Krebskranker Weischlitzer will leben - Typisierungsaktion heute

Sven Hübschmann ist schwer krank. Er hat eine Klinik-Odyssee hinter sich, musste bis zu 18 Röhrchen Blut am Tag abgeben. Die Plauener können helfen.

Weischlitz/Plauen.

Wegen blauer Flecke geht ein Mann nicht zum Arzt - noch bis vor wenigen Monaten hätte Sven Hübschmann diesen oft gehörten Satz ohne zu zögern unterschrieben. Doch er wurde eines Besseren belehrt. Denn gerade die kleinen, plötzlich gehäuft auftretenden Hämatome bewegten den Weischlitzer, sich lieber doch einen medizinischen Rat einzuholen.

"Eigentlich hatte meine Frau gedrängelt", erinnert sich der 46-Jährige im Gespräch mit der "Freien Presse". Anfang April erhielt der Familienvater die Schock-Diagnose: Myelodysplastisches Syndrom (MDS), eine aggressive Veränderung der Stammzellen im Rückenmark. "Es ist eine Vorstufe von Leukämie", erklärt Hübschmann. Sein Immunsystem rebelliert mittlerweile so sehr, dass er dringend ein neues braucht. Weltweit würde dafür nach Spendern gesucht, so der vierfache Vater.


Auch in seiner Heimatgemeinde haben sich Kumpels von der Feuerwehr und vom Sportverein bereits typisieren lassen sowie auch jüngst beim Firmenlauf in Plauen. "Bisher war noch keine Übereinstimmung dabei", bedauert der Dachklempner und Gas- und Wasserinstallateur. Die nächste Chance, einen potenziellen Stammzellen-Spender zu finden, bietet sich am heutigen Samstag. "Wir hoffen einfach, dass viele Menschen den Beitrag lesen und vorbeikommen", sagt Ehefrau Franziska. Sie setzt auf die Gäste des Stadtfestes Plauener Herbst.

Rein äußerlich ist die junge Mutter stark. Seit die gefährliche Krankheit Gewissheit ist, managt sie den Alltag mit zwei kleinen Kindern und einer Arbeitsstelle 30 Kilometer entfernt. "Als mein Mann anfangs zwei Monate im Krankenhaus lag, bin ich außerdem alleine in unser gerade erst fertig gewordenes Haus gezogen", erzählt sie. Die Hübschmanns haben ihr Heim selbst gebaut. Unverputzt steht es da, ein wildromantischer Garten grenzt an. Wie das Haus ist auch die Außenanlage längst noch nicht fertig. "Mir fehlt einfach die Kraft", sagt Sven Hübschmann.

Momentan sei der Zustand zwar stabil, so der früher begeisterte Motorradfahrer, aber dass es ihm relativ gut geht, liege an den Tabletten. Doch die Situation sei trügerisch, er wisse genau, was mit Chemotherapie und Knochenmarktransplantation sowie Isolation durch Quarantäne im Krankenhaus noch alles auf ihn zukommen wird. Den Optimismus will sich der Kranke dennoch nicht nehmen lassen, auch wenn er schon eine Klinik-Odyssee hinter sich hat, bis zu 18 Röhrchen Blut an nur einem Tag abgeben musste: "In einem Jahr, hoffe ich, wieder gesund zu sein", so der Vater einer Zwei- und einer Fünfjährigen. Die beiden Töchter, von denen die Ältere nächstes Jahr in die Schule kommt, möchte er aufwachsen sehen. Zwei andere Kinder sind erwachsen.

Bei der Suche nach einem Spender unterstützt der Dresdener Verein für Knochenmark- und Stammzellenspenden (VKS). Bei den Typisierungs-Aktionen sind Vertreter dabei. Sven Hübschmann allerdings will zu Hause in Weischlitz bleiben. "Ich freue mich über die Hilfsbereitschaft, aber mir ist der Rummel zu viel", sagt der Mann bescheiden.

Typisierung Stäbchen in den Mund und registrieren lassen - das geht schnell und tut nicht weh - am heutigen Samstag, 14 Uhr, am Theaterplatz in Plauen.

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