Liebesbeweis: Gärtnern auf zwei Etagen

In der Gartensparte Birkenhübel wird nicht nur beim Sommerfest gefeiert. Es gibt dort auch denkwürdige Begebenheiten.

Plauen.

Morgen ist es wieder so weit: Am Birkenhübel, links zwischen Preißelpöhl und Reißig, steigt das jährliche Sommerfest.

Die Anlage besteht seit 71 Jahren. Birkenhübel heißt sie deshalb, weil das Areal einst voller Birken stand. Die haben die Plauener in der Nachkriegszeit notgedrungen zu Feuerholz verarbeitet. Als die Fläche leer war, gründeten am 6. April 1947 einige Plauener die Sparte und nannten sie "Am Birkenhübel". Adelheid Wunderlich stand 30 Jahre lang an der Spitze, vor neun Jahren übernahm Manfred Bredow (65).

89 Pachtgärten umfasst das hügelige Areal. Jeder ist rund 300 Quadratmeter groß. Vier Parzellen sind derzeit frei, sie können an Interessierte abgegeben werden. Beim Sommerfest gibt es zur Unterhaltung Angebote wie Galgenkegeln, Nägelschlagen und eine Tombola ohne Nieten.

Am äußersten Ende der Anlage, nahe der Bahnlinie und der oberen Reußenländer Straße, wo sich Hase und Fuchs gute Nacht sagen, werkelt im Garten Nr. 1 Alexander Maul mit seiner Lebensgefährtin Melanie Rückemann, beide 42, und Tochter Lea-Sophie (17). Weil sich Rückemann wegen einer Erkrankung zwischenzeitlich nicht bücken konnte, erbrachte der Lebensgefährte einen ganz besonderen Liebesbeweis: Er baute für sie vor sieben Jahren ein Hochbeet, damit sie bequem pflanzen, gießen und jäten konnte.

Der Frau, die von Beruf medizinische Fachangestellte ist, geht es nach drei Operationen jetzt wieder besser, aber die Aktion Hochbeet wurde beibehalten. Die Sache gefiel der Familie so gut, dass der Mann nach und nach immer mal wieder ein solches Hochbeet baute. Inzwischen sind es fünf Stück. Jedes ist zweieinhalb Quadratmeter groß. Das Holz dafür kaufte der Kleingärtner im Baumarkt. In den Hochbeeten wachsen Zucchini, Kürbis, Gurken, Brombeeren, Erdbeeren, Zwiebeln, Radieschen, Möhren und verschiedene Kräuter. "Dass die Arbeitsfläche in angenehmer Höhe liegt, ist nur ein Vorteil", so Maul. "Man kann den Garten auch praktisch in zwei Etagen nutzen, denn den eigentlichen Grund bebauen wir ja auch." Und so ist auf dem 360 Quadratmeter großen Grundstück neben einem schmucken Gartenhäuschen auch Platz für Pfirsich-, Kirsch- und Buchsbaum, Blumenbeete und Ziersträucher.

Die Familie hat von ihrem Garten aus einen Blick über Wald und Feld und kann fast bis zur Eisenbahnbrücke an der Chrieschwitzer Straße sehen. "Es ist hier wunderbar still", sagt Alexander Maul, der als Isolierer tätig ist. "Wir können hier herrlich die Natur beobachten, sehen Hirsche, Rehe, Wildschweine, Igel und Ringelnattern."

Die Tiere werden allerdings vom Sommerfestrummel, der morgen von 14 bis 1 Uhr nachts zu hören sein wird, kaum gestört, denn der Festplatz liegt weit entfernt.

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