schwester Rosi. Manche hätten 400, 500 Kilometer Anreise bis Plauen: "Wir hatten schon jemanden aus Stuttgart und Minden hier." Viele ihrer Patienten kämen aus dem Plauener Umland, Oelsnitz, Rodewisch und Treuen. "Die haben genauso Probleme, einen neuen Arzt zu finden, der sie aufnimmt", sagt die Arzthelferin, die seit 26 Jahren in der Praxis arbeitet.

Den Bedarf an Ärzten plant die Kassenärztliche Vereinigung (KV). Nach ihren Berechnungen gibt es mehr als genügend Kinderärzte im Landkreis, die Zahlen suggerieren eine Überversorgung. Vor zwei Jahren war das Vogtland zu 210 Prozent versorgt. Aktuelle Zahlen hat die KV noch nicht vorgelegt, aber die Abweichung dürfte gering sein.

Kinderarzt Rainer Gebhardt merkt nichts von dieser Überversorgung: "Wir machen in den Mittagspausen Vorsorgeuntersuchungen, um alles zu schaffen." Seit etwa drei Jahren gebe es für Kinder zwischen 5 und 13 drei zusätzliche Vorsorgen. Damit sei das Pensum etwa um ein Drittel gestiegen. Es gibt mehrere Faktoren, die die Wartezimmer von ihm und seinen Kollegen füllen, sagt Rainer Gebhardt. "Wenn sich kein Nachfolger findet für die Praxis, wird die Stelle ersatzlos gestrichen."

Wie hoch die Nachfrage für bestimmte Spezialisten ist, habe keinen Einfluss auf die Bedarfsplanung der KV. Die Richtlinien, nach denen sie ihre Sitze vergibt, gelten bundesweit und berücksichtigen vor allem Einwohnerzahl und Alter.

0Kommentare Kommentar schreiben