Lars und Lars setzen Plauens Blütezeit ein Online-Denkmal

Zwei Plauener Hobbyhistoriker sind vom einstigen Boom der Spitzenstadt fasziniert. Nun haben sie einen Online-Zeitstrahl von 1880 bis 1914 kreiert: eine interaktive Entdeckungsreise in 3-D.

Plauen.

Innerhalb von rund 30 Jahren hat sich Plauen komplett verwandelt. Zwischen 1880 und 1914 wuchs die Einwohnerzahl aufs Fünffache, trat die Spitzenindustrie ihren Siegeszug an und modelte das mittelgroße Plauen in eine pulsierende Großstadt um: mit Luxus-Hotels, neuer Straßenbahn, großem Rathaus und fast 140 Millionären. Bis der Erste Weltkrieg ausbrach. Lars Gruber (45) und Lars Buchmann (40), beide selbst Plauener, haben nun ein ehrgeiziges Projekt veröffentlicht: einen Online-Zeitstrahl in 3-D übers Aufblühen und Verwelken der Spitzenstadt. Seit Samstag ist er auf ihrer Online-Präsenz stadt-plauen.info kostenlos zu sehen. "Wir wollen damit durch die Blütezeit Plauens fliegen", sagt Buchmann schmunzelnd.

Los geht der Zeitstrahl 1880 mit Bürgermeister Kuntze und knapp 33.000 Einwohnern. Um 1900 sind es bereits über 70.000 Plauener, die Vomag AG wurde gegründet, eine neue Straßenbahn fährt auf Schienen, ein Stadttheater strahlt, der Grand Prix-Sieg bei der Weltausstellung in Paris adelt die Plauener Spitze. Der Zeitstrahl lässt den Benutzer eintauchen in die "absolute Hochzeit von Plauen", wie Gruber erklärt, von 1910-1912, bis zum krassen Einschnitt ab 1914.

240 Fakten haben die beiden Sammler und Forscher, die sich in Plauen mit immer neuen Ideen fürs Erleben der Stadtgeschichte stark machen, darin zusammengestellt. Lars Gruber lieferte Texte, Lars Buchmann sorgte für Fotos und Videos. "Eingeflossen sind Original-Filmaufnahmen aus Plauen", verrät er. Ein Jahr Arbeit steckt in dem Projekt. "Es war damals eine hochinteressante Zeit", sagt Gruber. Nicht nur die Höhen, auch Tiefen wie Hochwasser oder Trinkwassermangel haben sie mitgenommen. Und viele kleinere Ereignisse: wie der Bau von Schulen oder der Pauluskirche.

Es ist nicht ihr erster Zeitstrahl: Bereits übers Wendejahr 1989 haben die beiden eine solche interaktive Übersicht entworfen. "So wird Geschichte plastischer dargestellt als zum Beispiel in einem Buch", erklärt Buchmann. Wie ein multimediales Digital-Archiv, in dem man auch per Stichwortsuche schnell mal nachschlagen kann. Gerade für junges Publikum und Schulen, so Buchmann, biete sich der Zeitstrahl an.

Die Boom-Zeit von Plauen fasziniert nicht nur die beiden Historiker. Viele Menschen wollen mehr über diese Zeit wissen, sagt Buchmann, sie mögen auch das Nostalgische, Elegante, Lebendige aus dieser Epoche. Man träume sich per Fotos und Postkarten zurück in die Zeit des Aufschwungs, des Wohlstands und der Hoffnung.

Das kann mit dem Zeitstrahl nun jeder am PC oder Handy: an der Zeitleiste entlang fahren, die aufploppenden Kästchen darüber ansehen und draufklicken oder -tippen, wenn ein besonders interessantes Ereignis auftaucht. Mit dem Zangensymbol lasen sich Stichworte suchen. Wie Lars Buchmann sagt, soll der Zeitstrahl immer wieder erweitert werden.

Es ist nicht das letzte Projekt der beiden Plauener, die sich der greifbaren Stadtgeschichte verschrieben haben. Weitere Zeitstrahle sollen Plauens Entwicklung bis heute abbilden. Zu gern würde Buchmann zur 900-Jahr-Feier in Plauen einen Film auf einer großen Leinwand zeigen: Plauen 1930 bis 1970. Mit dem Rathaus sei er im Gespräch, verrät er. Aber noch sei nichts spruchreif.

Hier geht es direkt zum Zeitstrahl: www.freiepresse.de/bluetezeit

2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    kgruenler
    18.01.2020

    @Pappefuß: Der steht direkt am Ende des Artikels oder eben hier entlang:
    https://www.tiki-toki.com/timeline/entry/967652/Die-Bltezeit-von-Plauen/

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    1
    Papenfuß
    18.01.2020

    Kennt jemand den Link, auf welchem der 'Zeitstrahl' zu finden ist?



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