Lessing zieht gegen Luther den Kürzeren

Auflösung Fotorätsel 1065: Das Bild zeigt Gebäude der hinteren Schildstraße und der Martin-Luther-Straße.

Plauen.

Die Form der abgebildeten Häuser am hinteren Teil der Schildstraße deutet gegenüber den meisten Gebäuden an dieser Straße auf neuzeitlichen Wohnungsbau hin. Aber wiederum nicht so neu, dass man sie dem Wohnungsbau in der Nachkriegszeit zurechnen könnte. "Vorkriegshäuser" oder "Stahl-Häuser" sagte der Volksmund zu den Bauten an der früheren Lessingstraße, die nun Martin-Luther-Straße heißt. Der Name dieser Straße hat sich im Laufe der Zeit gewandelt, im Stadtplan von 1946 verläuft die Lessingstraße von der oberen Bahnlinie über die Reißiger Straße hinweg hinunter zur Hammerstraße. Heute heißt nur noch das Stück von der Reißiger- zur Hammerstraße so. Gotthold Ephrain Lessing (1729- 1781) war ein Dichter der Aufklärung. Auch das Plauener Gymnasium an der Jößnitzer Straße trägt seinen Namen.

Im DDR-Sozialismus ist der frühere obere Teil der Lessingstraße in Ernst-Thälmann-Straße umbenannt worden, was nach der Wende wieder rückgängig gemacht wurde. Seither heißt sie Martin-Luther- Straße. Luther wird in Plauen an mehreren Stellen geehrt, es gibt die Lutherkirche, den Lutherpark und das Lutherhaus. Der Reformator Martin Luther (1483-1546) hatte auf dem Reichstag zu Worms 1521 vor dem Kaiser zu erscheinen, um seine Thesen und Ansichten zu widerrufen. Das tat er nicht. Er erhielt zwar freies Geleit für die Rückfahrt, wurde aber danach für vogelfrei erklärt. Um Luther zu schützen, ließ Kurfürst Friedrich der Weise den geächteten Luther mit dessen Zustimmung auf die Wartburg "entführen". Dort lebte er im Geheimen als Junker Jörg und übersetzte das Neue Testament aus der griechischen in die deutsche Sprache.

Johann Friedrich Schild gründete 1701 die erste Manufaktur in Plauen und ließ 1702 am Mühlberg ein "ordentliches Fabric-Hauß" errichten, in dem verschiedenen baumwollene Zeuge, halbleinene und halbseidene Waren hergestellt wurden. Im Straßennamenbuch der Stadt Plauen vermerkt auch, dass er Plauener Bürgerstöchter zu "Wirkerinnen" ausgebildet hat, die "Weiber-Halstücher" mit farbigen Streifen und Rändern zu verzieren hatten. Im Internet wird von der "Geburtsstunde industriemäßiger Textilherstellung" geschrieben, die die Stadt Plauen Johann Friedrich Schild verdankt.

Mehrere Häuser der vorderen Schildstraße wurden am 10.April 1945 beim 14. Fliegerbombenangriff auf Plauen zerstört. Dabei gab es auch Tote. Die Schildstraße beginnt bereits an der Krausenstraße und nicht, wie oft fälschlich angenommen, an der Kaiserstraße.

Zu gewinnenwaren 2 x 2 Freikarten für das Sternquell-Brauereifest am Wochenende. Aus den Einsendern wurden als Gewinner Andrea Kögler und Gisela Mey, beide aus Plauen, ermittelt. Sie sind benachrichtigt.

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