Krankes Taxi-System: Rentner kommen nicht aus der Klinik weg

Ingeborg und Dietmar Forbriger haben den Notstand in der Taxi-Branche zu spüren bekommen. Sie wollten nachts aus der Notaufnahme heim, erreichten aber kein Taxi. In der Branche überrascht das niemanden.

Plauen.

Die Forbrigers litten nachts unter Brustschmerzen und Atemnot. "Wir hatten beide die gleichen Symptome und dachten, es könnte eine Vergiftung sein", sagt Ingeborg Forbriger, 67. Noch in der Nacht wählten sie den Notruf, und ein Krankenwagen brachte das Paar zusammen in die Helios-Klinik.

Der behandelnde Arzt konnte die Forbrigers wenig später beruhigen, aber der Albtraum ging weiter. Denn der Pfleger, der ihnen für die Heimfahrt ein Taxi rufen wollte, telefonierte vergeblich: Weder die Taxizentrale noch private Fahrer bekam er ans Telefon. Am Ende lief Dietmar Forbriger die 45 Minuten nach Hause und holte seine Frau später mit dem Auto im Krankenhaus ab. "Ich hatte zum Glück meine Jacke dabei", sagt er. Ingeborg Forbriger trug nur Schlafanzug und Morgenmantel und machte sich Sorgen, ihn allein durch die Nacht zu schicken: "Ihm ging es nicht gut, und ein Handy für den Notfall hatte er auch nicht dabei."


Das Ehepaar hat zu spüren bekommen, wie krank das Taxi-System in Plauen ist. Das Krankenhaus selbst übernimmt den Heimtransport nur in Sonderfällen. Die Kasse zahle nur, wenn der Patient eine Pflegestufe habe, so Helios-Sprecherin Annett Lott. Ist kein Angehöriger erreichbar, rufen die Pfleger ein Taxi. Nachts sei das oft ein Problem. "Wir geben den Leuten dann Snacks und Getränke, weil das lange dauern kann", sagt Annett Lott.

Die Klinikleitung habe sich bereits mit der Taxigenossenschaft getroffen wegen der nächtlichen Probleme. Eine Lösung fanden sie nicht. Die Taxigenossenschaftler hätten einen Kooperationsvertrag gefordert, aber den wollte die Klinik nicht unterschreiben. "Wir können keinen Fahrer bevorzugen, wir brauchen alle", sagt Lott. Denn die Taxi-Branche in Plauen ist gespalten.

Es gibt eine Genossenschaft, in der sich 14 Unternehmer zusammengeschlossen haben. Und es gibt Taxi-Unternehmer, die ihre eigene Sache machen. Die Genossenschaft fährt nach Dienstplan und organisiert Nachtschichten. Aber weil immer mehr Fahrer austreten und alleine arbeiten, ist die Nachtschicht inzwischen dünn besetzt. "Montags bis mittwochs fährt nur einer von uns nachts. Er arbeitet dann die bestellten Touren ab", sagt Wolfgang Häßler, Chef der Genossenschaft.

Alle Anrufe, die nachts eingehen, landen auf dem Handy des Fahrers. Aber der kann das Gespräch nicht immer annehmen. Etwa, wenn er unterwegs oder ausgebucht ist. "Alle schimpfen nur auf die Genossenschaft. Die freien Taxifahrer wollen keine Nachtschichten machen, denn die lohnen sich nicht", sagt Häßler. Seine Genossenschaft müsse nachts die Drecksarbeit erledigen. Mit dem Bethanien-Krankenhaus gebe es einen Kooperationsvertrag.

Der Taxi-Chef fordert das Landratsamt auf, einen Nachtschicht-Plan für die freien Fahrer vorzulegen. Dazu sieht sich Verkehrsamtsleiterin Constanze Spranger nicht in der Lage. Die Behörde dürfe privaten Taxifahrern keine Dienstpläne überstülpen. Die Fronten zwischen Taxigenossenschaft und Verwaltung sind inzwischen verhärtet, Constanze Spranger ist ratlos. In Plauen gebe es 29 Taxifirmen mit insgesamt 65 Autos und eine Funkzentrale. Das sei ausreichend. Aber es gelinge nicht, alle nachts in der Vermittlung zu bündeln. Schuld daran seien die Unternehmer.

Den Forbrigers ist dieses Behörden-Pingpong egal. Sollten sie wieder in diese Lage kommen, dürfen sie ihre Nachbarn anrufen.

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