Letzte Hornsignale sorgen für Gänsehaut

Wieviel Mystik steckt im Vogtland? Die Grusel- touren des Heimatvereins Schöneck geben einen Einblick in eine Welt voller Geheimnisse.

Schöneck.

Wenn Ralf Edler beim nächtlichen Rundgang durch Schöneck die Ballade aus dem Dreißigjährigen Krieg vorträgt, in der ein Bürger einen Söldnertrupp ins Woodrich führt, er dann noch das immer schwächer werdende Signal des ebenfalls im Moor versinkenden Hornisten bläst, und auch sein Hund Shila jaulend einstimmt, dann läuft einem als Zuhörer schon ein Schauer über den Rücken.

Ralf Edler hatte die Ballade natürlich im Programm, als er am Freitag mit dem Heimatverein wieder zu einer Gruseltour durch die Stadt- geschichte einlud. Diesmal mit dabei waren neben vielen Gästen auch etliche Kollegen von den Gilde der Nachtwächter, Türmer und Figuren.

Die Stationen der Tour sind historisch belegt. In "Das Halsgericht zu Schöneck" hat die inzwischen verstorbene Autorin Wibke Martin die Hinrichtung 1698 der damals erst 14-jährigen Marie Meyen als Roman aufgearbeitet. Das Buch "Der Kindsmord zu Schöneck", das ihr Mann Siegfried vollendete, beruht auf Geschehnissen im Jahr 1715, als die damals 20-jährige Pfarrerstochter Johanna Elisabeth Müller ihr Neugeborenes erstach - und nach einer Kette von Intrigen straffrei blieb.

Die Mystik, die sich um das Vogtland rankt, ist vielschichtig. Das wurde auch beim Programm der Sagentruppe des Theaterdorfes Zwota am Donnerstag deutlich. "Unsere Gäste staunen immer wieder über den Fundus an Sagen", konstatierte Ralf Edler. Eher lustige Gestalten sind dabei die Blecherne Ziege und die Weiße Sau, die in Klingenthal gerne späte Heimkehrer aus dem Wirtshaus erschreckten. Humorvoll gehalten sind auch die Sagen von der Voigtsberger Laterne oder dem Huckauf, der in der Oelsnitzer Elsteraue sein Unwesen trieb. Weniger zum Lachen sind die Erzählungen vom Schrackagerl: In den Häusern am Aschberg, wo dieses Geschöpf einzog, machte das Glück einen Bogen. Angst hatte man früher auch vor dem Ruf der Winselmutter - wenn der erklang, war dies ein Zeichen für nahendes Unglück. Nachdenklich stimmen die Überlieferungen vom Waldgut Untersachsenberg, wo eine hartherzige Gutsfrau lieber das Essen verderben ließ, statt es den Armen zu geben - was sie später bitter bereuen sollte.

Drei Tage lang stand Schöneck im Zeichen des Treffens der Gilde der Nachtwächter, Türmer und Figuren. Sogar der MDR-Sachsenspiegel berichtete davon. Die gut drei Dutzend Mitglieder fühlten sich wohl in der Stadt. "Wenn man als Rheinländer hierher kommt, ist das schon sehenswert. Schöneck hat seinen ureigenen Charakter", sagte Gilde-Chef Heinz Wellmann aus Rees.

Nach dem Rundgang wurde übrigens das beste Gespensterkostüm prämiert. Die Krone erhielt die Schöneckerin Sylvia Roth.

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