Kreisparteitag: Vogtland-CDU zeigt sich als Familien-Partei

Die Christdemokraten setzen bei der Landtagswahl im nächsten Jahr auf bekannte Gesichter. Alle vier derzeitigen CDU-Landtagsabgeordneten wurden am Wochenende erneut nominiert - obwohl es eine Alternative gegeben hätte.

Plauen/Rodewisch.

Ein Wahlkrimi war die Nominierung der vier vogtländischen CDU-Direktkandidaten für die sächsische Landtagswahl am Samstag im Rodewischer Ratskeller nicht. Die Christdemokraten schicken diesmal durchweg vertraute Gesichter für die vier Wahlkreise ins Rennen. Es sind die Amtsinhaber Frank Heidan (60 Jahre, Plauen mit 90 Prozent der Stimmen), Andreas Heinz (58, Pöhl, 73 Prozent), Sören Voigt (47, Falkenstein, 88 Prozent) und Stephan Hösl (52, Reichenbach, 80 Prozent). Mit Katharina Nicolai aus dem Pausaer Ortsteil Ebersgrün, die beim Kreisparteitag gegen Heinz im Wahlkreis 2 antrat, hatte sich eine Alternative geboten - eine weibliche zudem. Doch sie wurde nicht genutzt. Nicolai erhielt zwölf von 44 Stimmen.

Dabei hatte die Partei am Samstag in mehreren Reden um weibliche Mitglieder gebuhlt. Und sie zeigte sich während ihres Treffens mit einer Kinderspielecke erstmals sehr familienfreundlich. Für Nicolai reichte es letztlich zur Beisitzerin im Vorstand (54 Prozent der Stimmen). Damit ist sie eine von zehn Frauen in dem erweiterten Vorstand, der noch von zehn Männern ergänzt wird. Für Nicolai sei politisches Engagement indes keine Frage. "Bei der übernächsten Landtagswahl trete ich wieder an", sagte sie.

Ausnahmslos jeden Anwesenden zum CDU-Kreisparteitag am Samstag in Rodewisch überzeugt hatte nur ein einziger Bewerber: Lennart Schorch aus Plauen. Mit 100 Prozent stimmten die mehr als 150 CDU-Mitglieder für ihn als künftigen Schatzmeister. Alter und neuer Kreisvorsitzender ist der Falkensteiner Sören Voigt. Seine Stellvertreter sind erneut die Auerbacher Bundestagsabgeordnete Yvonne Magwas, der Muldenhammer Unternehmer Frieder Seidel und der Plauener Banker Tobias Kämpf. Pressesprecher bleibt Knut Kirsten, Amtsleiter aus Auerbach. Die Funktion der neuen Mitgliedsbeauftragten übernimmt Nicole Weber, die in Magwas' Wahlkreisbüro arbeitet.

Es sei der Geist der Vogtland-CDU, dass der Verband auch in stürmischen Zeiten Ruhe bewahre, meinte Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU), der als Gastredner ins Vogtland gekommen war. "Die Vogtländer fallen nicht durch Personaldebatten auf", sagte der Landespolitiker. Andere in der CDU sehen das eher kritisch. Die Partei müsse darauf achten, nicht statisch zu werden, sagte beispielsweise Knut Kirsten am Rande der Veranstaltung.


Parteitags-Splitter

Terminprobleme hatte Landrat Rolf Keil, der auch CDU-Mitglied ist. Wegen zweier anderer Veranstaltungen ließ er den Parteitag sausen.

Diamantene Hochzeit mit der CDU: Seit 60 Jahren ist der Plauener Manfred Dostmann der Partei treu. Er sei mit 17 eingetreten", so der 77-Jährige.

Wer die Nationalhymne geschrieben hat, wissen sicher viele vogtländische Christdemokraten, aber nicht der Verantwortliche für die Tagungsunterlagen. Es war August Heinrich Hoffmann, der in dem Papier fälschlicherweise nur mit "von Fallersleben" (seinem Herkunftsort und Künstlernamen) benannt wurde. sasch


Kommentar: Frauen an die Macht!

Es blieb bis zuletzt spannend: Würde Katharina Nicolai den Landtagsabgeordneten Andreas Heinz in dessen Wahlkreis herausfordern? Die Pausaerin hatte es gewagt. "Ich wollte ein Signal setzen", begründete die Katholikin. Ihre Antrittsrede war von vielfältigem Inhalt geprägt. Erfrischend anders!

Genutzt hatte der Mut ihr am Ende nicht. Die Mehrheit der Vogtland-CDU setzt auch diesmal auf ein Männer-Quartett, sah die Zeit für einen Wechsel bei den Kandidaten nicht gekommen. Die Landtagswahl im nächsten Jahr wird zeigen, ob das klug war. Dabei hatte die Bundestagsabgeordnete Yvonne Magwas in ihrer Rede noch betont: "Wir brauchen Frauen bei uns." Sachsen sei besonders. Denn Frauen würden überproportional CDU wählen.

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