"Leser helfen": Ein Kombi für Colin und seine Familie

Er ist fast 15 Jahre alt, ein junger Mann. Doch er befindet sich auf dem Stand eines Einjährigen. Was "Freie Presse"-Leser für den Plauener Colin Clemet und seine Eltern tun können.

Plauen.

Wenn am Silvestertag die Menschen das neue Jahr begrüßen, hätte Colin Clemet einen Extra-Grund zum Feiern. Denn der 31. Dezember, das ist auch sein Geburtstag. Doch abgesehen von den Corona-Einschränkungen in diesem Jahr - so richtig begreifen wird der Junge wohl nicht, dass er an dem Tag im Mittelpunkt steht. Denn sein Entwicklungsstand, das ist in etwa der eines einjährigen Kindes.

Er läuft mehr recht als schlecht. Sprechen kann er nicht. Früher habe er ein paar Wortfetzen wiedergeben können, erinnern sich seine Eltern. Das war, als er noch keine fünf bis acht Epilepsie-Anfälle pro Tag hatte. Mutter Michaela Clemet und Vater Frank Horn sind ein gutes Team, sie kümmern sich Tag und Nacht aufopferungsvoll um den Sohn mit Pflegegrad 5, der höchsten Stufe. Er muss gefüttert und gewickelt werden. Die Eltern klagen nicht, Hilfe haben sie dennoch bitter nötig. Die "Freie Presse" bittet ihre Leser in der diesjährigen "Leser helfen"-Aktion darum.

Was es ist, das die Familie dringend braucht? Ein anderes Auto, am besten einen Kombi mit extragroßen Schiebetüren, denn Colin sitzt zum Großteil im Rollstuhl. "In unseren Renault Megane passt das Gefährt nur mit Müh' und Not", sagt Papa Frank (49). Die Autotüren gehen nicht weit genug auf. Wenn die Eltern den 60 Kilo schweren Sohn hinein hieven müssen, sei das für alle Beteiligten eine Tortur. Dabei sind sie so gern mit Colin unterwegs ins Grüne. Lieblingsorte sind die Ufer der Talsperre Pöhl und der Plauener Stadtpark. "Colin liebt es, auf der Decke im Gras zu sitzen oder im Sandkasten die kleinen Körner durch die Finger rieseln zu lassen", berichtet Mama Michaela. Die 37-Jährige hat es vermutlich als erstes gespürt, dass etwas nicht stimmt mit ihrem Jungen. Als er 2005 nach einer unproblematischen Schwangerschaft und auch ohne Komplikationen auf die Welt kam, schien alles in Butter zu sein. Bis zum Sommer des nächsten Jahres. Da habe die Mutter merkwürdige Zuckungen beobachtet.

Dass es sich um epileptische Anfälle handelt, sei ihr damals noch nicht klar gewesen. Dem Plauener Kinderarzt allerdings schon. Es folgte eine Überweisung zum Neurologen. Bis zum Ruhestand vor einem halben Jahr hat sich der Greizer Dr. Rainer Lietz um Colin gekümmert. Ist die Krankheit erblich, fragten sich die Eltern? "Nein, wir haben niemanden mit Epilepsie in der Familie", fanden sie heraus. Mittlerweile finden sie sich bestens aufgehoben bei Dr. Simone Pötzsch im Helios Vogtlandklinikum in Plauen.

Seit dem Vorjahr bekommt der "Mucki", wie das Plauener Paar seinen Colin nennt, Medikamente auf CBD-Basis - Cannabis. Das lindere die Zahl der Krampfanfälle. Und danach sei der Junge nicht mehr so extrem geschwächt und orientierungslos wie früher. Da sei er nach einem Anfall immer total fertig gewesen, habe Muskelkater gehabt. "Das Mittel hilft uns wirklich sehr. Wir haben aber auch lange darum gekämpft", so die Eltern. Sie ahnen es regelrecht, wenn Colins Gehirn wieder auszusetzen droht. Das könne auch nachts passieren. Deshalb seien die beiden Teilzeit-Angestellten eigentlich immer in Hab-Acht-Stellung. In seinem Schlafzimmer, da könne nicht viel passieren, denn Colin liegt in einem vergitterten Spezialbett.

Für Michaela Clemet ist das ein notwendiges Übel. Sie hat seine zwei Räume zuhause, darunter ein eigenes Spielzimmer mit Bällebad und großen Plüschtieren, liebevoll eingerichtet. Colin sei ein toller Junge, der sämtliche Herzen breche, sagt sie. Er quengele nicht und zeige, dass er auf seine Art zufrieden ist.

30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 20,99 €
00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.