Klein, aber oho: Minihaus aus dem Vogtland startet Europatour

Zwei Ex-Netzschkauer wollen reisen - und zur selben Zeit im eigenen Fachwerkhaus wohnen. Unmöglich? Von wegen!

Netzschkau.

Wer ein Haus baut oder kauft, der will meist vor allem eins: viel Platz für sich und seine Familie. Bei Jenny Müller (28) und Marco Schaller (34) ist das ganz anders. Ein Haus wollen die Ex-Netzschkauer, die jetzt in Leipzig leben, schon. Aber bloß keinen Platz für überflüssige Dinge. Die logische Konsequenz: ein Tiny-Haus soll es sein. Wobei tiny das englische Wort für winzig ist und die ganze Philosophie eines minimalistischen Lebensstils zusammenfasst. "Alles, was ein halbes Jahr nicht angefasst oder benutzt wird, rangieren wir aus", sagt Jenny Müller.

Wer ein Haus baut oder kauft, der will meist vor allem noch eins: sesshaft werden. Auch das sehen die beiden Ex-Netzschkauer völlig anders. "Wir wollten eins, mit dem man durch Europa touren kann", sagte die 28-Jährige. Ein Tiny-Haus auf Rädern quasi. So etwas gibt es tatsächlich. Die beiden suchten auf allen möglichen Plattformen nach Informationen, studierten Bau- und Verkehrsvorschriften. Dann ging es an die Planungen, die immer wieder korrigiert und bearbeitet wurden. Schließlich baut man sein eigenes Haus für gewöhnlich nur einmal. Mit 7,20 Metern Länge und 2,55 Metern Breite ist die Fläche für den Hänger ausgereizt. Denn transportieren soll man das Traumhaus ja auch noch können.

Die Höhe vom Reifen bis zur Dachspitze beträgt 3,95 Meter. Unten gibt es eine Miniküche, das Bad und ein Wohnraum, Schlafloft und Arbeitszimmer sind oben. Gebaut wird in Fachwerktradition. Das Gebäude enthält viele pfiffige Details, zum Beispiel ein Wasserkreislaufsystem, bei dem das Wasser nur halbjährlich gewechselt werden muss. Energie wird mit Sonne und einem winzigen Windrad produziert. Ein Holzofen muss sein, weil Jenny Müller kochen und Brot backen will. Zum Waschen geht es in den Waschsalon - schon wegen der Kommunikation.

Im Brockauer Jan Mißler fand das Paar genau den richtigen Zimmermann für den Rohbau. Der ist nun geschafft. Jetzt wurde das Haus nach Leipzig überführt. Dort fanden die glücklichen Hausbesitzer eine Halle, in der der Innenausbau und die Verkleidung samt Dach dazukommen sollen. Er will im Mai 2019 fertig mit dem Ausbau sein, sie hält Ende 2019 für realistischer. Und dann soll es samt Haus im Huckepack auf Europareise gehen. Während sie touren, wollen sie arbeiten, Reiseberichte schreiben, Erfahrungen zum Ausbau und zum Leben unterwegs mitteilen und durch viele Klicks auf Videos und Texte zu ein wenig Geld kommen. Jenny Müller hat ihren Job aufgegeben und widmet sich der freiberuflichen Arbeit für Redaktionen und Verlage. "Wir haben selbst gemerkt, dass es kaum etwas Kompaktes zum Tiny-Haus gibt", sagt sie. "Deshalb wollen wir alles detailliert zur Verfügung stellen."

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