Kreisbehörde, Klinikum und Verband halbieren Stromkosten

Erstmals gibt es eine gemeinsame Ausschreibung. Statt 1,24 Millionen Euro bisher sind ab 2020 nur noch 567.500 Euro fällig.

Plauen.

Wer beim Anblick seiner Energiekosten-Abrechnung ins Grübeln kommt, sucht auf Internetportalen wie Verivox und Check24 nach einem Ausweg oder schaut gleich bei der Verbraucherzentrale vorbei. Behörden und ihre nachgeordneten Unternehmen und Institutionen regeln das anders. Der Vogtlandkreis, das kreiseigene Klinikum Obergöltzsch in Rodewisch und der Zweckverband Talsperre Pöhl haben es erstmals als Bietergemeinschaft mit einer gemeinsamen europaweiten Ausschreibung versucht. Das hat funktioniert. Und wie.

Im Jahr 2018 haben diese drei Einrichtungen zusammen 5.400.000 Kilowattstunden (kWh) Strom verbraucht. Das entspricht etwa der Energiemenge, die 1500 Zwei-Personen-Haushalte in zwölf Monaten gemeinsam benötigen. Kreisbehörde, Klinikum und Verband haben bisher getrennte Rechnungen erhalten und zusammen 1,24 Millionen Euro bezahlt. Nach der gemeinsamen Ausschreibung, die der Kreistag vor der Sommerpause einstimmig beschlossen hat, bezahlen sie in den Jahren 2020 und 2021 zusammen 567.500 Euro. Eine Ersparnis von 674.100 Euro. Das entspricht einer Kostensenkung um 55 Prozent.


Den Auftrag erhielt das in Chemnitz ansässige regionale Energieunternehmen Eins Energie in Sachsen GmbH & Co. KG mit dem - wenn auch haarscharf - günstigsten Preisangebot. Unter den sechs in die Wertung gekommenen Anbietern waren auch die Stadtwerke Oelsnitz und die Stadtwerke Reichenbach. Selbst das mit 707.500 Euro teuerste Angebot von der Erdgas Mittelsachsen GmbH hätte unterm Strich noch eine jährliche Einsparung von mehr als 500.000 Euro bedeutet.

Die Kreisräte haben der Vorlage einstimmig zugestimmt, stellten in der überfrachteten fünfstündigen Juni-Sitzung aber keine Fragen. So blieb unklar, ob die enorme Differenz zwischen bisherigen und neuen Stromkosten allein Ergebnis der Ausschreibung ist oder weitere Gründe dafür vorliegen. Auch der Beschlusstext enthielt dazu keine Aussagen. Dort hieß es, ab einem Schwellenwert von 221.000 Euro müsse man EU-weit ausschreiben. Ein externes Büro wurde mit der Durchführung beauftragt.

Der dickste Brocken des Strompakets entfällt auf die Kreisbehörde, die im Jahr 2018 laut Beschlussvorlage 2,88 Millionen kWh Strom verbraucht hat und 706.000 Euro zahlen musste. Allein auf das Amt für Gebäude- und Immobilienmanagement entfielen davon 555.000 Euro - das ist fast die Summe, die ab 2020 Kreisbehörde, Klinikum und Verband zusammen zahlen müssen. Weitere Posten auf der bisherigen Kreis-Rechnung sind das Amt für Straßenunterhalt samt seinen Meistereien (116.700 Euro), das Asylheim in Plauen (24.490 Euro) und das Behörden-Parkhaus (6050 Euro).

Das Klinikum in Rodewisch war mit 1,83 Millionen kWh ebenfalls Großkunde eines Energieversorgers und bezahlte jährlich 382.800 Euro. Der Zweckverband Talsperre Pöhl musste 2018 für 707.400 kWh Elektroenergie 151.900 Euro bezahlen.

Ein genauerer Blick auf die Zahlen zeigt, dass die drei Partner bislang deutlich unterschiedliche Mengenpreise bezahlt haben. Das Klinikum Rodewisch hatte offenbar die besten Mengenrabatte aushandeln können und zahlte je Kilowattstunde 20,9 Cent. Der Zweckverband Talsperre Pöhl liegt als kleinster Abnehmer etwas höher: 21,5 Cent je kWh. Das Landratsamt als größter Abnehmer zahlte mit 24,5 Cent je kWh den höchsten Preis und liegt damit 17 Prozent höher als das Klinikum.

In einem zweiten Schritt hat der Vogtlandkreis auch die Lieferung von 7 Millionen kWh Gas ausgeschrieben - Klinikum und Verband haben sich hierbei nicht beteiligt. Statt 395.900 Euro zahlt der Kreis ab 2020 nur noch 295.500 Euro. Das sind ziemlich genau 100.000 Euro weniger und entspricht rund 25 Prozent. Der Auftrag ging an die Stadtwerke Oelsnitz, die das günstigste Angebot vorlegen konnten.

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